Ann-Katrin Gerth ist glücklich in der neuen Branche.
Ann-Katrin Gerth ist glücklich in der neuen Branche. Privat
Das Bödenwischen fällt vielen alten Menschen schwer. Putzhilfen sind eine Alternative.
Das Bödenwischen fällt vielen alten Menschen schwer. Putzhilfen sind eine Alternative. Ralf Hirschberger
Vielen Menschen gefällt die Arbeit im Callcenter. Ann-Katrin Gerth mochte sie nicht.
Vielen Menschen gefällt die Arbeit im Callcenter. Ann-Katrin Gerth mochte sie nicht. Frank Mächler
Geschäftsidee

29-Jährige schmeißt Bürojob für Putzstelle hin

Ann-Katrin Gerth aus Gneisenau suchte lange nach einer Arbeit, die sie glücklich macht. Dann fand sie eine Marktlücke und wagte die Existenzgründung.
Gneisenau

Manche Karrieren verlaufen geradlinig. Die von Ann-Katrin Gerth nicht. Die 29-Jährige hat erst über viele Umwege zu dem gefunden, was ihr beruflich Spaß macht. Und das auch recht spät in ihrem Leben. „Aber egal, jetzt wird es klappen, da bin ich mir sicher“, sagt sie euphorisch. Geboren 1993 in Berlin-Tempelhof verschlug es die junge Frau als 17-Jährige gemeinsam mit ihren Eltern, Geschwistern und Großeltern in die Uckermark. Sie verliebte sich in Land und Leute und blieb in Gneisenau.

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Nur jobmäßig sah es lange Zeit mau ist. Ann-Katrin Gerth versprach sich zunächst viel von ihrer Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement, wollte sich sogar auf Finanzbuchhaltung spezialisieren. Doch dieser Traum platzte. Es gab weder die erwartete Übernahme durch den Lehrbetrieb, noch den versprochenen Aufstieg in dieser Firma, bilanziert sie bitter: „Meine Fachkenntnisse haben zu diesem Zeitpunkt einfach nicht ausgereicht.“

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Es folgten einige unbefriedigende „Ausflüge“ in die Callcenter-Branche. Jahre später resümiert die kinderlose Frau, dass sich die Arbeitgeber zwar schon mehr Mühe gäben, ihr Personal zufriedenzustellen als noch vor Jahren, „aber für mich waren das keine erfüllenden Tätigkeiten. Mir liegt es nicht, Leuten etwas aufzuquatschen. Und im Service war es irgendwann einfach langweilig. Ganz zu schweigen von der ständigen Kontrolle und dem Zeitdruck dort“ – deutlicher mag sie gar nicht werden.

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Nach dem beruflichen Auf und Ab entschied sich die Wahl-Uckermärkerin dann Ende letzten Jahres, die Selbstständigkeit als Haushaltshilfe anzugehen. „Jeder ist selbst seines Glückes Schmied“ – weiß die Existenzgründerin mittlerweile. Nach der zertifizierten Weiterbildung wurde sie jetzt beim Landesamt für Soziale Versorgung (LASV) anerkannt und bei den Pflegestützpunkten gelistet. Sie hat sich auf pflegebedürftige Senioren und Kinder sowie psychisch- und an Demenz erkrankte Menschen spezialisiert. Auf die Idee gekommen war sie durch die Haushaltshilfe, die ihre Großeltern in Lemmersdorf unterstützt: „Oma und Opa gehen auf die 80 zu und genießen es, dass ihnen jemand unter die Arme greift. Sie sind jedes Mal sehr dankbar dafür.“ Bedingung für die Inanspruchnahme solcher Dienste ist allerdings der Pflegegrad 2 oder höher, erklärt die junge Frau: „Dann steht einem monatlich nämlich ein Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro zu, den die Pflegekasse auch rückwirkend zahlt.“

Haushalt für Senioren führen

Viele Betroffene wüssten das gar nicht oder trauten sich nicht, jemanden mit der Haushaltsführung zu beauftragen. Dadurch ließen sie aber das ihnen zustehende Geld verfallen, bedauert Ann-Katrin Gerth: „Ich würde mich freuen, wenn sie ihren Stolz überwinden und mich fragen.“ Nicht nur das Putzen gehört zu ihrem Repertoire; „nein, ich koche auch mit ihnen oder übernehme Besorgungen.“ Ebenfalls vorstellbar wären gemeinsame Freizeitgestaltung oder Fahrten, beispielsweise zum Kaffeekränzchen mit den alten Freunden, zu Konzerten oder Museumsbesuchen. „Durch mich werden diese Menschen wieder mobil und können am Leben teilhaben.“ Verfügbar ist Ann-Katrin Gerth ab morgens um 7.30 Uhr. Termine können bis 20 Uhr vereinbart werden.

Telefon: 0173 2905474

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