LEICHTATHLETIK

Zehnkampf-Held ist zurück im Leistungssport

Christian Schenk holte sich 1988 Gold bei den Olympischen Spielen. Nach Jahren mit vielen Rückschlägen arbeitet der Rostocker nun als Trainer.
Olympiasieger Christian Schenk, hier 2018 bei einer Buchlesung in Rostock, arbeitet als Trainer.
Olympiasieger Christian Schenk, hier 2018 bei einer Buchlesung in Rostock, arbeitet als Trainer. Danny Gohlke
1988 in Seoul gewann Christian Schenk Olympia-Gold im Zehnkampf.
1988 in Seoul gewann Christian Schenk Olympia-Gold im Zehnkampf. dpa Seoul
Rostock ·

33 Jahre nach seinem unvergesslichen Zehnkampf-Auftritt bei den Olympischen Spielen in Seoul mit dem Gewinn der Goldmedaille könnte Christian Schenk wieder beim größten Sportereignis der Welt dabei sein – diesmal allerdings als Trainer. Der 55 Jahre alte Rostocker arbeitet seit Oktober beim Verband Behinderten- und Rehabilitationssport (VBRS) in Mecklenburg-Vorpommern als Landestrainer Leichtathletik, und mit der gebürtigen Neubrandenburgerin Lindy Ave (400 Meter) und Hanna Wichmann (Kugel) gibt es zwei Athletinnen, die im kommenden Jahr bei den Paralympics in Tokio dabei sein könnten. „Wir hoffen, dass wir Leichtathleten am Start haben werden. Lindy und Hanna trauen wir das zu”, sagt Schenk.

Die Arbeit beim VBRS ist für den einstigen Olympiahelden eine Rückkehr in den Leistungssport, mit dem er abgeschlossen zu haben schien – vor allem nach den Schlagzeilen vor zwei Jahren, die er selbst produzierte. In einem Buch machte der Ex-Sportler damals Depression öffentlich und räumte zudem  ein, dass er während seiner Karriere wissentlich gedopt hatte. Als Schenk ankündigte, dennoch einen Antrag auf Opferentschädigung über 10 500 Euro stellen zu wollen, brach bundesweit ein Sturm der Entrüstung los. Die damalige Vorsitzende des Dopingopfer-Hilfevereins (DOH), Ines Geipel, wies Schenks Vorstoß kategorisch zurück. Schenk sei psychisch schwer krank und kein Opfer des Zwangsdopings in der DDR.

Mit Ines Geipel hat er gesprochen

Für Christian Schenk ist das Thema abgeschlossen: Mit Ines Geipel habe er sich in einem persönlichen Gespräch ausgetauscht. „Ich teile nicht alles, was sie sagt. Aber ich verstehe ihre Arbeit besser. Jetzt ist dazu alles gesagt.” Zu diesem Cut gehört auch, dass er nicht mehr als Sport- und Eventmanager in einem Hotel in Dierhagen arbeitet. Nach einem Jahr war Schluss. „Wir haben gemerkt, dass es nicht passt und das Ganze beendet”, sagt er.

Über den 1. LAV Rostock bekam er dann den Tipp, dass beim Behindertenverband eine Trainerstelle zu besetzen ist. Schenk bewarb sich und wurde genommen. Nun ist der Zehnkampf-Olympiasieger dabei, die Strukturen im Sport mit Behinderten in Mecklenburg-Vorpommern weiter zu verbessern, Parasportler zu den großen Wettkämpfen dieser Welt zu führen. Die Lust darauf ist riesig.

„Die Arbeit unterscheidet sich gar nicht groß von der mit olympischen Athleten. Nur der zeitliche Aufwand ist höher bei uns und auch die Trainingssteuerung eine andere”, sagt er. Faszinierend bei den Athleten mit Beeinträchtigungen sei aber, mit welcher Emotion, Leidenschaft und Einstellung sie ihren Sport ausüben würden: „Da ist eine große Dankbarkeit, dies tun zu dürfen.”

Auch in Neubrandenburg wird er öfter sein

Christian Schenk wird vorrangig in Rostock tätig sein, will dort am Stützpunkt unter anderem die Parasportler in die „normalen” Trainingsgruppen des 1. LAV integrieren. Dazu will der Ex-Zehnkämpfer die Para-Standorte in Neubrandenburg, Güstrow, Schwerin und Ludwigslust ausbauen – mit Blick auf die Paralympics 2024 und 2028: „Dort würden wir gern mit sieben, acht Leichtathleten am Start sein, das ist unser Ziel.”

Seine eigene Erkrankung hat der einstige Leistungssportler im Griff. Er weiß aber, dass sie jederzeit zurückkommen kann. „Das Krankheitsbild ist ja nicht weg. Aber dadurch, dass ich wieder nach Rostock gezogen und hier komplett verwurzelt bin, bin ich gefestigt”, sagt Christian Schenk.

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