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Lychener Verein bringt wieder Wasser auf die Mühle

Gerda Karger (links), Marcus Thum und Carla Kniestedt freuen sich darauf, das „Herz der Stadt“ wiederzubeleben.
Gerda Karger (links), Marcus Thum und Carla Kniestedt freuen sich darauf, das „Herz der Stadt“ wiederzubeleben.
Birgit Bruck

Die denkmalgeschützte Mehlmühle in Lychen steht seit über 20 Jahren leer. Bisher scheiterten alle Versuche, sie wieder zugänglich zu machen. Doch gibt es wieder Hoffnung. Der Mühlenverein hat Ideen, wie der Bau genutzt werden kann. Er ist jetzt der neue Pächter.

Ein erleichtertes „Prost“ war zu hören. Das ließen sich die Mitglieder des Mühlenvereins nicht nehmen, als sie im Schatten des wuchtigen Backsteinbaus ihre Unterschriften unter den Pachtvertrag für die ehemalige Mehlmühle setzten. Nicht ohne gemischte Gefühle. „Auf der einen Seite sind wir sehr froh, dass wir jetzt richtig loslegen können“, sagte Vereinsvorsitzende Carla Kniestedt. „Aber ein bisschen Angst vor der eigenen Courage kann ich angesichts dieses Riesendings auch nicht leugnen.“

Das Riesending, der beeindruckende Mühlenbau mitten im  Lychener Ortszentrum, misst Inneren auf drei Stockwerken nicht weniger als 6000 Quadratmeter. Und fließendes Wasser im wahrsten Sinne des Wortes: Das Mühlenfließ durchquert das Kellergeschoss des denkmalgeschützten Gebäudes. Das alles macht den Reiz dieser besonderen Immobilie aus, macht aber gleichzeitig die Aufgabe für die Initiatoren so anspruchsvoll.

2011 hatten sich Lychener im Verein mit dem programmatischen Namen „Wasser auf die Mühle“ zusammengefunden, um das imposante Bauwerk vor dem Verfall und dem drohenden Abriss zu retten. Seit seiner Gründung hatte der Verein um den Vertrag gekämpft, der jetzt zwischen ihm und der Brandenburgischen Stadtsanierungsgesellschaft (BSG) als Sanierungsträger abgeschlossen werden konnte.

Die Lychener Mühle wurde zuletzt vom VEB Mühlenwerke Neubrandenburg betrieben. 1992 war damit Schluss. Seitdem hatte es schon einige Versuche gegeben, das Haus wieder zu nutzen und damit auch der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. Bisher scheiterten alle.

All das soll nun wieder aus den Schubladen geholt werden und in das neue Nutzungskonzept einfließen, kündigt Carla Kniestedt an. „Diese Mühle ist das Herz dieser Stadt. Und das wollen wir wieder beleben.“ Außerdem gibt es Gutachten, die übrigens eine solide Bausubstanz bestätigen.

Holz und Wasser sollen die übergreifenden Themen der künftigen Nutzung sein, sagt die Vereinsvorsitzende und zählt auf: eine interaktive Ausstellung des Naturparks Uckermärkische Seen, Indoorspielmöglichkeiten, ein Café, eine Dokumentation der Mühlengeschichte, Räume für Kunst und Handwerk.

Doch vorher muss es schlicht darum gehen, die Bauhülle des „Riesendings“ zu sichern. Dazu sollen in der kommenden Woche erste Gespräche mit dem Denkmalschutz und dem Bauordnungsamt stattfinden. Am 8. September wird der Verein für die Lychener und ihre Gäste zum ersten Mal seit langem wieder die Türen der Mühle öffnen. Motto an diesem bundesweit stattfindenden „Tages des offenen Denkmals“ ist übrigens „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale“. Wie passend.