René Berkholz war so glücklich über die reiche Ausbeute, die er mit seinen Kumpels gemacht hatte.
René Berkholz war so glücklich über die reiche Ausbeute, die er mit seinen Kumpels gemacht hatte. Privat
Bruder und Schwester waren ganz dicke miteinander.
Bruder und Schwester waren ganz dicke miteinander. Privat
Der kleine Matty auf dem Arm seines Onkels „Bergi”
Der kleine Matty auf dem Arm seines Onkels „Bergi” privat
Schicksal

42-jähriger Angler stirbt kurz nach seinem Norwegen-Trip

René Berkholz hatte seine Forellen daheim noch ausgepackt und bei seiner Mutter in die Gefriertruhe gesteckt. Die Fische essen konnte er nicht mehr.
Prenzlau

Seinen letzten großen Fang, den hatte René Berkholz seiner Mutter noch präsentieren können. Er sortierte die Unmengen an Fisch, die er mit seinen Kumpels bei seinem letzten Trip nach Norwegen erbeutet hatte, daheim in den Gefrierschrank ein. Die Forellen zu essen, das war dem lebenslustigen Mann leider nicht mehr möglich.

Monika Berkholz ist froh, dass es ihrem Jungen wenigstens vergönnt war, noch einmal in sein Lieblingsland zu fahren. Davor hatte die Coronakrise die Skandinavien-Pläne des 42-Jährigen schließlich zweimal zunichte gemacht. Erst im September 2022 hatte es endlich geklappt. Die Hinterbliebenen haben in den Stunden ihres Schmerzes somit wenigstens die Gewissheit, dass seine letzten Tage glücklich waren.

Bei Piepenbrock beschäftigt

Ob der bei der Firma Piepenbrock beschäftigte Gebäudereiniger, der zuletzt bei der Eisengießerei Torgelow gearbeitet hatte, beim Angeln im Norden schon ahnte, dass es mit ihm zu Ende geht, weiß niemand. Seine Mutter erzählt, dass er monatelang von starkem Husten geplagt worden sei und sie sich große Sorgen um ihren Jüngsten gemacht habe. Er hingegen tat das Ganze als nicht so schlimm ab und ging weiter arbeiten.

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Mitte des Monats starb der Fabrikarbeiter dann völlig unerwartet. Monika Berkholz war an seinem letzten Tag nach dem gemeinsamen Frühstück noch kurz unterwegs – als sie heimkam, lag er tot auf der Couch. „Der Notarzt hat mir später versichert, dass es schnell gegangen ist und er nicht leiden musste, wenigstens ein kleiner Trost.“ Er wurde in Viereck beerdigt.

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Wie es sei, ein Kind zu verlieren, das könne niemand nachempfinden, der noch nicht in so einer Lage war, versichert die Rentnerin traurig. Aufgefangen wurde sie gleich nach dem Tod von ihrer Cousine. In den Tagen danach vor allem von ihren Freundinnen, seinen vielen Freunden und natürlich ihrer Tochter, mit der sie telefonisch Kontakt hielt. Katrin kann den Verlust des Bruders bis heute nicht fassen.

Neffe vermisst ihn

Es sei so selbstverständlich gewesen, dass „Bergi“, so der Spitzname des jungen Mannes, immer mit dabei war. Weihnachten 2020 habe er für seinen Neffen Matty noch eine Schaukel gebaut. Immer wenn der Junge jetzt in Zeesen darauf schaukelt, wird er sich dankbar an den Onkel erinnern. Ein tiefes Loch gerissen hat der Tod auch bei seinen vielen Bekannten und Nachbarn, denn auf „Bergi“ war Verlass, egal, ob diese Hilfe beim Bauen, Schneeschieben oder Holzhacken brauchten. Der alleinstehende Mann ließ sich nicht lange bitten und forderte nie eine Gegenleistung, bestätigen seine Freunde. Seine große Leidenschaft habe außerdem der Musik gegolten. Lange war René Berkholz im Team der Disko „Soundtheke“, die in der Region einen Namen hat. Auch privat legte er oft und gern bei Partys und Jubiläen auf. Meist wurden dann Schlager laut aufgedreht. Ohne Andrea Berg, Roland Kaiser, Maite Kelly ging es bei ihm nicht.

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Da war der Verstorbene textsicher wie kein anderer. Kein Wunder, schließlich blieb sein Radio auch bei Autofahrten oder beim Chillen in seiner kleinen Garage nie leise, was ihm leider manchmal auch den Zorn der Anwohner bescherte. „Aber so war er eben, mein Sohn“, sagt Monika Berkholz, die nach seiner Beerdigung am vergangenen Sonnabend erst langsam realisiert, dass sie nun allein auf ihrem Hof ist. Die Urne ihres Jüngsten wurde neben dem Sarg seines vor zwölf Jahren gestorbenen Vaters in die Erde gelassen. Da er dessen Verlust nie hatte verkraften können, ist Monika Berkholz sicher, dass das die richtige Entscheidung war.

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