DISKUS-REKORD

Weltrekord-Wurf in Neubrandenburg feiert Geburtstag

Vor 33 Jahren sorgte ein Schweriner Diskuswerfer für einen Paukenschlag im Neubrandenburger Jahnstadion. Aber bis heute gibt es einen Verdacht.
Thomas Krause Thomas Krause
Heute vor genau 33 Jahren sorgte Jürgen Schult für einen Paukenschlag im Neubrandenburger Jahnstadion.
Heute vor genau 33 Jahren sorgte Jürgen Schult für einen Paukenschlag im Neubrandenburger Jahnstadion.
Neubrandenburg.

Jürgen Schult möchte über den größten Wurf in seiner Karriere eigentlich nicht mehr reden, weil er in Medien am Ende doch meist mit einem Wort zusammengefasst wurde und wird – Doping. Aber dann erzählt er doch von jenem Tag, an dem Sportgeschichte geschrieben wurde.

Am 6. Juni 1986, beim EM-Qualifikationswettkampf, warf der damals 26-Jährige den Diskus im Neubrandenburger Jahnstadion auf unglaubliche 74,08 Meter. „Es war ein Glückswurf, bei dem alles stimmte“, sagt Schult. Vor allem stimmten die Windverhältnisse an diesem Tag mit dem böigen Rechtswind. Der bis zu dem Zeitpunkt eher unbekannte Schweriner ging volles Risiko, und das Gerät flog, flog und flog.

Dass der Wurf weit war, sei sofort klar gewesen. Im Stadion herrschte Stille, die Kampfrichter maßen, verglichen, berieten, dann verkündete der Stadionsprecher: Jürgen Schult hat soeben einen neuen Weltrekord aufgestellt und die alte Marke von Juri Dumtschew aus der UdSSR um 2,22 Meter verbessert.

Jürgen Schult ist heute bei der Bundespolizei tätig

„Weiten um die 68 Meter hatte ich mir zugetraut, wenn es gut läuft auch 70“, erzählt er. Aber 74? Niemals.Ein Jahr später wurde Schult Weltmeister, 1988 gar Olympiasieger in Seoul. 1992 holte er noch mal Olympia-Silber in Barcelona, siegte 1990 bei der Europameisterschaft.

An seinem Weltrekord-Wurf von Neubrandenburg klebt aber auch 33 Jahre später der Dopingverdacht wie Grashalme an der Diskusscheibe. Deshalb möchte der heute 59-Jährige, der als Trainer bei der Bundespolizei in Kienbaum tätig ist, auch nicht mehr viel über diesen einzigartigen Wurf reden.

Das tun dafür andere: Der Heidelberger Antidopingexperte Werner Franke und seine Frau Brigitte Berendonk hatten in der Wendezeit geheime DDR-Doping-Forschungsarbeiten ausgewertet und darüber ein Buch veröffentlicht. Schult soll demnach zwischen 1981 und 1984 hohe Dosen Oral-Turinabol erhalten haben. Die Umstände sind bis heute nicht bekannt.

Der Schweriner hat Doping stets bestritten. Dopingbekämpfer wie Franke glauben das nicht. Er bezeichnet Rekorde von DDR-Sportlern wie die von Jürgen Schult oder Sprinterin Marita Koch schon mal als „kriminell“ – so wie im vergangenen Jahr in einem Beitrag der Wochenzeitung „Zeit“. Doping, Doping, Doping – nur darum gehe es immer, meint Schult, der inzwischen froh wäre, wenn dieser Rekord endlich getilgt werden würde.

Schult warf vor der Wende so weit wie danach

Der Neubrandenburger Leichtathletik-Trainer Dieter Kollark, der Athleten wie Franka Dietzsch und Astrid Kumbernuss zu Weltruhm führte, kennt die Diskussionen um diesen Rekord und kann sie nicht nachvollziehen: „Schults Leistung nur mit Doping zu erklären, ist einfach unsachlich.“

Kollark war damals Augenzeuge des Rekordwurfs im Jahnstadion und sagt, dass es wirklich ein reiner Glückswurf gewesen sei, die Scheibe sei sozusagen von einer Windböe getragen worden. „Er hatte überhaupt nicht dieses Niveau“, sagt er. Bei der EM 1986 in Stuttgart, nur zwei Monate nach dem Weltrekord-Wurf, wurde Schult lediglich Siebter mit 64,38 Metern.

„Sein Niveau lag bei 67 bis 68 Meter, aber das hat er später immer gehalten“, sagtKollark und fügt hinzu: Schult habe nach der Wende genauso weit geworfen wie davor: „Und da war Doping ja überhaupt kein Thema mehr.“ 1999, mit 39 Jahren, wurde der Schweriner in Sevilla noch mal Vizeweltmeister – mit 68,18 Meter.

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