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Argentinische Leidenschaft auf uckermärkischen Bühnen

Noch ist der Saal im MKC leer. Wenn Luis Pereyra und Nicole Nau ihre Tournee nach Templin führt, werden sich die Ränge zweifelsohne füllen.
Noch ist der Saal im MKC leer. Wenn Luis Pereyra und Nicole Nau ihre Tournee nach Templin führt, werden sich die Ränge zweifelsohne füllen.
Gerald Bahr

Die weltbekannten Tänzer Luis Pereyra und Nicole Nau bringen die Kultur Argentiniens nach Templin. Dabei geht es aber um mehr als um Tango. Sie geben mit der Show "Der Klang meiner Erde" einen Einblick in die argentinische Seele.

Luis Pereyra und Nicole sind Weltstars, wahre Könner im Tango und argentinischer Folklore. Er tanzte bei allen großen Tango-Produktionen, sie ziert mit ihrem Konterfei zwei Briefmarken in Argentinien. Und das als zugezogene Tango-Tänzerin. Mit ihrer Show „El Sonido de mi Tierra – The Great Dance of Argentinia“ bringen sie die vielen Facetten Argentiniens auf die Bühne - und in die Uckermark. Am 13. November führt sie ihre Tournee in das Multikulturelle Centrum in Templin (MKC). Dort werden sie mit Sicherheit auf ein sehr tanzfreudiges Publikum stoßen. Immerhin gibt es hier mehrere Tanzvereine und Tanzschulen, die aktiv sind. Diese haben dann die Gelegenheit, die Profis, die unter anderem am Broadway tanzten, hautnah zu erleben.

Auch wenn Pereyra und Nau durch ihr Können im Tango und argentinischer Folklore berühmt wurden, so verstehen sie sich vielmehr als Kulturbotschafter. „Argentinien ist mehr als nur Tango, es ist auch mehr als das, was man in Fernsehen und Zeitungen sieht und liest“, sagt Nicole Nau. Es ist der Mann im Monte, die Innenhöfe, in denen bei Lagerfeuer gesungen und musiziert wird – je nachdem in welcher Provinz oder Region man sich befindet mit unterschiedlichen Tänzen, Musik oder Instrumenten. Es sind diese vielen kleinen Details, die eine Einheit ergeben und mit denen sie ein Bild Argentiniens zeichnen. Durch Tanz und Musik. „Was zusammen gehört, darf man nicht trennen, zum Beispiel Tango und Folklore“, sagt Luis Pereyra.

Im Monte, so heißt die trockene, steppenhafte Buschlandschaft in Argentinien, streift ein Mann umher, mit nichts als seiner Trommel im Gepäck. Sein einziger Begleiter ist sein Schatten. Der Beste, den er sich wünschen kann. Aber er sorgt sich um ihn. Er weiß, dass er irgendwann sterben muss. Was passiert dann mit seinem Schatten? „Der Mann im Monte“ ist Luis Pereyra. Genauer gesagt verkörpert er ihn. Nicole Nau ist sein Schatten. Es ist eine der vielen Episoden, ihrer Show.

Zwei Jahre Arbeit stecken in Produktion, der Musik, den Kostümen und der Choreografie von El Sonido de mi Tierra, zu deutsch „Der Klang meiner Erde“. „Ich sehe nicht die Bühne, ich sehe die staubigen Straßen, den Monte, die Menschen Argentiniens“, sagt Luis Pereyra. Genau diese Bild vor Augen sollen auch die Zuschauer im MKC vermittelt bekommen. Darum ist die Show sparsam und auf den Punkt inszeniert. Sie soll ergreifend und authentisch sein. Wie gut Pereyra und Nau das beherrschen, bringt der Kölner Stadtanzeiger auf den Punkt: „Tanz der großen Gefühle, sichtbar gemacht Erotik, leidenschaftlich, zärtlich, eruptiv.“

Vita von Nicole Nau

Nicole Nau wurde am 30 Januar 1963 in Düsseldorf geboren. Nach einem Studium als Grafikdesignerin arbeitete sich für Werbeagenturen, war aus künstlerischer Sicht aber unterfordert, wie sie sagte. 1987 sah sie Luis Pereyra bei einem Auftritt.  Sie beschloß nach Argentinien umzusiedeln und sich dort als professionelle Tänzerin ausbilden zu lassen. 1990 trat sie erstmals im Café Homero auf. Danach wurde sie als Tänzerin in der Oper Maraton am Opernhaus Teatro Colón in Buenos Aires engagiert. Zwischen 1989 und 2001 tanzte sie mit ihrem ersten Partner, unter dem Namen Ricardo & Nicole. 2002 war die Premiere der Tango-Oper Orestes - Last Tango. Diese entstand in Koproduktion mit ihrem ehemaligen Partner und dem World Music Theatre Festival der Niederlande. Dabei lernte Sie Luis Pereyra kennen.  Er ist seitdem ihr Tanzpartner und auch ihr Ehemann. Die Produktionen El Sonido de mi Tierra, Bailando de Soledad, Secretos de la Danza, El Color de mi Baile und Tango Puro Argentino y Mas sind in ihrer Zusammenarbeit entstanden. Beide haben 2007 das Tangohaus Café de los Angelitos - El Tango wieder eröffnet, bei dem sie die künstlerische Leitung übernahm. Die übernahm sie 2010 auch im Viejo Almacén und 2011 in Aqui Folklore. 2001 erschien ihr Konterfei auf einer Briefmarke der argentinischen Post. 2002 folgte eine zweite Briefmarke, auf der auch ihr Name genannt ist.

Vita Luis Pereyra

Luis Pereyra wurde am 9. Juli 1965 in der Provinz Santiago del Estero geboren. Der Sohn einer Arbeiterfamilie ist Tänzer und Choreograf des Tango Argentino und argentinischer Folklore. Er tanzte bereit im Alter von fünf jahren in Folkloregruppen. als 11-Jähriger trat er als Mitglied des Balletts Argentino erstmals professionell auf. Er studierte später Choreografie im Teatro Colón, dem Opernhaus von Buenos Aires, und an der Escuela Nacional de Danzas. Seine Ausbildung beinhaltete Modern Dance, klassisches Ballett, Jazz Dance, Folklore, Stepptanz und zudem ein Musikstudium. Er wirkte an allen großen Tango-Produktionen mit, unter anderem Forever Tango, Tango Pasión und dem Musical Tango Argentino. Für Letztere wurde er 2000 für den Tony Award nominiert. 2001 übernahm er den Solo-Part in Orestes - Last Tango. Er tanzte in seiner karriere bereits auf den großen Bühnen, beispielsweise dem Gershwin Theatre am Broadwa, dem Théâtre du Châlet (Paris), dem West End in London, der Alten Oper in Frankfurt am Main und weiteren.

Quelle:  www.the-great-dance-of-argentina.de