Austauschschüler

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Als Austauschschüler ein Jahr in der Uckermark

Seit gestern ist Luis Montenegro aus Costa Rica wieder zu Hause

Wie schnell ein Jahr vorüber ist, das stellten dieser Tage Luis Montenegro, ein Austauschschüler aus Costa Rica, und die Gasteltern, Familie Steffler aus Alsenhof, fest. Anfang Februar 1999 kam Luis im für ihn klimatisch kalten Deutschland an und gestern trat er seine Heimreise an. Dazwischen liegen für den Jungen, der in Templin ein Jahr lang das Gymnasium besucht hat, und seine Gasteltern Wochen und Monate voller neuer Eindrücke und Erlebnisse, berichtet Michael Steffler.

Gerade in den ersten Wochen war die Flut der neuen Eindrücke enorm hoch. Hatte sich doch das gesamte Lebensumfeld des gerade 17­Jährigen von einem Tag zum anderen komplett geändert. Eltern, Freunde, die vertraute Schule, das Zuhause waren nun "am anderen Ende der Welt". Dafür stand erst einmal der Kauf von Winterbekleidung auf dem Programm.

Neue Heimat erkundet

Ausgerüstet mit warmer Jacke, Handschuhen, Mütze und Winterschuhen begann die Erkundung der neuen Heimat auf Zeit. Neben der ungewohnten Kälte war es vor allem die Sprache, welche uns in den ersten Wochen und Monaten Probleme machte. Bei seiner Muttersprache Spanisch mussten wir leider passen. Mit ein wenig Englisch, auch für uns nach langer Zeit etwas Gehirntraining, dem Wörterbuch und natürlich mit Händen und Füßen wurde in der ersten Zeit die Verständigung erledigt. Große Hilfe war uns Frau Markwart aus Hammelspring, die Luis das Einmaleins der deutschen Sprache vermittelte.

Mit steigenden Temperaturen und besserem Gebrauch der Sprache wuchs auch das allgemeine Wohlbefinden. Schnell wurden Kontakte geknüpft, ob im Templiner Gymnasium oder auch in der Sportgemeinschaft Storkow, wo er bei den Fußballern aktiv war. Das ganz normale Leben eines Jugendlichen nahm seinen Lauf.

Viel unternommen

Da war der Disko­Besuch oder das Erlebnis "Loveparade", der gemeinsame Familienurlaub mit dem Rad an der Mosel entlang, der Besuch von Fußball­Bundesligaspielen oder der kurze Trip nach Prag. Aber auch die Klassenfahrt oder viele Unternehmungen mit einem Austauschschüler aus Argentinien ließen die Wochen und Monate sehr rasch vergehen.

Und dann auf einmal heißt es Abschied nehmen. Da wird einem wirklich eng ums Herz. Für Luis war es mit Sicherheit sein bisher größtes Erlebnis in seinem jungen Leben. Fast ein ganzes Jahr lang in einem fremden Land, wo doch alles so anders ist als zu Hause. Andere Sprache, anderes Wetter, ungewohnte Ernährung, neuer Tagesablauf und vor allem eine andere Kultur mussten erlebt und verarbeitet werden.

Positive Erinnerungen

Wir glauben jedoch sagen zu können, dass Luis Montenegro mit überwiegend positiven Erinnerungen an dieses Jahr in Deutschland zurückdenken wird, an ein Land mit für ihn ungewöhnlichen vier Jahreszeiten, mit Bockwurst, gutem Bier, mit schöner Landschaft und alter Kultur und vor allem mit freundlichen Mitmenschen. Letzteres freut uns im Besonderen, zeigt es doch, das ein Miteinander auch in diesen Zeiten sehr gut möglich ist!

Aber nicht nur für Luis war diese Zeit lehrreich, auch uns wurde der eigene Horizont erweitert. Für uns und unsere Kinder wurde ein kleines Stückchen der anderen Welt erlebbar. Es wird einem wieder einmal bewusst, dass es den Mittelpunkt der Welt nicht gibt!

Fahrrad kostenlos

Besonderer Dank soll an dieser Stelle der Firma Rönisch zu Teil werden, die Luis für ein Jahr kostenlos ein Fahrrad zur Verfügung stellte.

Für uns bleibt nichts weiter, als Luis in diesen Vorweihnachtstagen alles Gute für sein weiteres Leben zu wünschen!