EINREISEVERBOT

34-jähriger Prenzlauer fürchtet Landesgrenze

René K. fährt oft nach Pasewalk, um die Kinder seiner Freundin zu betreuen. Die Altenpflegerin braucht seine Unterstützung. Jetzt gibt es ein Problem.
Auch in Höhe Rollwitz wird aktuell fast rund um die Uhr kontrolliert.
Auch in Höhe Rollwitz wird aktuell fast rund um die Uhr kontrolliert. Claudia Marsal
An der Grenze zu MV weisen blinkende Schilder auf die Neuerung hin.
An der Grenze zu MV weisen blinkende Schilder auf die Neuerung hin. Claudia Marsal
Prenzlau.

Seit ein paar Tagen kontrolliert die Polizei die Grenzen von Mecklenburg-Vorpommern, um den touristischen Reiseverkehr ins Land zu unterbinden. Die Kontrollstellen befinden sich auf den Bundesstraßen in Richtung MV sowie in der Nähe einiger Autobahnabfahrten. Die Maßnahmen erfolgen nach Angaben des Schweriner Innenministeriums, um die Einhaltung der Anordnungen im Zuge der Corona-Pandemie sicherzustellen. Das sorgt für Stress an den Passierstellen, denn im grenznahen Raum gibt es traditionell viele Schnittmengen.

Von Brandenburg mal schnell nach MV zum Einkauf, das war jahrelang Normalität, jetzt wird ausgesiebt. Wer keinen Erstwohnsitz im Bundesland hat, muss einen nachweisbaren und dringenden Grund für die Einreise haben und sich ausweisen können.

Plausibler Anlass

Ist dieser Anlass nicht plausibel, wird die Weiterfahrt verweigert. Sollte sich jemand widersetzen, nimmt die Polizei eine Anzeige auf. Leidtragender dieser Entwicklung ist auch ein 34-Jähriger aus der Uckermark.

René K. (Name bekannt) hat sich schon vor Jahren in eine junge Zweifachmama verliebt, die in Pasewalk, also hinter der Grenze, lebt. Da die 36-Jährige im Pflege-Schichtdienst arbeitet, muss René K. oft als Betreuungsperson für die beiden Söhne einspringen. Seit der Coronakrise öfter denn je. Weil es aber nicht seine leiblichen Kinder sind und das Paar noch zwei getrennte Wohnsitze hat, kann er keine direkte Notwendigkeit nachweisen. „Das ist zum Verrücktwerden”, beschreibt der Prenzlauer seine Situation. Jedesmal habe er am Kontrollpunkt vor Rollwitz mit den Beamten lange Diskussionen, bevor man ihn passieren lasse. „Ich bettele, was das Zeug hält, und hatte bislang auch Glück. Aber ich habe immer Schiss, dass ich nicht weiterfahren darf und meine Katja nicht zur Arbeit kann.”

Kein MV-Kennzeichen

Wie die Polizei mitteilt, werden vor allem Fahrzeuge, die kein Kennzeichen aus MV haben, kontrolliert. Bei dem Installateur prangt schon von weitem das „UM” am Golf. Das Innenministerium in Schwerin sagt, dass kontrollierte Autofahrer nach dem Grund ihrer Reise gefragt werden. Nur wer seinen Erstwohnsitz im Bundesland habe oder in Mecklenburg-Vorpommern erwerbsmäßiger oder selbstständiger Tätigkeit nachgehe, dürfe theoretisch weiterreisen.

Weiter schreibt das Innenministerium allerdings auch: „Es wird an den Kontrollstellen sicher viele Einzelfälle geben. Die Einsatzkräfte werden mit Herz und Verstand prüfen, ob die Begründungen plausibel sind.” Darauf muss René K. weiter hoffen. Eine Garantie dafür hat er aber nicht. Genauso wenig wie viele andere Bewohner der Grenzregion, für die es bis dato selbstverständlich war, ins nächste Dorf zum Arzt oder zum Imbiss zu fahren.

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