KOMMENTAR ZU ÖZIL UND GÜNDOGAN

Wehe, wenn Erdogan AfD-Mann wäre

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ließ sich mit Ilkay Gündogan und Mesut Özil für ein Foto ablichten. Den beiden Nationalspielern droht jetzt Ärger. Das ist unfair, der DFB sollte nicht auf die „korrekte” Gesinnung der Spieler achten, meint Nordkurier-Vize-Chefredakteur Jürgen Mladek.
Jürgen Mladek Jürgen Mladek
Recep Tayyip Erdogan (2.v.r.) zusammen mit den Premier League Fußballspielern Ilkay Gündogan (l), Mesut Özil (2.v.l.) und Cenk Tosun (r) in einem Hotel in London.
Recep Tayyip Erdogan (2.v.r.) zusammen mit den Premier League Fußballspielern Ilkay Gündogan (l), Mesut Özil (2.v.l.) und Cenk Tosun (r) in einem Hotel in London. Uncredited
London.

Erdogan ist nicht nur der unbestrittene Weltmeister im Einsperren von missliebigen Journalisten, sondern auch im Ersinnen niederträchtiger Nazi-Beleidigungen an die Adresse Deutschlands. Und dann gehen zwei von unseren Nationalspielern diesem Despoten um den Bart, als ob er ein lieber Verwandter aus der alten Heimat wäre. Eigentlich sollte man sie aus dem WM-Kader werfen.

Andererseits: Fußballer werden nicht dafür bezahlt, dass sie für Menschenrechte streiten, auch wenn der DFB immer so tut, als ob genau das der Fall wäre. In Wahrheit aber sollen sie Tore schießen und gewinnen. Und, noch wichtiger, Werbe-Millionen in die Kassen spülen. Sollen sie also ruhig mitspielen, wenn der Trainer das will. Schön wäre es dann aber auch, wenn den Akteuren auch anderswo nicht ständig eine „korrekte“ Gesinnung abverlangt werden würde, um mitmachen zu dürfen. Nicht auszudenken, wenn in diesem Land ein Spitzensportler zum Beispiel als Fan von AfD-Chef Gauland geoutet würde. Vielleicht gibt’s deshalb keine.

Harsche Kritik an Özil & Gündogan

Kurz vor der WM-Nominierung haben sich Mesut Özil und Ilkay Gündogan durch einen Auftritt mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mächtig Ärger eingehandelt. Fotos der deutschen Fußball-Nationalspieler mit dem Politiker in einem Hotel in London sorgten am Montag für Wirbel. DFB-Chef Reinhard Grindel reagierte mit harscher Kritik. Beide hätten sich für ein Wahlkampfmanöver "missbrauchen lassen". Teammanager Oliver Bierhoff äußerte Unverständnis und kündigte eine Aussprache mit dem Duo an. Auch deutsche Politiker und die Organisation Reporter ohne Grenzen kritisierten die Mittelfeldspieler.

Gündogan zufolge sollte mit dem Auftritt keine politische Botschaft verbunden gewesen sein. "Es war nicht unsere Absicht, mit diesem Bild ein politisches Statement abzugeben, geschweige denn Wahlkampf zu machen", teilte er mit. "Als deutsche Nationalspieler bekennen wir uns zu den Werten des DFB und sind uns unserer Verantwortung bewusst", erklärte Gündogan weiter.

Erdogan war für Wahlkampf in London

Nach einem Putschversuch im Sommer 2016 hatte Erdogan einen Ausnahmezustand in der Türkei verhängt. Grundrechte sind eingeschränkt, Erdogan kann weitestgehend per Dekret regieren. Er ging rigoros gegen Kritiker vor. Erdogan will sich am 24. Juni erneut zum Präsidenten wählen lassen. Die Opposition warnt vor einer Ein-Mann-Herrschaft. Um Wahlkampf zu machen, hielt Erdogan sich in London auf.

"Der DFB respektiert und achtet selbstverständlich die besondere Situation unserer Spieler mit Migrationshintergrund", teilte DFB-Präsident Grindel via Twitter mit. "Aber der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden".

Die in Deutschland aufgewachsenen, türkischstämmigen Profis Özil und Gündogan ließen sich nicht nur gemeinsam mit dem Politiker ablichten, sondern überreichten ihm zudem Trikots ihrer Clubs FC Arsenal und Manchester City.

Sei Aschenbrödel! - Dein personalisierbares Märchenbuch zum Film!

Das DDR Witzbuch

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in London

zur Homepage

Kommentare (3)

... Paradigmenwechsel verschlafen. Wenn die deutsche Bundesregierung mit der bösen türkischen Regierung millionenschwere Geschäfte abschliesst (z.B. die Flüchtlingslager in der Türkei, um die syrischen Flüchtlinge dort zu versorgen und nicht nach Deutschland zu lassen) ist das in Ordnung. Schenkt wer dem Erdogan ein Trikot - ohne Gegenleistung! - dann kann sich Deutschland am Thema Erdogan abarbeiten.

, das bedeutet, dass der Spieler stolz ist auf den Adler auf der Brust, denn der Spieler repräsentiert damit das "Vaterland"! Wer das nicht akzeptieren kann und sich daher weigert, die deutsche Nationalhymne zu singen, der hat m. E. nicht das Recht in dieser Funktion aktiv zu sein!

Auf was und wen wer stolz ist sollten Sie jedem Einzelnen überlassen. Genauso sollten Sie niemanden vorschreiben, was er zu singen hat. Insbesondere Fußballer sollen Fußball spielen, deren Gesangskünste sind untergeordneter Natur. Die wenigstens Fußballer singen. Sie bewegen lediglich stumm die Lippen oder brummen irgendwas. Vielleicht irre ich mich auch: sie singen an Ihrem Arbeitsplatz die Nationalhymne, um Ihren deutschen Arbeitgeber zu repräsentieren und zu gefallen, bevor sie an die Arbeit gehen?