PROBLEMLÖSER AUS DEN EIGENEN REIHEN

Sinkt die Stimmung im Verein, helfen Fachleute

Der Landessportbund in Brandenburg bildet systemische Berater aus. Sie können Auswege aus Konfliktsituationen weisen. Nicht nur bei Nachwuchssorgen kommen sie zum Einsatz kommen.
Matthias Bruck Matthias Bruck
Susanne Springborn vom Landessportbund Brandenburg konnte Fußballtrainer Carsten Theis am Sonnatg sein Zertifikat als systemischer Berater im Ahorn-Seehotel Templin überreichen.
Susanne Springborn vom Landessportbund Brandenburg konnte Fußballtrainer Carsten Theiß am Sonnatg sein Zertifikat als systemischer Berater im Ahorn-Seehotel Templin überreichen. Matthias Bruck
Templin.

Nachwuchssorgen sind für den Fußballtrainer Carsten Theis kein unbekanntes Phänomen. „Wir vom ESV Vietmannsdorf haben schon vor geraumer Zeit darauf reagiert, dass immer weniger Leute Interesse am Fußballspielen haben und eine Spielgemeinschaft mit dem SG Storkow, dem Verein aus dem Nachbardorf gegründet“, sagt er. Die Vereinsmitglieder trainieren und spielen in einer Mannschaft - im übrigen Vereinsleben bleiben sie jedoch separat. „Wir wollen schon, dass jeder Ort seinen eigenen Fußballverein behält - das hat auch etwas mit Identität zu tun“, berichtet der Trainer.

Sich der Vereinssorgen bewusst merkte Theis auf, als er von einem Beratungsangebot des Landessportbundes Brandenburg hörte. „Es sollten aus den Vereinen heraus Berater geschult werden, die Sportvereinen in Konfliktsituationen helfen können. Das fand ich interessant, schließlich stehen viele Vereine vor dem gleichen Problem, vor dem wir standen“, erinnert er sich. So entschloss er sich, an der Ausbildung zum systemischen Berater, so der Titel der Weiterbildung, teilzunehmen. Finanziert aus dem vom Bundesinnenministerium aufgelegten Programm „Zusammenhalt und Teilhabe“ absolvierte Theis eine 18-tägige Weiterbildung, die sechs mal in jeweils dreitägigen Modulen stattfand.

Am Sonntag erhielten die zwölf Teilnehmer des landesweiten Programms im Templiner Ahorn Seehotel ihre Zertifikate. „Ich kann jetzt als Berater tätig werden und anderen Sportvereinen in Konfliktsituationen helfen. „Es muss dabei nicht nur um Nachwuchssorgen gehen, wenngleich das eines der größten Probleme ist, das viele Vereine umtreibt. Es kann auch der Umgang mit der demografischen Entwicklung sein, die Suche nach neuen Sportarten, die der älter werdenden Bevölkerungsstruktur entsprechen. Es kann darum gehen, jugendliche Vereinsmitglieder besser in die Vereinsarbeit einzubinden, ihnen vielleicht die Pflege der Vereinshomepage zu übertragen oder anderweitig in die Verantwortung zu nehmen. Oder es kann um den Umgang mit der Demokratie gehen. Es gab in der Vergangenheit auch Sportvereine, denen eine Unterwanderung durch Rechtsradikale drohte. Auch mit diesem Phänomen müssen sich die betroffenen Vereine intensiv auseinander setzen. Wegsehen hat noch in keinem Fall geholfen“, erklärt Susanne Springborn vom Landessportbund Brandenburg.

Der Erhalt von Vereinen im ländlichen Raum und damit die Stärkung demokratischer Strukturen war auch das Ziel des Bundesinnenministeriums bei der Auflage des Programms „Zusammenhalt und Teilhabe“, versichert Melanie Füller, die bei der Bundeszentrale für politische Bildung dieses Förderprogramm für die fünf neuen Bundesländer managt. Immerhin 285 000 Euro die Förderung dieser Ausbildung und weitergehender Beratungen beim Landessportbund wert.

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