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Einer muss sich den Hut aufsetzen, viele helfen mit

Laura, Cindy, Nela und Christin sind gern dabei, wenn Ortsvorsteherin Sybille Lipski montags zum Kindernachmittag (hier nach der Schatzsuche in dieser Woche) einlädt. Zu den fleißig helfenden Omas gehört Gudrun Ahlschläger (rechts).  FOTO: Sigrid Werner

In Petznick ist jeden zweiten Montag Kindertag. „ Ja, bei uns fängt Jugendbeteiligung ganz unten an“, bestätigt Sybille Lipski. Noch bevor sich ...

In Petznick ist jeden zweiten Montag Kindertag. „ Ja, bei uns fängt Jugendbeteiligung ganz unten an“, bestätigt Sybille Lipski.
Noch bevor sich Stadtväter, Ortsbeiräte und Jugendarbeiter in der Stadt die Köpfe heiß redeten, wie denn Kinder in den Ortsteilen von der Straße geholt und „beteiligt“ werden könnten am gesellschaftlichen Leben, hatten die Petznicker die Sache selbst in die Hand genommen. Ortsvorsteherin Sybille Lipski begann in ihrem Ortsteil ehrenamtlich, die Mädchen und Jungen regelmäßig um sich zu scharen. Sie lud sie zu Veranstaltungen ein. Inzwischen wird sie schon mit Drücken und symbolischem Küsschen von den großen und kleinen Nutzern der Freizeitangebote begrüßt. Und wenn irgendwo im Dorf gefeiert wird, dann rufen die Jüngsten: „Wir können noch nicht anfangen, Sybille ist noch nicht da.“ Dabei lastet die Verantwortung längst nicht mehr nur auf den Schultern der kleinen, aber agilen Ortsvorsteherin. „Manchmal kommen mehr Eltern und Großeltern als Kinder. Es kam schon vor, dass ein Enkelkind fernblieb und die Oma weiterbastelte“, berichtet Sybille Lipski.
Das Geheimnis ihres Erfolges? „Einer muss sich den Hut aufsetzen. Es muss Spaß machen und mir macht es Spaß. Kinder sind so dankbar. Natürlich schaue ich genau, worauf sie Lust haben. Die älteren Jugendlichen sind froh, sich im Jugendklub ungestört treffen zu können oder Volleyball zu spielen. Die Bedingungen wollen wir demnächst noch verbessern. Die meisten Jugendlichen in unserem Ort sind dieses Jahr ohnehin in die Lehre gewechselt. Die Jüngeren, inzwischen sogar schon Vorschulkinder, freuen sich über ganz konkrete Angebote. Basteln steht bei ihnen derzeit ganz hoch im Kurs. Vielleicht spielen wir demnächst mal einen Nachmittag wie einst die Eltern und Großeltern mit Stock (Lange Nase), Murmeln, Gummihopse.“
Gerade erst haben die Petznicker den Nachwuchs zur großen Schatzsuche mit anschließendem Grillen eingeladen. Inzwischen entdecken auch Templiner und Kinder aus den Nachbardörfern, dass im Petznicker Gemeinderaum jeden zweiten Montag was los ist. „Wir schicken keinen weg. Es ist wichtig, dass wir die Kinder zu Hause rausholen, dass sie wieder miteinander spielen und nicht jeder für sich vor dem Nintendo sitzt. Damit allein lässt es sich schlecht lachen“, sagt Sybille Lipski. Mütter wie Diana Dias oder Großeltern wie Gudrun Ahlschläger freut es, dass die Kinder in Petznick Angebote vor Ort haben. Können doch längst nicht alle die Arbeitsgemeinschaften in der Stadt nutzen, weil es die Eltern vor enorme logistische Probleme stellt.
„Für mich ist die ehrenamtliche Arbeit leichter geworden, seit sich die ‚Villa‘ auch in den Ortsteilen einbringt“, schwärmt Sybille Lipski vor allem über inhaltliche Anregungen. „Die Jugendarbeiter aus Templin bringen Bastelideen und Material mit. Sie sorgen für die Flyer mit den Angeboten. Das ist ganz wichtig, dass die Kinder Bescheid wissen“, freut sich Sybille Lipski über den Zulauf. Und nicht nur sie. Sogar die Frauen im Ort haben Gefallen an der neuen Gemeinsamkeit gewonnen. Und so treffen sie sich nicht mehr nur zum Frauentag und an den Kinder-Montagen, sondern diesmal sogar am Kindertag – dem 1. Juni – zum Grillen und Klönen.