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Wo das Pflichtfach „Wald“ auf dem Stundenplan steht

Wald als Aufgabe für Generationen: Förster Joachim Lange, der als Lehrer im Schulwald arbeitet, pflanzt mit Kita-Kindern junge Bäume.  FOTO: privat

VonBirgit BruckDie vor sechs Jahren aus der Not geborene Idee vom Templiner Schulwald ist inzwischen zum bundesweiten Vorzeigeprojekt gewachsen.Templin.In ...

VonBirgit Bruck

Die vor sechs Jahren aus der Not geborene Idee vom Templiner Schulwald ist inzwischen zum bundesweiten Vorzeigeprojekt gewachsen.

Templin.In diesem Frühjahr wurden Douglasien und Tannen, Roteichen und Spitzahorn gepflanzt. Und Bäume markiert, die gefällt werden sollen und solche, die als Zukunftsbäume stehen bleiben. Und Rückegassen für die nächste Holzernte vermessen. Forstroutine möchte man angesichts dieser Aufzählung von Förster Joachim Lange meinen. Doch die Akteure sind keine Waldarbeiter, es sind Schüler und Kindergartenkinder. Aus dem Förster Joachim Lange wurde vor sechs Jahren der Lehrer Joachim Lange. Sein Klassenzimmer ist der Schulwald.
Das Projekt wurde aus der Not heraus – auf der Suche nach Sparmöglichkeiten im Stadtforst – geboren. Als Alternative zu kostensparender Umstrukturierung, Personalabbau und drohendem Waldverkauf haben es die Stadtförster 2006 entwickelt. 700Hektar kommunaler Wald wurden wenig später langfristig an den Bildungsträger Hoffbauer-Stiftung verpachtet, Joachim Lange wurde Mitarbeiter der Waldhofschule. Seither steht bei den Schülern „Wald“ als Pflichtfach im Stundenplan.
Das Bundesamt für Naturschutz, der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Deutsche Städte- und Gemeindebund nahmen dieses Modell als „innovatives und zukunftsfähiges Beispiel“ in ihre Broschüre „Zukunft gestalten im Kommunalwald“ auf. Als eines von bundesweit sechs, die zeigen sollen, wohin die Entwicklung von Wald, der sich im Eigentum der Kommunen befindet, in den nächsten Jahren gehen kann. Sie reichen von neuartigen Konzepten der Bürgerbeteiligung bis eben zur gewinnbringenden Umweltbildung im Templiner Schulwald. Alle eint das Ziel, Kommunalwald dauerhaft zu erhalten und als wertvollen Raum zum Leben, Wirtschaften und Erholen zu schützen. „Bildung und Wald – das passt gut zusammen“, sagt Lehrer-Förster Joachim Lange. Beides seien langfristige Aufgaben, bei der es um Geduld, Gespür und Ideen geht. Und all das ist im Schulwald zu finden – im Interesse der Kinder und der Natur.

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b.bruck@uckermarkkurier.de