Dem Charme erlegen
Ein Oldtimer geht auf Jungfernfahrt

Dienstags und donnerstags unternimmt das neue Oldtimerschiff künftig eine zweistündige Fahrt durch den Templiner Kanal.
Dienstags und donnerstags unternimmt das neue Oldtimerschiff künftig eine zweistündige Fahrt durch den Templiner Kanal.
Horst Skoupy

Seit gut einem Monat liegt ein Dampfer aus dem Jahr 1925 im Stadthafen und weckt die Neugier der Templiner. Wo es herkommt und was es damit auf sich hat, weiß einer ganz genau.

Oldtimer auf der Straße üben eine gewisse Magie aus. Auf ihre Besitzer sowieso, doch auch auf die meisten Betrachter. Aber ein Oldtimer auf dem Wasser? Ronald Ziem hat diese Leidenschaft gepackt. Ausgerechnet einen kleinen Ausflugsdampfer hat der 49-Jährige jetzt nach Templin geholt. „Das Schiff strahlt doch den richtigen Charme aus“, meint er mit dem gewissen Glanz in den Augen.

Seine Leidenschaft kommt nicht von ungefähr. Ronald Ziem ist Reeder. Mit dem Fahrgastschiff MS Uckermark befährt er seit 13 Jahren die Templiner Gewässer. Oft genug ist es in der Hauptsaison passiert, dass Fahrgäste am Stadthafen zurückbleiben mussten. Schon lange geisterte deshalb die Idee von einem zweiten Fahrgastschiff durch seinen Kopf. Allerdings sträubte er sich dagegen, irgendeinen Kahn nach Templin zu holen. „Ich hätte schon lange eine nette kleine Barkasse mit Plastikrumpf haben können. Aber ich finde, so etwas passt hier nicht rein“, sagt Ziem.

Aus "Zehdenixe" wird MS Templin

Bei seiner Suche nach dem passenden Schiff lag die Lösung dann zufälligerweise ganz nah. In Templins Nachbarstadt Zehdenick wollte sich der Eigentümer der „Zehdnixe“ von seinem Fahrgastschiff trennen. Der kleine Dampfer, 1925 von der Ertel-Werft in Woltersdorf gebaut, schipperte schon bei der Weißen Flotten in Berlin Fahrgäste über die Binnengewässer, bevor er die letzten 18 Jahre in der Havelstadt fuhr. Dieser Oldtimer hatte es Ronald Ziem angetan. „Die Fenster lassen sich alle öffnen, sodass die Fahrgäste das Gefühl haben, auf einem überdachten Oberdeck zu sitzen“, schwärmt der Schiffseigner.

Seine Begeisterung für das gute alte Stück hat er auf besondere Weise zum Ausdruck bringen lassen. „Oldtimer-Schiff anno 1925“ steht in schwarzen Lettern auf dem weißen Rumpf des knapp 20 Meter langen Schiffs, gleich neben seinem neuen Namen: MS Templin. „Wenn es schon in Templin fährt, sollte es auch so heißen, dachten wir uns.“