Beim Pflanzen auf dem Beet war der junge Mann in seinem Element.
Beim Pflanzen auf dem Beet war der junge Mann in seinem Element. Claudia Marsal
Hunderte Töpfchen stehen aktuell in der Wohnung.
Hunderte Töpfchen stehen aktuell in der Wohnung. Claudia Marsal
Stundenlang hat Ricardo Kaufmann gesessen und die Pflanzen vereinzelt.
Stundenlang hat Ricardo Kaufmann gesessen und die Pflanzen vereinzelt. Claudia Marsal
Der dreifache Vater trauert seiner Parzelle nach.
Der dreifache Vater trauert seiner Parzelle nach. Claudia Marsal
Parzelle weg

▶ 34-Jähriger zieht mit Garten in Zweiraum-Wohnung um

Ein dreifacher Vater aus Prenzlau sucht händeringend nach Pachtland. Doch der gelernte Gemüsegärtner hat gewisse Ansprüche an die Anlage.
Prenzlau

Ricardo Kaufmann kann in seiner kleinen Zweizimmerwohnung aktuell kaum treten. In jeder freien Ecke stehen Gemüsepflanzen. Hunderte Mini-Töpfe mit Erde hat der 34-Jährige in seinen vier Wänden verteilt. In den Wochen davor waren in größeren Gefäßen schon unzählige Samen gekeimt und dann, nachdem sich die ersten Blattpaare gezeigt hatten, vereinzelt worden. Voller Stolz verfolgt der Prenzlauer jetzt, wie die Pflanzen größer werden.

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Gurken, Porree, Zucchini, Tomaten – sein Werk verspricht in ein paar Monaten reiche Ernte. Aber dazu müssen die Pflanzen raus ins Freie, spätestens im Mai brauchen sie Gartenerde unter ihren Wurzeln. Und an diesem Punkt fängt das Problem an. Denn der dreifache Vater hat keine Parzelle mehr. Noch bis letztes Jahr frönte der gebürtige Schwedter auf über 1000 Quadratmetern Pachtland seiner großen Leidenschaft. Jede freie Minute verbrachte Ricardo Kaufmann in seinem Garten.

Zu laut im Pool

Mit dabei waren meist die Kinder (5, 9, 12). „Doch genau daraus erwuchs dann ein Problem“, erinnert sich der gelernte Gärtner zurück: „Plötzlich störte man sich in der Anlage daran, dass sie beim Spielen auch mal lauter waren, im Pool planschten und vielleicht auch Krach machten.“ Empört erzählt er von der Beschwerde einer Nachbarin, die sich beklagt hatte, dass Poolwasserspritzer ihre Pflanzen hinterm Zaun angeblich hatten eingehen lassen. „Das war schon krass: Hühner und Enten hätte man dort künftig halten können, aber Kinder waren nicht so gern gesehen, jedenfalls meine nicht.“

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Und so kam es, dass Ricardo Kaufmann zum ersten Mal in seinem Leben keinen eigenen Garten mehr hat: „Das ist der Horror.“

Sehnsucht nach Beeten

Sehnsuchtsvoll beobachtet er von seinem Fenster aus, wie andere Mieter morgens mit Gießkanne und Harken zu ihren Parzellen aufbrechen: „Das tut richtig weh.“ Und weil er die Hände nicht in den Schoß legen kann, hat der junge Mann deshalb für andere Pflanzgut gezogen – Freunde, Verwandte und Nachbarn hat er schon glücklich gemacht damit. Einige Pflanzen wären aber noch abzugeben, versichert er freudestrahlend.

Seine Bemühungen, bei einem anderen Verein in Prenzlau eine neue Fläche zu finden, sind bislang gescheitert, bedauert der Gemüseexperte, ebenso wie die Suche nach einem neuen Job in seiner Branche: „Ich habe erst diese Woche wieder eine Initiativbewerbung zu einem Betrieb auf dem Land abgeschickt. Vielleicht braucht man da ja einen erfahrenen Gemüsegärtner.“ Dann stände auch einem Umzug aufs Dorf nichts entgegen, sagt er schnell: „Hauptsache ich habe Beete, die ich noch privat bestellen kann.“

In der Zwischenzeit würde er sein Können gern auch bei anderen Gartenbesitzern unter Beweis stellen. „Älteren Leute bei der Frühjahrsbestellung unter die Arme greifen oder eine verwilderte Fläche wieder urbar machen – darauf hätte ich total Lust. Wer Hilfe braucht, kann sich gern bei mir melden. Ebenso wie alle, die einen Fachmann einstellen oder aber einen schönen Garten verpachten wollen.“

Kontakt: 0152 03776105

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