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Wohnungsstreit

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Für und Wider im Alsenhofer Wohnungsstreit

H. Göckeritz fühlt sich von Vermieter diskriminiert - Unternehmen weist Vorwürfe zurück - Andere Quartier angeboten

In einem vierseitigen Brief schilderte Heidrun Göckeritz aus Alsenhof TZ den Werdegang ihres Mietverhältnisses und die Verschlechterung ihrer Wohnbedingungen seit Januar 1996, die sie "als Diskriminierung durch den Vermieter" bezeichnet. Die Wohnung wird im Auftrage der Gemeinde Hammelspring von der Kommunalen Wohnungsverwaltung Prenzlau Land verwaltet.

Vielzahl von Mängeln

Die Kritik von Heidrun Göckeritz zielt auf eine Vielzahl von Mängeln in ihrer Wohnung (TZ berichtete 1998) - u. a. überaltete Elektroanlage, feuchte Wände, keine Heiz- und Kochmöglichkeit in der Küche, Bauschutt in zwei Zimmern, marode Fenster bzw. Tür -, deren Abstellung, nach ihren Worten, zugesagt, aber nicht ausgeführt wurde. Durch Baumaßnahmen im darüberliegenden Obdachlosenheim, für das das Amt Templin-Land zuständig sei, kamen weitere Schäden hinzu. Unter anderem sei, für sie überraschend, im April 1996 "die halbe Decke" abgerissen worden. Sie habe daraufhin die Mietzahlungen eingestellt, schreibt Frau Göckeritz.

Schreiben nicht abgeholt

Denis Stein, zuständige Sachbearbeiterin im Bauamt Templin-Land, verweist darauf, daß der Statiker auf Entfernen der Deckenbalken bestand. Das beauftragte Bauplanungsbüro sei bei Frau Göckeritz in der Küche gewesen und habe die Sache abgestimmt.

1998 wäre der Schornstein abgebaut worden, gegen dessen Abriß sie sich beim Amt Templin-Land gewandt habe, schreibt die Alsenhoferin, weil damit ihr Ofen quasi kaltgestellt wurde. Erst Tage später habe sie einen Brief vom Amt Templin-Land erhalten. Denis Stein hält dem entgegen, daß zwei Schreiben im Oktober zugestellt, aber immer wieder als "nicht abgeholt" zurückgesandt wurden.

Den Vorwurf von Frau Göckeritz, im Obdachlosenheim würden Luxuswohnungen ausgestattet, weist sie zurück. Für die Ausstattung habe es zweckgebundene Fördermittel gegeben, die nirgends anders, also auch nicht in der Wohnung von Frau Göckeritz, eingesetzt werden durften. Für Januar 1999 vorgesehene Elektroarbeiten hätte Frau Göckeritz "auf nach Ostern" verschieben lassen.

Heidrun Göckeritz teilt mit, daß "zum heutigen Zeitpunkt alle weiteren Mietwohnungen dieses Hauses mit Zentralheizung in allen Räumen ausgestattet und teilweise mit neuen Fenstern versehen" sind. "Nur in meiner Wohnung wird absichtlich nichts getan, ich fühle mich bewußt diskriminiert". Diesem Vorwurf halten der Geschäftsführer der Prenzlauer Wohnungsverwaltung, Hartmut Roll, und die Wohnungsverwalterin der GmbH, Edda Wieprecht, entgegen, daß Frau Göckeritz sich geweigert habe, ihre Wohnung an die neue Ölheizung anschließen zu lassen. Statt dessen betreibe sie eine separate Gasheizung. Auch den Zustand ihrer Fenster fand sie auf Befragen als in Ordnung.

Mit Kaltmiete verrechnet

Den Vorwurf, daß verauslagte Gelder für gekauftes Material nicht erstattet wurden, bezeichnen sie als nicht richtig. Diese Ausgaben wären mit dem Verzicht auf anderthalb Kaltmiete verrechnet worden. Bis Herbst 1998 sei der Mietrückstand von Frau Göckeritz auf mehrere tausend DM angewachsen, worauf man eine fristlose Kündigung aussprach, sagt Hartmut Roll. Kurz darauf wurde das Geld eingezahlt.

Frau Göckeritz sei ebenso Mieter der Wohnung wie ihr Partner. Diesem Mietverhältnis habe die Gemeinde zugestimmt, ihr Partner sei kein Untermieter. Die Kommunale Wohnungsverwaltung habe nur eine Entscheidungsbefugnis, Investitionen in die Wohnung bis zur Höhe von 2000 DM auszuführen. Für höhere Investitionen sei ein Beschluß der Gemeindevertretung erforderlich.

Angebote abgelehnt

Im übrigen sei auch diese Wohnung ein Wirtschaftsobjekt. Wenn keine Miete gezahlt werde, könne kein Geld eingesetzt werden. Man könne Frau Göckeritz sofort eine andere Wohnung anbieten. Von solchen Angeboten habe sie aber in der Vergangenheit Abstand genommen. "Unser Unternehmen bewirtschaftet 850 eigene Wohnungen und 100 in Verwaltung", sagte der Geschäftsführer, "die Wohnungssache Göckeritz ist aber einmalig."