Oldtimer-Fans

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Alter Tatra strahlt in neuem Glanz

Im uckermärkischen Ahrensdorf ist ein weißer Tatra vom "Stapel" gelaufen.

Wohnwagenverkäufer Wolfgang Drabsch hat ihn kürzlich mit Manneskraft, einigen Wegbegleitern und Helfern, einem starken Motor und einer Seilwinde aus seiner Garagen-Werkstatt gefahren. Rund acht Jahre hat er die ehemalige tschechische Nobelkarosse nach unendlichem Schrauben und Werkeln von null auf hundert gebracht.

In frischem Weiß blitzt der Tatra 603 aus dem Baujahr 1962 mit verchromten Heckflossen und stählernen Radkappen mit den ersten Schneeflocken um die Wette. Liebhaber und Tschechien-Fan Wolfgang Drabsch kann seinen Stolz nicht verbergen als er endlich im Kofferraum seines großen "Babys" sitzt und für Familie, Freunde und Helfer eine Laudatio hält. "Pünktlich zum Jahresende, nein vorfristig, um genau zu sein 33 Tage, wurde der ,Acht-Jahres-Plan wie gesagt vorfristig erfüllt und wird heute hier abgerechnet und gefeiert". Erwähnt werden muss noch, dass der Tatra nicht nur ein Auto der Partei und Staatsführung war, er wurde auch von normalen Bürgern gefahren. Nur Geld mussten sie haben.

Wolfgang Drabsch ist ein Autofan durch und durch. Außerdem liebt er die Tschechische Republik, verbringt seit Jahrzehnten seinen Urlaub dort - auch im Winter. Und vor acht Jahren las er in einer Old-timerzeitung die Anzeige: Verkaufe Tatra 603, teilrekonstruiert und zerlegt. Er kaufte ihn für 2500 DM mit der Maßgabe seiner Frau Sabine: "An dem Auto fängst du nicht eher an zu schrauben, bis du Rentner bist". Es kam anders.

Ein Kunde hatte noch eine Rechnung bei Wolfgang Drabsch offen. Er besaß eine Spritzlackiererei und zahlte damit ab. So nahm das Schicksal seinen Lauf und der inzwischen weiße Tatra 603 immer mehr Gestalt an. Viele Fachmänner halfen mit, dass sich dieses Auto jetzt so strahlend präsentieren kann. Nostalgie und Ostalgie immer inklusive. Und schon schwelgt Wolfgang Drabsch wieder in Erinnerungen an die Aufbauzeit seines weißen Tatra.

Spezielle Ersatzteile habe er mit- hilfe seines Freundes Wolfgang Slavik auf abenteuerliche Weise in der Tschechischen Republik organisiert. Es klappte, aber es dauerte lange. Gewerkelt wurde dann auf Böcken in der heimischen Garage. Jedes Teil musste aufgearbeitet und zusammengeschraubt werden. So manches holte er 2003 unter anderem vom Trödelmarkt in Wriezen aus einem Werkstattverkauf. "Aus drei Teilen konnte man eins machen", erinnert sich der 58-Jährige. Die Alternative: Er hätte das Auto in Tchechien aufarbeiten lassen können. Zu teuer. Er entschied sich für das Weiterbauen in der eigenen Garage.

Glasermeister Reinhard Zurell fertigte beispielsweise die Innen- und Außenspiegel und stellte sie entsprechend der alten Form wieder her. Er kommt ins Schwärmen: "ein wunderbares Teil", nennt er den Tatra. Wer solche alten Karossen noch aufarbeitet und am Leben erhält, dem gebühre schon Hochachtung. Den Wert des Autos könne man nicht mit Geld beziffern. Das sei ein absolutes Liebhaberstück.

Jetzt steht der Tatra fertig auf seinen Rädern und darf noch nicht auf die Straße. Dazu sagt Andre Ritschel, Kraftfahrzeug-Sachverständiger bei der DEKRA: "Die Oldtimer sollen mit großer Originalität erhalten bleiben." Fakt sei auch, dass dieser weiße Tatra im puncto Abgasnorm ein wenig Narrenfreiheit besitze, weil er ein Oldtimer ist. Es gebe keine Abgasnormen für über 30 Jahre alte Fahrzeuge. Schadstoffverbesserungssysteme könnten jedoch eingebaut werden. Und weil Wolfgang Drabsch ein Oldtimer-Sammelkennzeichen besitzt, auf dem bis zu zwölf Oldtimer angemeldet werden können, dürfte die Zulassung kein Problem darstellen. Schließlich will er im Frühjahr mit seinem neuen, alten weißen Tatra Liebespaaren an ihrem Hochzeitstag ein besonderes Erlebnis bereiten und sie damit hoffentlich ins Glück "kutschieren".

Wohlgemerkt: Für das Glück danach übernehme der Chauffeur keine Haftung.