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Wenn alle zwei Wochen ganze Familien über historische Fotos streiten

In einer Stunde Telefonmarathon erfährt Redakteurin Michaela Kumkar neue und alte Geschichten aus der Region.

Der erste Anruf kommt genau um 8.59 Uhr. Ilse Krüger aus Templin eröffnet eine Minute vor der Zeit den Telefonmarathon der folgenden Stunde. Sie weiß – ...

Der erste Anruf kommt genau um 8.59 Uhr. Ilse Krüger aus Templin eröffnet eine Minute vor der Zeit den Telefonmarathon der folgenden Stunde. Sie weiß – wie fast alle, die heute anrufen – die richtige Antwort. Die Bilder mit Ansichten aus früheren Zeiten haben mittlerweile eine große Fangemeinde. „Zuerst haben wir nur die historischen Fotos veröffentlicht, mit den entsprechenden Texten. Später haben wir die Leser dann gefragt, wo das ist und welche Geschichten sie mit diesem Ort verbinden“, erzählt Redakteurin Michaela Kumkar. Wieder klingelt das Telefon, wieder der Hinweis auf den richtigen Ort. „Sind Sie wieder auf den Geschmack gekommen mitzuraten? Wir haben ja eine Weile nichts von Ihnen gehört“, fragt sie. Jörg Wachholz am anderen Ende der Leitung erklärt ihr, dass er nur teilnimmt, wenn er sich auch wirklich sicher ist. Und manchmal ist es eben nicht ganz einfach herauszufinden, wo sich das alte Haus, das einstige Hotel oder der nicht mehr exitierende Straßenzug denn befunden haben.
Michaela Kumkar erinnert sich lachend an so manchen familienübergreifenden Disput, von dem sie am Telefon erfahren hat. „Da wird am Frühstückstisch gemeinsam gerätselt und auch gestritten – bis schließlich der Anruf in der Redaktion die Auflösung bringt.“ Manch einer hat die Begeisterung am historischen Bilderrätsel vererbt: „Lothar Schröder gehörte zu den treuesten Anrufern, der auch immer eine launige Geschichte zu den Fotos parat hatte. Nach seinem Tod hat sein Sohn Jörg diese Aufgabe übernommen.“ Der ist heute bisher nicht mit dabei. Der nächste Anruf kommt von Rosemarie Gabrecht aus Hardenbeck. Auch sie lässt kaum eine Folge aus. Neben der richtigen Antwort hat die gehbehinderte Frau heute eine Bitte: Ob ihr die Redaktion helfen könne, ein Exemplar des Buches „Perle der Uckermark“ mit alten Ansichten der Kurstadt zu besorgen, Michaela Kumkar verspricht es. „Guten Morgen, mit Ihrem Anruf haben wir schon gerechnet“, begrüßt die Redakteurin schließlich die Anruferin aus dem Templiner Seniorenlandsitz „An der Buchheide“. Hier wird immer mit großer Spannung auf den Guckkasten gewartet, verrät Betreuuerin Anja Morgenstern. „Über diese alten Fotos kommen wir mit vielen älteren Bewohnern ins Gespräch, auch mit solchen, die sich oftmals kaum noch an etwas erinnern können“, erzählt sie. Kurz vor 10 Uhr der Endspurt der heutigen Heimatkunde-Stunde. Jörg Schröder ruft an.