SENSATIONELLER FUND

7000 Jahre alte Spuren bei Prenzlau entdeckt

Bei Arbeiten für das neue Bürogebäude der Enertrag AG fanden Archäologen Knochen, die auf eine Besiedlung vor langer Zeit hinweisen.
Mathias Scherfling Mathias Scherfling
Bei Ausschachtungsarbeiten für das neue Bürogebäude der Enertrag AG fand man Spuren früherer Besiedlung.
Bei Ausschachtungsarbeiten für das neue Bürogebäude der Enertrag AG fand man Spuren früherer Besiedlung. Enertrag AG
Dauerthal.

Einen bislang unbekannten archäologischen Fundplatz haben Bauarbeiter auf dem Areal, auf dem das neue Bürogebäude des Energieunternehmens Enertrag im uckermärkischen Dauerthal entstehen wird, gefunden. Ausgangspunkt für den neuen Fund sei ein großer schwarzer Flecken Erde gewesen, der den Archäologen sagte, dass es hier Eingrabungen aus älterer Zeit gebe.

Spuren einer frühen Besiedlung gefunden

Die Firma Martin Wurzel Archäologie und Umwelttechnik GmbH führte seit Mitte September auf dem Baugrundstück Untersuchungen durch. Zwei Wochen legten Holger Schmitt und seine Kollegen auf einer rund 30 Quadratmeter großen Fläche Schicht um Schicht der Erde frei, bargen Scherben, Knochen, Überreste alter Werkzeuge. Ziemlich schnell sei klar gewesen, dass es sich um Spuren einer Besiedlung handelte.

Archäologische Sensation

„Das schließen wir aus den Überresten von mit eingeritzten Bändern verzierten Gefäßen.” Nach dieser sehr speziellen Keramik sei diese Epoche Bandkeramik benannt worden, so Holger Schmitt. Was für den Laien relativ unspektakulär wirken mag, ist für Holger Schmitt wie auch Dr. Matthias Schulz, Mitarbeiter bei der Unteren Denkmalschutzbehörde beim Landkreis Uckermark, eine Sensation. „Es gibt aus der besagten Zeit 5000 vor Christus relativ wenige ausgegrabene Fundstellen, die von einer längeren Zeit der Besiedlung sprechen”, erläuterte Matthias Schulz.

Knochen von AuerochsenEinige Tage vermuteten die Archäologen, dass sie auf ein Wohngebäude gestoßen seien. Nach zwei Wochen Arbeit glaubt Schmitt jedoch, dass es sich um ein teils überdachtes Areal mit Zerlege-Gruben, einer Art Schlachthof, handelte. „Wir haben auffällig viele Unterkieferknochen von Auerochsen oder domestizierten Rindern gefunden.” Interessant sei in diesem Zusammenhang der Fund mehrerer sogenannter Mahltröge und Reibsteine, welche auf die Herstellung von Mehl aus zuvor angebautem Getreide hinweisen, was für eine gewisse Sesshaftigkeit sprechen würde, informierte der Mitarbeiter der unteren Denkmalschutzbehörde.

Verzierte Keramik weist auf den Orient

Neben den gefundenen Knochen und Steingeräten faszinierten die Fachleute vor allem die Überbleibsel an schön verzierten Tonscherben. „Das ist Keramik der allerbesten Qualität. Sie ist dünnwandig, hart gebrannt und oft schön verziert. Eine solche Qualität wird erst 5000 Jahre später wieder erreicht. Die ersten Bauern kamen aus dem Orient, so die Vermutung. Das war damals sowohl eine Zeit der Völkerwanderung, als auch des Technologietransfers”, ließ Schmitt wissen.

Funde kommen ins Landesdenkmalamt Nachdem Holger Schmitt und seine Leute von der Martin Wurzel Archäologie und Umwelttechnik GmbH die Fundstelle verlassen haben, folgt nun die Auswertung. Dabei werden in Potsdam unter anderem die Funde sorgsam gereinigt und inventarisiert. Am Ende entsteht eine Dokumentation, deren ausführliche Ausgabe an das Landesdenkmalamt geht. Wenn es dann ein Forschungsprojekt zu diesem Thema gibt, könnten die Funde aus Dauerthal eine wichtige Rolle spielen.

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