NACH DEM SCHILDERVERBOT

Spaghettimonster-Verein fühlt sich vom Staat benachteiligt

Erst mussten sie weg, die Schilder der Glaubensgemeinschaft. Dann durften sie wieder aufgestellt werden, an zugewiesenen Plätzen. Jetzt sind sie mit roten Balken überklebt. Für Monsterchef Rüdiger Weida ein gefundenes Fressen.
Sigrid Werner Sigrid Werner
Frisch geputzt und gut lesbar, aber durchgestrichen präsentiert sich die Kirche des fliegenden Spaghettimonsters am Ortseingang von Templin aus Richtung Prenzlau.
Frisch geputzt und gut lesbar, aber durchgestrichen präsentiert sich die Kirche des fliegenden Spaghettimonsters am Ortseingang von Templin aus Richtung Prenzlau. Sigrid Werner
Templin.

Gerade noch hat sich Bürgermeister Detlef Tabbert auf dem Jahresempfang vor Vertretern aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Religionsgemeinschaften gefreut, dass für das Problem mit der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V. ein Kompromiss gefunden worden sei, da steht neues Ungemach ins Haus...

Angebot auswählen und weiterlesen:

5 Euro im Monat

alle Premium-Artikel und weitere Vorteile sofort verfügbar

Nordkurier digital23,99 Euro im Monat

Premium-Artikel und E-Paper, verfügbar nach 1-2 Werktagen

Nordkurier digital testen14,50 Euro für 6 Wochen

nur jetzt zum Vorteilspreis, verfügbar nach 1-2 Werktagen

Schon Kunde des Nordkurier?
Zur Anmeldung

Weitere Premium-Artikel:

Ein Kommentar von Gerald Bahr

Meinungsfreiheit gilt für alle, oder etwa nicht?

Nach dem Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in Paris ist das Wort Meinungsfreiheit in aller Munde. Sollte dieses Recht nicht auch für eine Satire-Weltanschauung und ihre Schilder gelten? Der Verein „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters“ sieht sich als solche, darf aber die Schilder für die Nudelmesse nicht mehr aufstellen, weil das Kulturministerium der Meinung ist, dass der Verein keine Religionsgemeinschaft und eine „Religionsparodie ohne ernsthafte religiöse Substanz“ sei. Wenn Monster-Chef Rüdiger Weida das nicht passt, könne er ja klagen, hieß es.

In der Landesverfassung Brandenburg heißt es: Niemand darf wegen der [...] religiösen, weltanschaulichen oder [...] Gründe bevorzugt oder benachteiligt werden. Zudem heißt es in einem Urteil des brandenburgischen Verfassungsgerichtes aus dem Jahr 2005, dass Ungleichbehandlungen für und gegen jede Religion und jede Weltanschauung der staatlichen Neutralität widersprechen. Dabei ging es um Religionsunterricht in Schulen.

Wenn das Kulturministerium festlegt, dass die Kirche des fliegenden Spaghettimonsters – die sich als Weltanschauungsgemeinschaft und nicht als Religion sieht –  keine neuen Hinweisschilder aufstellen darf, lässt sich das wohl nicht als Gleichbehandlung bezeichnen. Und das nur, weil eine Satire-Weltanschauung die Glaubensstrukturen etablierter Religionen in Frage stellt. Bei einem Satire-Magazin nennt sich das Meinungsfreiheit, bei dem Spaghettimonster resultiert das in einem Schilderverbot und passt nicht zur Verfassung.

Dann sollte sich die „Titanic“ warm anziehen. Denn die deutsche Zeitschrift schießt oft heftig gegen die Kirchen und ist bei Weitem nicht so leichte Kost wie das Spaghettimonster.

StadtLandKlassik - Konzert in Templin

zur Homepage