Ein Crash mit Sachschaden ist schlimm. Aber mindestens genauso schlimm ist es, diesen fälschlicherweise der Versicherung
Ein Crash mit Sachschaden ist schlimm. Aber mindestens genauso schlimm ist es, diesen fälschlicherweise der Versicherung zu melden, sagt Christina Thalheimer. © Deyan Georgiev - Fotolia.com
Christina Thalheimer setzt sich für den jungen Kunden ein.
Christina Thalheimer setzt sich für den jungen Kunden ein. Privat
Versuchter Betrug?

21-Jähriger soll plötzlich 400 Euro im Quartal zahlen

Eine Versicherungsvertreterin aus der Uckermark warnt vor einer neuen Masche. Hier wurde ein Fahranfänger hochgestuft, weil jemand einen Crash gemeldet hatte.
Carmzow

Christina Thalheimer hat mit ihren 60 Lenzen reichlich Lebenserfahrung. Das kommt ihr im Job als Vertrauensfrau bei einer Versicherung sehr zu Gute. „Ich habe vor meinem Umzug in die Uckermark 27 Jahre in Berlin gelebt und dort vermutlich schon fast alles erlebt“, sagt die gebürtige Bayerin der Redaktion. Aber die Betrugsmasche, die man jetzt bei einem Kunden von ihr versucht habe, sei selbst ihr neu, räumt die Carmzowerin ein. Weil sie es so unerhört finde, wie unbescholtene Menschen von Ganoven um ihr Geld gebracht und Versicherungen geprellt werden sollen, hat sie sich an den Uckermark Kurier gewandt. Was war passiert? Zum Klientenstamm von Christina Thalheimer zählt ein junger Fahranfänger, der bei seinem ersten Auto mit der Schadensklasse 0 eingestiegen war. Demnächst stand ihm allerdings der Wechsel in die nächstbessere Klasse, die 1, bevor. Der 21-Jährige hatte auch schon Kenntnis, um welche Summe sein vierteljährlich gezahlter Beitrag sinken wird, erzählt die Expertin: „Der neue Beitrag sollte bei rund 260 Euro für drei Monate liegen.“

Vermeintlicher Crash im Herbst

Die Familie wunderte sich allerdings, als plötzlich ein Nachtrag in Haus flatterte. In diesem Brief wurde mitgeteilt, dass ab 2023 vierteljährlich knapp 400 Euro zu zahlen sind. „Der junge Mann fiel aus allen Wolken. Das ist natürlich ein gewaltiger Unterschied, vor allem, wenn man erst am Anfang des Berufslebens steht und wenig Geld zur Verfügung hat“, schildert Christina Thalheimer. Sie ging der Angelegenheit auf den Grund und brachte in Erfahrung, dass den Kollegen im Innendienst der Versicherung zu besagter Person ein von ihm verschuldeter Unfall gemeldet worden war. „Das Ganze sollte sich im Herbst zugetragen haben, woraufhin man den Versicherungsnehmer hoch stufte.“

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Das Kuriose daran sei allerdings gewesen, dass es besagten Unfall nie gegeben haben soll, setzt Christina Thalheimer empört hinzu: „Die Familie hat mir nämlich versichert, dass nie etwas passiert ist.“ Gefragt, ob denn in so einem Fall nicht ein Protokoll von der Polizei vorliegen müsste, erklärt die Fachfrau, dass die Beamten bei reinen Sachschäden nur noch selten gerufen würden.

Kein Polizeiprotokoll

„Es hat sich in der Praxis durchgesetzt, dass die Unfallbeteiligten nur ihre Daten austauschen und das Ganze durch ihre Versicherungen regeln lassen.“ In besagtem Fall soll nach der Meldung des vermeintlichen Crashs dann zwar ein Schreiben herausgegangen sein, in welchem der vermeintliche Unfallverursacher um Stellungnahme gebeten wurde. „Doch er gibt an, dass nie etwas kam. Was durchaus stimmen kann, es verschwinden ja immer mal Dokumente auf dem Postweg. Ich glaube ihm jedenfalls.“ Sie habe nun dringend dazu geraten, den Fall bei der Polizei anzuzeigen und der Versicherung zu bestätigen, dass es nie einen Crash gab. Nur so könne sich diese gegen den Betrug wehren.

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Versicherungsbetrug ist ein Milliardengeschäft, war beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft zu erfahren: „Auf fünf Milliarden Euro wird der jährliche Schaden geschätzt. Eine Summe, die die mehrheitlich redlichen Kunden über ihre Beiträge mit bezahlen. Besonders in der Schaden- und Unfallversicherung versuchen manche, mit falschen Angaben die Versicherung zu betrügen. Die Bandbreite reicht von Smartphones, die vor einem Modellwechsel vermehrt kaputtgehen, über Safes, die wenige Tage nach Versicherungsbeginn ausgeräumt werden, bis zu verschwundenen Lkw-Ladungen, die in Wahrheit nie existiert haben. Bei fast zehn Prozent aller gemeldeten Schadensfälle kommen den Experten Zweifel.“

 

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