Ihren 53. Geburtstag konnte Beatrice Köhler-Giermann am 16. Januar noch daheim mit Partner Mike Brablec feiern. Wenige Ta
Ihren 53. Geburtstag konnte Beatrice Köhler-Giermann am 16. Januar noch daheim mit Partner Mike Brablec feiern. Wenige Tage später sei sie friedlich eingeschlafen, sagt die Familie. privat
In der Wohnung erinnert alles an die große Liebe, die viel zu schnell zu Ende war.
In der Wohnung erinnert alles an die große Liebe, die viel zu schnell zu Ende war. Privat
Im August 2021 kam die Patientin zum letzten Mal in ihre Heimatstadt Prenzlau, bereits von der Krankheit gezeichnet.
Im August 2021 kam die Patientin zum letzten Mal in ihre Heimatstadt Prenzlau, bereits von der Krankheit gezeichnet. Claudia Marsal
Als dieses Bild mit ihrer Tochter entstand, war die Welt noch in Ordnung.
Als dieses Bild mit ihrer Tochter entstand, war die Welt noch in Ordnung. Privat
Dreifache Mutter stirbt

53-Jährige verliert Kampf gegen Magenkrebs

Was wird aus der Tochter und dem pflegebedürftigen Sohn? Diese Sorge trieb Beatrice Köhler-Giermann vor dem Tod um. Ihr ältester Junge gab ein Versprechen.
Prenzlau

2021 hatte ihr Jahr werden sollen. Nach langer Arbeitslosigkeit war Beatrice Köhler-Giermann endlich wieder in Beschäftigung gekommen. Die dreifache Mutter ging in der Firma ihres Ältesten putzen und in einer Cateringfirma den Köchen zur Hand. „In beiden Stellen ist sie total aufgeblüht”, erinnert sich Sohn Tony zurück. Auch die Termine beim Tätowierer waren schon gemacht. Die 53-Jährige hatte vor, mit bunten Schmetterlingen die dicken Narben zu verdecken, die die Hautstraffung am Bauch und an den Oberarmen hinterlassen hatte. „Unsere Zukunftspläne waren so voll gepackt”, denkt Lebensgefährte Mike Brablec zurück: „Eine neue Küche stand auf dem Plan, auch einen Fernseher wollten wir uns kaufen.”

+++ Dreifach-Mama kämpft zum zweiten Mal um ihr Leben +++

Doch das alles war plötzlich nichtig, als nach einem Arztbesuch eine grausame Wahrheit im Raum stand. Die gebürtige Prenzlauerin war an Magenkrebs erkrankt. „Das Schlimme daran war der zusätzliche Befall des Bauchfells”, konstatierte die schwerkranke Patientin bei einem Interview mit dem Uckermark Kurier im August letzten Jahres. Da hatte sie ihre letzte Reise in die alte Heimat angetreten, bereits mit acht Litern Wasser im Bauch an – eine Folge der Metastasen. Sie wollte unbedingt noch einmal ihre Mutter sehen, die in der Kreisstadt lebt. Die Heimfahrt nach Schweinfurt gestaltete sich dann bereits schwierig, blickt ihr Partner zurück: „Danach musste Beatrice ständig in die Klinik. Die Chemos haben sie sehr geschwächt, doch sie wollte nicht aufgeben.” Noch in der vergangenen Woche hätten sie gehofft, dass die schwerkranke Patientin es schaffen würde, räumt Sohn Tony ein: „Da lag sie aber schon auf der Palliativstation, weil die Ärzte mit ihrem Latein am Ende waren und nur noch die Morphiumdosis erhöhen konnten.”

In Frieden gegangen

Die Familie wechselte sich in dieser letzten Etappe mit Besuchen ab. Am Tag ihres Todes war Mike Brablec kaum durch die Tür, als seine Lebensgefährtin ihre letzten Atemzüge tat. „Ich habe ihre Hand gehalten, dann ist sie friedlich eingeschlafen. Mir war fast so, als ob sie nur noch abgewartet hatte, dass jemand bei ihr sitzt, damit sie in Frieden gehen kann”, berichtet der 56-Jährige unter Tränen.

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Er ist froh, dass er in diesem Moment bei ihr sein konnte, auch wenn der Metallfachbarbeiter bis heute nicht begreifen kann, dass sie nicht mehr auf dieser Welt ist. Schließlich meinte er vor fünf Jahren, endlich die Frau getroffen zu haben, mit der er sich vorstellen konnte, alt zu werden. Doch das sollte nicht sein. So geht es auch den Söhnen Toni (29), Oliver (23) und dem Nesthäkchen Emily (17), die immer noch fassungslos sind. Vor allem das Schicksal ihrer jüngsten beiden Kinder war es, das Beatrice Köhler-Giermann den Abschied so schwer machte. „Ich habe ihr am Totenbett versprochen, dass ich mich um die beiden kümmern werde”, versichert ihr Ältester: „Meine Schwester wird bis zum Erreichen des 18. Lebensjahres noch bei ihrem leiblichen Papa bleiben. Danach zieht sie zu mir, so wie Oliver, der aufgrund einer Krankheit einen besonderen Betreuungsbedarf hat.”

Bruder sorgt für Familie

Für die Großfamilie sucht der 29-Jährige mit seinem Lebensgefährten jetzt schon eine größere Wohnung, „besser wäre sogar noch ein Haus, denn Emily hat auch schon einen Freund, der gern bei uns leben möchte.” Tony Kasch ist sicher, dass das seiner Mama sehr gefallen würde. Die Familie hat entschieden, die Tote am 26. Januar um 14 Uhr aufbahren zu lassen, damit alle, die sich zu Lebzeiten nicht verabschieden konnten, noch einmal die Gelegenheit dazu haben. „Sie hat sich außerdem gewünscht, dass bei der Beerdigung niemand schwarz trägt, sondern dass alle Leute mit bunten Sachen kommen. Am besten mit Schmetterlingen drauf, denn dieses Motiv hat meine Mutti über alles geliebt.” Bei ihrem letzten Besuch in Prenzlau hatte die dreifache Mutter sich noch den typischen Schwanen-Schmuck gekauft, der wird ihr jetzt mit ins Grab gegeben, denn die alte Heimat trug sie bis zuletzt im Herzen. Die Beerdigung findet am 3. Februar am 14.45 Uhr am Hauptfriedhof Schweinfurt statt. Die Familie würde sich freuen, wenn ihr viele Menschen das letzte Geleit geben.

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