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Kein Schweigen im Walde

Kenneth Anders und die Künstlerin Christiane Wartenberg verfolgen interessiert die Debatte.

„Ich wusste nicht, dass man so viel über Bäume reden kann“, resümiert Christiane Wartenberg nach mehr als zwei Stunden angeregter Diskussion. Die ...

„Ich wusste nicht, dass man so viel über Bäume reden kann“, resümiert Christiane Wartenberg nach mehr als zwei Stunden angeregter Diskussion. Die Künstlerin aus dem Oderbruch hat im Lychener Stadtforst an vier Orten mit Waldbildern den Fokus auf die jeweiligen Besonderheiten der Waldentwicklung gelenkt.Mit diesen Kunstwerken sieht Organisator Kenneth Anders vom Büro für Landschaftskommunikation eine außergewöhnliche Gesprächsrunde über die „forstliche Kunst“ illustriert und die Diskussion herausgefordert.Ein „Spinnennetz“ aus Folienstreifen zieht sich zwischen den Stämmen und markiert einen „lichten Bestand“ auf dessen Boden sich neue Pflanzen ansiedeln. Ein paar Meter weiter führt ein mit Stämmen markierter Weg in einen „leer geräumten Stangenforst“ – dünne, junge Kiefernstämme in Monokultur. Am Wegende zum dritten Waldbild, wo sich im Unterholz die Natur längst Bahn gebrochen hat, kreischen von der Tonkonserve die Sägen eines Sägewerks und fragen Zitate auf Holzstämmen: „Geht es nur um Gewinnmaximierung“? Zur letzten Station, die der Fachmann „durchforstet mit Unterbau“ nennt, geht es in einen seit fünf Jahren eingezäunten Bereich. Dort entwickelt sich unter anderem mit Traubeneichen, Winterlinden und Hainbuchen aufgeforsteter Wald – ohne den Einfluss des Wildes.
Maschendrahtskulpturen mit Zitaten zu Jagd und Forstwirtschaft veranlassen die Betrachter zum mehrmaligen Umrunden einzelner Jungbäume. Vertreter der Forst, des Naturparks und von Kommunen haben sich auf dieses Kommunikationsexperiment eingelassen. Unter den Bäumen im Revier Lathsack des Lychener Stadtforstes, in einer Stille, die nur von den konservierten Sägewerksgeräuschen durchbrochen wird, geht es zwischen den Teilnehmern hin und her über Waldumbau und Waldnutzung, über Naturschutz und Wasserhaushalt. Nicht ohne Emotionen. Kenneth Anders, der Landschaftskommunikation als unerlässliche Verständigung über den Raum, den wir bewohnen und bewirtschaften, versteht, vergleicht im Disput unter Bäumen Förster mit Künstlern. Auch in ihrer Heftigkeit, eigene Standpunkte zu vertreten und anderes abzulehnen. „Sie haben es offenbar schwer, anderes zu ertragen – bedingt durch eine über Jahre gewachsene Erfahrung und ein eigenes ästhetisches Grundbedürfnis.“ Das Experiment, das Anders seit fast einem Jahr gemeinsam mit Lychens Stadtförster Hilmar Alexandrin vorbereitete, hat also funktioniert. „Der Klimawandel stellt uns vor große Herausforderungen. Wir sehen, dass verschiedene Sichten aufeinanderprallen – haben aber nur die Chance, gemeinsam diese Dinge zu regeln.“ Es wird also noch viel über Bäume zu reden sein.

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b.bruck@uckermarkkurier.de