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Urig, riesig, imposant und vital

Die Brüsenwalder Lärchenallee mit ihren 377 Riesen im zarten Frühlingsgrün nahmen die Mitglieder des Forstvereins in voller Länge in Augenschein. [KT_CREDIT] FOTO: Bernd Schilling

VonBernd SchillingWie „Ausländer“ den uckermärkischen Wald aufpeppen und welches Potenzial türkische Zerreichen und Grüne Douglasien aus den USA ...

VonBernd Schilling

Wie „Ausländer“ den uckermärkischen Wald aufpeppen und welches Potenzial türkische Zerreichen und Grüne Douglasien aus den USA haben, das erfahren Forstexperten in der nordöstlichen Uckermark.

Boitzenburg.Vier Stationen hatte die Oberförsterei Boitzenburg für die Mitglieder des Brandenburgischen Forstvereins ausgesucht, um eine von ihnen gewünschte Waldbereisung mit Erfahrungsaustausch zum Thema „Interessante Bäume und Waldbilder in der Uckermark“ eindrucksvoll zu illustrieren. Etwa 80Vereinsmitglieder und Freunde des Waldes umfasste der Tross, den Oberförster Günter Kroß und seine Försterkollegen quer durch die nordöstliche Uckermark zu den ausgesuchten Zielen geleiteten. Unter den Teilnehmern waren der VereinsvorsitzendeProf.Dr.Klaus
Höppner, Studenten und Wissenschaftler der Eberswalder Hochschule für Nachhaltige Entwicklung (HNE), einstige und heutige Forstleute, aber auch leitende Mitarbeiter des Naturparks Uckermärkische Seen.
Auf dem Wege von Buchholz über Arendsee und Mahlendorf nach Boitzenburg erhielten die aus ganz Brandenburg und aus Mecklenburg-Vorpommern angereisten Exkursionsteilnehmer nachhaltige Eindrücke davon, wie schön und abwechslungsreich die Uckermark in diesen Frühlingstagen, aber auch wie weitläufig sie ist. Kurios gleich zu Beginn war Günter Kroß’ Verweis darauf, dass vor fast genau 100 Jahren der Märkische Forstverein in Prenzlau eine große Tagung mit Waldbegang, wie es damals hieß, ausrichtete. Vom Prenzlauer Markt aus erwartete die Teilnehmer ein straffes Programm mit 19 Stationen im Prenzlauer Forstrevier. Und zwar bewältigt mit Pferdegespannen.
Berücksichtigt wurden bei der ganztägigen Exkursion nicht nur die unterschiedlichen Baumarten, sondern auch die verschiedenen Waldbesitzer-Eigentumsformen und deren Spezifika bei der Waldbewirtschaftung. So wurde im 1450 Hektar großen Prenzlauer Kommunalwald bei Buchholz durch den zuständigen Revierförster Jens Rackelmann und durch Prof. Dr. habil. Ralf Kätzel vom Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE) über einen 134 Altbäume umfassenden, 123-jährigen Zerreichenbestand informiert – eine vor allem in der Türkei und in südeuropäischen Ländern beheimatete Baumart mit großen Potenzialen im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Und mit Diskussionsbedarf in Sachen Ansiedlung ausländischer Baumarten, wie sich bereits in ersten Meinungsäußerungen vor Ort zeigte. Mit Untersuchungen der Baumart sei man noch am Anfang, so Prof. Kätzel, aber die Zerreiche sei unbeschadet von Meinungsverschiedenheiten definitiv eine potenzielle Zukunftsbaum- art und integrationsfähig.
Als nächste „Ausländer“ bestaunten die Forstleute bei Arendsee im Revier Zerwelin riesige Grüne Douglasien, deren Saatgut wahrscheinlich aus Oregon (USA) bezogen wurde. Der im Besitz des Bundesforstbetriebes Havel-Oder-Spree befindliche Bestand verdankt seine Existenz möglicherweise der Zugehörigkeit zu einem militärische Sperrgebiet rund um eine Fliegerabwehr-Raketenstellung der NVA seit Ende der 1950er Jahre, daraus resultierender eingeschränkter forstlicher Bewirtschaftung und der „schützenden Hand der verantwortlichen Forstleute“, wie es hieß.
„Die 124 Jahre alten Bäume mit ihren vitalen kegelförmigen Kronen wollen immer noch nach oben“, schätzte Revierleiter Eberhard Schirrmeister ein. „Der stärkste Stamm hat 140 Zentimeter Durchmesser in Brusthöhe und ist 45 Meter hoch.“ Damit kommt der Baum zwar nicht an die mit 51,7 Metern Höhe vermessene höchste brandenburgische Douglasie im Lychener Stadtforst heran, übertrifft sie aber in der Stammstärke (96 Zentimeter) beträchtlich. Dr. habil. Matthias Noack (LFE) stellte der Baumart ein gutes Zeugnis aus: sehr vital, schatten-
resistent, sehr effektiv im Holzzuwachs, Höchstalter bis 400 Jahre, 50 bis 75 Prozent besser im Ertrag als die Kiefer. Inzwischen sind 770 Hektar des Reviers Zerwelin als Nationales Naturerbe deklariert worden, und die Übergabe an eine noch nicht namentlich genannte Stiftung steht bevor.
Rund 100 Jahre älter als diese Douglasien sind die etwa 1780 gepflanzten Lärchen im Forstbetrieb Arnimslinden der Gräfinnen von Arnim-Boitzenburg. 377 der einstigen 1171 Sudentenlärchen zieren heute noch die europaweit einzigartige Allee bei Brüsenwalde und machen sie auf 2,31 Kilometern Länge zu einem außergewöhnlichen Wanderweg mit viel bestaunter forstlicher Kulisse. Über dieses forstliche Kleinod, dessen Initiator Friedrich Wilhelm Graf von Arnim war, informierte Förster Jens Hellwich, Revierleiter der 6355 Hektar umfassenden Forstbetriebsgemeinschaft Mahlendorf mit 13 Mitgliedern in zehn Betrieben, die Exkursionsteilnehmer. Lärchenholz sei sehr gefragt, dürfe aber laut Schutzgebietsverordnung nur begrenzt angebaut werden. Wichtig sei es auch in dieser Frage, wie seit Jahren in der Region praktiziert, mit den Verantwortlichen im Naturschutz ständig im Gespräch zu bleiben und eng zusammenzuarbeiten.
Am letzten Exkursionspunkt, im Boitzenburger Tiergarten, erläuterte der Vorsitzende des Fördervereins Feldberg-Uckermärkische Seenlandschaft, Jens Daher, die Ambitionen, den ehemaligen, urigen, 175 Hektar großen Hutewald, mit seinen zwischen 250 und 600 Jahre alten Eichenbestand in seinem Charakter zu erhalten.
Der Boitzenburger Bürgermeister Bernhardt Rengert gab geschichtlich Verbrieftes, Anekdoten und Geschichtchen über das Wisentgehege im Tiergarten zum Besten. Warum eine angestrebte Wiederanlage im Jahre 1993 scheiterte, wisse er nicht. Aber Norbert Bukowsky von der Naturparkverwaltung klärte auf: Die Aufbauleitung des Naturparks Uckermärkische Seen habe damals die Frage der Unterhaltungskosten gestellt. Von insgesamt 70 000 DM hätte man 40 000 DM selbst aufbringen müssen, um das Wildgatter wieder aufzubauen, und das war nicht abzusichern.

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