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Kultur gibt es für die Kurstadt nicht zum Nulltarif

VonSigrid WernerMit einem exzellenten Ergebnis kann das MKC im 100. Jahr Templiner Kinogeschichte aufwarten. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die ...

VonSigrid Werner

Mit einem exzellenten Ergebnis kann das MKC im 100. Jahr Templiner Kinogeschichte aufwarten. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die Finanzierung ist nach wie vor schwierig.

Templin.Über 30 000 Besucher konnte das Multikulturelle Centrum Templin 2012 vermelden. Das habe es in der Geschichte des MKC noch nie gegeben, berichtete Geschäftsführerin Kathrin Frese vor dem Finanzausschuss der Stadtverordnetenversammlung. Dank der Investition in die digitale Kinotechnik konnte das Kulturzentrum der Kurstadt trotz aller Medienkonkurrenz sogar bei den Kinobesucherzahlen innerhalb eines Jahres um ein Drittel zulegen und so den Kinostandort Templin retten.
Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die Finanzierung dieses kulturellen Angebotes ist trotz allen Engagements von Mitarbeitern und MKC-Fördervereinsmitgliedern jedes Jahr aufs Neue ein Balanceakt, ließ die MKC-Chefin durchblicken. Zwar unterstützt die Stadt seit vielen Jahren mit einem freiwilligen Zuschuss den Betrieb des Veranstaltungszentrums im Thermalsoleheilbad – zuletzt mit jährlich 132 000 Euro. Doch der Landkreis hatte sich bereits vor Jahren aus der institutionellen Förderung – wie sie auch das Preußische Kammerorchester und die Uckermärkischen Bühnen Schwedt erfahren – verabschiedet. Etwas zu Unrecht, so Stadtverordnete. Locken doch Veranstaltungen wie Konzerte, Ausstellungen, Kleinkunst, Kinderprogramme, Wasserspiele, die MKC-Bühne beim Templiner Stadtfest, aber auch das einmalige Programmkino-Angebot längst überregional Publikum an. „Eine Stichprobe zu den Wasserspielen ergab: 50Prozent Templiner, 15 Prozent Gäste aus der übrigen Uckermark, 30 Prozent aus Berlin-Brandenburg, 5 Prozent aus anderen Bundesländern“, so Frese. Darunter seien viele Stammgäste aus der gesamten Uckermark.
Zwei Drittel der Kosten bringt das MKC inzwischen aus eigener Initiative über jährlich neu zu beantragende Projektgelder, auch des Kreises, Spenden, die verdoppelten Eigenmittel (39 Prozent) und Sonderförderungen auf. So freute man sich 2012 über 8000 Euro Preisgeld für den Programmkino-Preis. Bei Veranstaltungen versuche man, zumindest die Honorare durch Eintrittsgelder zu decken. Nicht immer gehe die Rechnung auf. Kinderprogramme seien zum Beispiel meist Zuschussgeschäfte. So ist das MKC, neben drei festen Mitarbeitern, nach wie vor in erheblichem Maße von geförderten Arbeitsstellen abhängig. Dass das auf Dauer keine Lösung sei, darauf machte die MKC-Chefin aufmerksam. Zuletzt hatte die Sparkasse Uckermark mit einer Sonderförderung von mehr als 200 000 Euro für drei Jahre dem MKC-Verein über den Berg geholfen. „Bis 2015 ist dadurch und durch unsere Rücklagen die Finanzierung gesichert“, berichtete Kathrin Frese dankbar.
Künftige Herausforderungen wie Kostensteigerungen und Modernisierungsdruck lassen ahnen, dass der Förderverein weiter auf Hilfe angewiesen sein wird. In welchem Umfang die Stadt Templin künftig ein kulturelles Angebot im MKC vorhalten wolle, darüber sollten die Stadtväter schon heute nachdenken und politische Weichen stellen. Wolfgang Hoffmann forderte wieder eine institutionelle Förderung vom Landkreis.

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