Sonnenuhren
Glas-Sonnenuhren schmücken ein Walddorf

Glasmachen ist ein unendlich Leid. So steht es auf einer Sonnenuhr im Glasmacherdorf Annenwalde in der Uckermark.

Hat es im Zeitalter der Computer und Digitaluhren überhaupt einen Sinn, sich mit Sonnenuhren zu befassen? Längst sind wir nicht mehr auf diese "altmodischen" Zeitanzeiger angewiesen. Doch geht von ihnen nicht ein Hauch von Altertümlichkeit, eine gewisse Faszination aus? Wird hier nicht eine Verbindung zwischen Mensch und Kosmos hergestellt, wenn der Lauf der Sonne über den Schatten auf das Zifferblattes übertragen wird?

Sonnenuhren gehören zu den ältesten wissenschaftlichen Instrumenten und sind Zeugnisse früher menschlicher Beobachtungs- und Erfindungsgabe. Der Mensch hatte es bald gelernt, den Schattenwurf der Sonne zu kennzeichnen und damit eine Beziehung zur Tageszeit herzustellen.

Sonnenuhren sind auch im dritten Jahrtausend keineswegs überholt. Einst waren Sonnenuhren gefragte Gebrauchsgegenstände zur Zeitbestimmung, heute behaupten sie sich im modernen Baugeschehen als ansprechendes Schmuck- und Gestaltungselement für Gebäude und Freiflächen. Astronomie, Mathematik, Kulturgeschichte und Kunst haben die Sonnenuhr geprägt.

Für Steinmetzen, Bildhauer, Metallgestalter und Maler bildet die Herstellung von Sonnenuhren ein weites und dankbares Betätigungsfeld.

Wenig bekannt ist, dass sich auch der Rohstoff Glas für die Schönwetter-Zeitanzeiger eignet. Wer in das kleine, reizvolle Walddorf Annenwalde neun Kilometer westlich von Templin kommt, kann sich davon überzeugen und wird über 15 Glassonnenuhren entdecken.

In Annenwalde wurde bereits Mitte des 18. Jahrhunderts Glas hergestellt. Nach einer längeren Unterbrechung wurde diese Tradition erst nach der Wende wieder belebt. Werner Kothe, Glaskünstler und Bildhauer, bekannt durch mehrere nationale und internationale Ausstellungen, hat es sich zur Aufgabe gestellt, das Glas für die Herstellung von Sonnenuhren zu verwenden und die vielen Gestaltungsmöglichkeiten der Objekte konstruktiv einwandfrei zu nutzen. So findet man verschiedene Arten, Richtungen, unterschiedliche Schattenwerfer, bildliche Darstellungen sowie Sinnsprüche, die der Sonnenuhren ihren besonderen Reiz verleihen. Bei hellem Glas ist jedoch der Schattenwurf schwer zu erkennen, was eine Nachbesserung erfordert. Bei einem Gang durch das Dorf wird man mit der Gnomonik, der Wissenschaft von den Sonnenuhren, auch ein wenig vertraut gemacht.

In Deutschland gibt es zurzeit etwa 1300 ortsfeste Sonnenuhren, von denen ein großer Teil erst in der letzten Zeit entstanden ist.

In Annenwalde hat man sich vorgenommen, das sonnenuhrenreichste Dorf Deutschlands zu werden. Wenn man bei der geringen Einwohnerzahl von Annenwalde die derzeitige Anzahl an Sonnenuhren berücksichtigt und diese mit den 99 Objekten in Berlin und 150 Objekten in Bremen vergleicht, dürfte dieses Ziel bereits erreicht sein.