Gesundheitsversorgung
Ärztemangel mit Statistik wegdiskutiert

Der Lychener Stadtverordnete Tobias Schween (stehend) machte klar, dass schon jetzt praktisch eine Unterversorgung mit Hausärzten in Lychen besteht, auch wenn die Statistik anderes besagt.
Der Lychener Stadtverordnete Tobias Schween (stehend) machte klar, dass schon jetzt praktisch eine Unterversorgung mit Hausärzten in Lychen besteht, auch wenn die Statistik anderes besagt.
Sigrid Werner

Die Region Lychen-Templin sucht händeringend nach Medizinernachwuchs. Glaubt man den Zahlen, gibt es aber genug. Nun soll Ärzten die Uckermark schmackhaft gemacht werden.

Als in Templin vor einiger Zeit eine Hausarztpraxis geschlossen werden musste, war die Not für viele Patienten groß. Sie hatten es schwer, einen neuen Hausarzt zu finden. In der Grippezeit wurden bei manchen Templiner Allgemeinmedizinern sogar die Stehplätze rar. Und in Lychen hatten für kurze Zeit gar keinen Hausarzt vor Ort, weil der einzige in Urlaub war.

Wenn es nach der bundesweiten Statistik zur ärztlichen Versorgungssituation geht, dann kann von einem Ärztemangel im Mittelbereich Templin jedoch nicht die Rede sein. Bei den Hausärzten liege der Versorgungsgrad bei 97,3 Prozent, bei Chirurgen im Landkreis knapp über 200, bei Kinder- und Jugendärzten noch über 160 und bei Dermatologen noch über 120 Prozent.

Der Haken an der Berechnung

Zur Basis solcher Berechnungen werden bei Hausärzten die Einwohnerzahlen der Mittelbereiche, bei Fachärzten die Landkreise genommen. Da spielt es keine Rolle, ob der nächste Arzt wohnortnah zu erreichen oder eine Tagesreise entfernt ist.

Man mag sich gar nicht vorstellen, wie Unterversorgung unter 90 Prozent aussähe. Doch selbst solche Szenarien rücken in greifbare Nähe. Zumindest bei Augen-, Haut- und Kinderärzten zeichnet sich angesichts der Altersstruktur der Mediziner schon in naher Zukunft eine drohende Unterversorgung in der Uckermark ab, bestätigte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Brandenburg.

Lange Liste mit Anreizen

In Templin diskutierten deshalb Kommunalpolitiker, Ärzte und interessierte Bürger mit der KV, wie man Ärzte in die Region locken kann. Die Rede war von Netzwerken, Praktikumsplätzen, Niederlassungen auf Probe, Lehrpraxen, Stipendien, Patenschaften für Studenten, junge Ärzte, ja selbst für Templiner Gymnasiasten, die Medizin studieren wollen, und von gerechten Abrechnungsmodellen, die Brandenburger Ärzten zwar 30 Prozent mehr Arbeit abverlangen, aber nur 70 Prozent Verdienst zugestehen. Da wäre allerdings dann wieder die Bundespolitik gefordert.