Skisport

:

Nummer 23 fliegt nach Harrachov

Ein Skispringer mitten im Spätsommer in einem brandenburgischen Garten.

Zwei Meter groß. Die angewinkelten Ski drei Meter lang. Mit der Startnummer 23 in Startposition. Der Betrachter könnte es mit ein wenig Fantasie schneien lassen. Am besten Pulverschnee in kleinen, tänzelnden Flocken.

Diese Fantasie beflügelte auch den Springer. Jetzt ist er in Harrachov angekommen. Als Symbol für den Skisport in der tschechischen Wintersportmetropole. Der Skispringer ist lebensgroß und verblüffend echt. Körper und Ski sind aus Lärchenholz gefertigt. Aus einem Zweieinhalb-Meter-Stamm mit einem stattlichen Durchmesser von 60 Zentimetern hat Stefan Klinke auf dem Ahrensdorfer Anwesen von Wolfgang Drabsch, ein Nachbar seines Vaters, in vier Tagen und rund 30 Stunden dieses Kunstwerk gesägt, geschliffen und gefräst. Der Stamm musste hier vorher ein Jahr lang zum Trocknen ausharren.

Wie entstand die Idee? Als begeisterter Wintersport- und Harrachov-Fan sowie Mitglied des dortigen Skiclubs hat Wolfgang Drabsch im vergangenen Jahr von dort einen verwitterten Skispringer aus Holz mit nach Hause gebracht, um ihn zu reparieren. Sein holzerfahrener Nachbar Fritz Klinke stellt fest, dass dem Springer nicht mehr zu helfen sei. "Wir bauen einen neuen", ist der Plan. Jetzt kommt Sohn Stefan mit seinen Erfahrungen ins Spiel. Er arbeitete jahrelang als Holzbildhauer für eine Spielplatzfirma und stellte fast alles her, was aus Holz machbar ist. In dem Skispringer sieht er eine neue Herausforderung für sich. Unter dem Vordach im Ahrensdorfer Anwesen beginnt er zu arbeiten. Am ersten Tag mit der Grobsäge. Am zweiten Tag mit der Feinsäge. "Man baut von außen nach innen und tastet sich an die Figur heran", erklärt Stefan Klinke. Er sehe das Stück Holz und denke sich hinein, habe die Figur bereits vorher im Kopf.

Nach einem Foto empfand er die Proportionen nach. Die Haltung des Springers müsse schließlich stimmen. Die Ski wurden teilweise gesägt, aufgeleimt und wieder herunter gearbeitet. Anschließend mit der gewünschten Biegung angeschraubt. Gesicht und Schulterkonturen wurden verfeinert, zum Schluss mit der Oberfräse der Schriftzug Harrachov und die Startnummer 23 eingesetzt. Warum die 23? "Das ist eine persönliche Glückszahl, die mit meinem Leben zusammen hängt", erklärt Stefan Klinke. Er wolle dem Sportler damit ein wenig Glück auf den Weg geben. Außerdem dürfe er niemals ohne Nummer an den Start gehen. "Skulpturen dieser Größe machen mir echt Spaß", resümiert der Holzbildhauer. Besondere Momente und Gespräche habe er außerdem mit den Leuten gehabt, die seine Arbeit kreuzten.

Begeistert ist auch Wolfgang Slavik, der als Vorstandsmitglied des Skiklub Harrachov gerade bei den Drabschs als Freund der Familie seinen Urlaub verbringt. "Ich bin sehr überrascht von der Größe des Skispringers", sagt er. Das sei ein tolles Geschenk für den Skiklub. Vielleicht bringe es 2014 bei den Weltmeisterschaften im Skifliegen Glück. In Harrachov befindet sich eine von weltweit fünf Skiflugschanzen. Es ist die drittgrößte mit einem Skiflugrekord von 214,5 Metern.

Stolz betrachten die Männer das Werk, bevor es auf Reisen geht. Sie schwelgen in Erinnerungen. Drei Leute waren erforderlich, um das Kunstwerk aufzurichten. Eine regionale Firma hat das Stahlgerüst dafür gebaut. "Wenn man nicht gute Bekannte findet, die so ein Projekt aus Spaß an der Freude unterstützen, kann man es nicht realisieren", ist sich Wolfgang Drabsch sicher. Mit dem Skispringer sei immerhin in ehrenamtlicher Arbeit ein Wert von etwa 2500 Euro geschaffen worden.