Sommerakademie

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Freizeitmaler bannen alte Gemäuer auf die Leinwand

Ursula Naumann will das Teehaus malen und denkt sich einfach die Plane weg.
Ursula Naumann will das Teehaus malen und denkt sich einfach die Plane weg.
Sigrid Werner

Noch lugt etwas Gelb der Häuser aus dem üppigen Grün auf dem Gelände des Joachimsthalschen Gymnasiums hervor. Bevor die Natur sich das Terrain ganz zurückgeholt hat, wollen ein paar Uckermärker die Erinnerung an die Treppen und Terrassen noch schnell festhalten.

"Malen kann jeder", sagt Helga von Arnim-Graller. Obwohl sie längst nicht immer gemalt hat. In der Zeit ihrer Berufstätigkeit griff die ehemalige Laborleiterin eher in die Tasten des Klaviers. Doch als sie im fortgeschrittenen Arbeitsalter ihren Job verlor, verlangte ihr Kopf weiter nach Nahrung. Helga von Arnim-Graller  begann wieder zu malen, Sprachen zu lernen oder zu wiederholen, zu Hause türmen sich Stapel von Büchern, die sie noch lesen wolle. "Und manchmal denke ich: Du schaffst das alles gar nicht mehr. Die Zeit rennt dir weg".

So ausgefüllt von anderen Perspektiven habe sie nicht einen Tag ihrer Berufstätigkeit vermisst, gibt sie zu, während sie mit ihrer Staffelei mitten im Grünen zwischen den zerfallenden Häusern des Templiner Joachimsthalschen Gymnasiums sitzt und malt. Und übt. Helga von Arnim-Graller ist froh, stets gute Lehrer gefunden zu haben. Wie hier bei der Sommerakademie des Templiner Kunstvereins in Bodo Neumüller. Auch diesmal wieder eröffnen sich ihr und den anderen zwölf Teilnehmern neue Perspektiven. 

In den vergangenen Jahren war es die Spiegelungen des Wasser oder die Bäume, auf die Neumüller die Aufmerksamkeit seiner Eleven lenkte. Diesmal geht es um das Verhältnis von Natur und Architektur. "Die Teilnehmer sollen alle Landschaftselemente in das Bild integrieren", erklärt Neumüller auf. Die Treppen und Terrassen auf dem Gelände des Joachimsthalschen Gymnasiums sind schon fast zugewachsen. Die Natur holt sich das Gelände wieder. Das fangen die Frauen und Männer mit Pinsel und Farbe ein. In einer Ausstellung im Neuen Rathaus werden später einige Arbeiten von ihnen hängen und mahnen, das Baudenkmal nicht gänzlich dem Verfall preiszugeben.