CORONA-HILFE

80-jährige Prenzlauerin verschenkt das Symbol ihrer Liebe

Schweren Herzens trennt sich eine Prenzlauerin von ihrer Nähmaschine. Sie möchte Gutes tun, daran arbeiten mag sie nicht mehr. Zu groß ist der Schmerz.
Die Nähmaschine ist in einem einwandfreien Zustand. Wer sie haben möchte, kann sich in der Redaktion melden –
Die Nähmaschine ist in einem einwandfreien Zustand. Wer sie haben möchte, kann sich in der Redaktion melden – Telefon: 03984 864712 Claudia Marsal
Prenzlau.

Als Gerda S. (Name bekannt) vor fast fünf Jahrzehnten zum ersten Mal ihrem späteren Mann begegnete, schlug die Liebe ein wie ein Blitz. Schon nach der ersten gemeinsamen Dienstfahrt im Trabi gestand er ihr damals ein, dass er sie vom Fleck weg heiraten würde. Da war er noch ihr Chef und sie beide per Sie. Wider Erwarten fand die Mutter einer kleinen Tochter das gar nicht absurd – Wochen später machte das Paar bereits Nägel mit Köpfen. 47 Jahre lang gingen die zwei als Eheleute durch dick und dünn, gaben insgesamt vier Kindern in ihrer Patchworkfamilie ein liebevolles Zuhause.

„Er brachte zwei mit, ich eins – Nummer 4 kam noch gemeinsam dazu. Ich hätte es nie anders haben wollen”, blickt die 80-Jährige dankbar auf ihr Leben zurück. „Wir haben schöne Jahre gehabt, sehr, sehr schöne”, setzt die Seniorin nachdenklich hinzu. In ihrer Stimme schwingt Wehmut mit, denn 2017 fand das liebevolle Miteinander mit dem Tod ihres Mannes ein jähes Ende. Von einem Moment zum anderen stand Gerda S. plötzlich allein da. In den letzten drei Jahren verging kein Tag, an dem sie nicht an ihn gedacht hat.

In Gedanken bei ihm

Vermutlich nicht mal eine Stunde. Die Sehnsucht ist weiterhin so groß, dass sie bei Wind und Wetter in die Kleine Heide fährt, wo er im Friedwald begraben liegt. Neunmal hat die Rentnerin die Strecke in diesem Jahr sogar schon mit dem Rad zurückgelegt, weil der Bus nicht mehr fährt. „Die Kinder schimpfen schon mit mir. Sie haben Angst, dass mir etwas passiert. Aber ich sage ihnen immer: 'Ihr könnt mich nicht aufhalten, ich muss zum Vati.'" An seiner Ruhestätte hält Gerda S. Zwiesprache mit ihm. Sie berichtet, was sie alles erlebt hat am Tag. Zurzeit drehen sich die Monologe meist um die Coronakrise. Die Entwicklung in der Welt macht der Witwe Angst. „Ich muss meine Sorgen einfach mit ihm teilen.”

Grüß Vati!

Gerda S. weiß, dass das vermutlich nur jemand verstehen kann, der ebenfalls einen lieben Menschen verloren hat. Ihre Kinder zeigen zum Glück Verständnis dafür. Jedes Telefonat endet mit der Bitte: ...und grüß uns den Vati!” Auch in der Wohnung gibt es bis heute viel, was die langjärige Bankmitarbeiterin an die gemeinsamen Jahre erinnert. Dazu gehört eine Nähmaschine, die ihr besonders viel bedeutet, weil sie einst nur für einen einzigen Zweck angeschafft worden war: „Mein Mann war ein bisschen kleiner als ich, und ich musste oft seine Hosen kürzen. Zu mehr habe ich sie nicht gebraucht.” Nach seinem Tod hat sie sich nicht wieder an die Nähmaschine setzen können. Deshalb möchte die Prenzlauerin sie jetzt für einen guten Zweck spenden. „Ich habe in der Zeitung gelesen, dass vielerorts Schutzmasken genäht werden. Vielleicht kann ich damit helfen.” Das wäre gewiss im Sinne ihres verstorbenen Mannes, der eine Seele von Mensch war, ist die Seniorin überzeugt.

Interessenten können sich in der Redaktion des Uckermark Kurier melden, dort steht das gute Stück jetzt nämlich schon.

Telefon: 03984 864712

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