REGIONALES NETZWERK

Wenn Frauen über den Tellerrand gucken

Einige lokale Anbieter vernetzen sich übers Internet. Für andere dagegen geht nichts über den persönlichen Kontakt.
Seife statt Torte: Kerstin Michel aus der Mühlenwirtschaft und Kaffeemühle maß - angeleitet von Seifenexpertin Anke Thoma (links) - die Zutaten ab.
Seife statt Torte: Kerstin Michel aus der Mühlenwirtschaft und Kaffeemühle maß – angeleitet von Seifenexpertin Anke Thoma (links) – die Zutaten ab. Birgit Bruck
Die fertige Seife wurde abgefüllt. Sie muss danach noch vier Wochen ruhen.
Die fertige Seife wurde abgefüllt. Sie muss danach noch vier Wochen ruhen. Birgit Bruck
Auch dieses Wildschwein aus uckermärkischen Wäldern ist für den Verzehr. Nadine Wunsch-Fischer (Zweite von rechts) erläuterte den Besuchern aus Lychen ihre Wildwirtschaft.
Auch dieses Wildschwein aus uckermärkischen Wäldern ist für den Verzehr. Nadine Wunsch-Fischer (Zweite von rechts) erläuterte den Besuchern aus Lychen ihre Wildwirtschaft. Birgit Bruck
Uckermark ·

Abmessen, Fett schmelzen, Öl zugeben, erhitzen, rühren – und all das genau nach Rezept. Da sind die Frauen von der Lychener Mühlenwirtschaft und Kaffeemühle ja eigentlich in ihrem Element. Doch die Brigade, wie sich die Truppe aus gestandenen Frauen rund um Mühlenwirtin Carla Kniestedt nicht ohne Augenzwinkern nennt, betritt gerade Neuland. Denn aus der duftenden Masse in ihren Schüsseln entsteht nicht etwa die nächste Torte. Sondern Seife.

Sie sind zu Gast in der Naturseifenmanufaktur von Anke Thoma in Buchenhain. Genießen das Ambiente in der freundlichen Seifenküche und schnuppern immer wieder genüsslich. Denn die feinen Sachen, die Anke Thoma zu natürlichen und pflegenden Produkten verarbeitet, liegen hier buchstäblich in der Luft. Die studierte Buchhändlerin hat, so sagt sie, die „Natur zum Beruf“ gemacht. Hat sich viel Wissen angeeignet, kreiert immer neue Rezepte und stellt im kleinen Holzhaus am Ortsrand von Buchenhain Seifen, Shampoos und Naturkosmetik her.

Seifen und Lebensmittel haben so einiges gemeinsam

Was man dort in Workshops mit unterhaltsamer und lehrreicher Anweisung der Fachfrau auch selbst probieren kann. Beim Rezeptlesen, bei der Einweisung und bei den ersten Handgriffen ist schnell klar: Der sorgsame Umgang mit guten Zutaten verbindet sie, die Naturseifenmanufaktur und die Mühlenwirtschaft und Kaffeemühle. Und auch, dass ihr Start mit LEADER-Mitteln der EU unterstützt wurde.

Weshalb hinter dem Besuch der Lychenerinnen auch ein wenig mehr steckt als ein fröhlicher Brigadeausflug. Denn für Carla Kniestedt ist es überaus wichtig, andere Akteure und deren Produkte kennenzulernen. Wissen, was der andere macht, sich gegenseitig informieren und es an die Gäste weitergeben. Netzwerken, wie es immer so schön heißt. Weil eine Region nur so attraktiv sei, wie die Summe ihrer Angebote. Die fröhliche Frauenrunde packt nach gut zweieinhalb Stunden beinahe andächtig ihre erste selbst gemachte, duftende und noch ein bisschen weiche Seife ein, die jetzt – das haben sie gelernt – noch vier Wochen „ruhen“ muss.

Nutzen für die eigene Arbeit

Wenn nun in Zukunft ein Gast beim Kaffeetrinken oder beim Fischessen nach einem interessanten Ausflugsziel fragt, werden sie ihm künftig mit lebhaften Erinnerungen und leuchtenden Augen von Buchenhain und der dortigen Seifenmacherin erzählen können.

Nur ein paar Hundert Meter von der duftenden Seifenküche entfernt steht Nadine Wunsch-Fischer neben einem vor wenigen Tagen erlegten Wildschwein. Auch hierhin, in die „Wildwirtschaft“ der Betreiberin des Landhauses Arnimshain, entführt Carla Kniestedt ihre Frauen. Denn was da zwar ausgenommen, aber noch im Ganzen vor ihnen liegt, landet auch in der Mühlenwirtschaft in Topf und Pfanne. Gern werde in diesen kalten Tagen Wildsuppe bestellt.

Jagd nach Wild nur nach Bedarf

Nadine Wunsch-Fischer, gelernte Köchin, Hotelfachfrau und Betreiberin des Hotels Arnimshain, zeigt die Tiere, die sie vor einigen Tagen im wenige Kilometer entfernten Revier erlegt hat. Erklärt, welche geschossen werden und warum. Wie sie zerlegt werden und möglichst vollständig verwertet. Sie verrät auch, dass sie nach Bedarf auf Jagd geht, je nachdem, was sie in der hoteleigenen Küche und was die Kunden und Geschäftspartner benötigen. Gern genieße sie auch die Ruhe auf dem Hochsitz und belässt es beim Beobachten. Über die Wertschätzung und das Interesse der „Mühlenbrigade“ freut sie sich.

Für die sich jetzt ein konkretes Bild verbindet, wenn das nächste Stück Wildfleisch bei ihnen in der Küche bearbeitet wird. Was ganz im Interesse der „Mühlenwirtin“ liegt. „Wir legen sehr großen Wert darauf, was bei uns ins Essen kommt und wie wir es zubereiten“, sagt Carla Knie-stedt. Das Einfache sei das Gute und Wegwerfen „nur die allerletzte Möglichkeit“, betont sie. Und sie vermeidet dabei – wann immer es geht – Schlagworte wie nachhaltig und regional. Weil die viel zu oft eben genau das sind: Schlagworte. Sie aber meint genau das und setzt es mit ihrem Unternehmen in der ehemaligen Lychener Getreidemühle auch um.

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