Marianne Gerling ist vielen als Vereinsvorsitzende von Topfit ein Begriff.
Marianne Gerling ist vielen als Vereinsvorsitzende von Topfit ein Begriff. Claudia Marsal
Der Laie kann kaum ermessen, wie viel Arbeit das macht.
Der Laie kann kaum ermessen, wie viel Arbeit das macht. Claudia Marsal
Auch hübsche Häkeltiere entstehen für die Enkel.
Auch hübsche Häkeltiere entstehen für die Enkel. Claudia Marsal
Dieses Kunstwerk hat viel Zeit in Anspruch genommen.
Dieses Kunstwerk hat viel Zeit in Anspruch genommen. Claudia Marsal
Stresskiller Handarbeit

Abends häkelt sich Prenzlauerin Ärger von der Seele

Marianne Gerling ist ein Wirbelwind. Zur Ruhe kommt die sportliche Prenzlauerin nur, wenn sie Nadeln in den Händen hält.
Prenzlau

Als Chefin des Vereins „Topfit“ kann Marianne Gerling über Langeweile nicht klagen. Seit 22 Jahren schon mischt die diplomierte Musikpädagogin den Freizeitsport in Prenzlau auf. Die Mitgliederzahl des „Topfit“ ist im Laufe der Zeit auf weit über 400  empor geschnellt. „Wir wachsen, obwohl wir nicht einmal an Wettbewerben teilnehmen. Alles ist ‚just for fun‘“, erklärt die 61-Jährige, die die meiste Zeit in der Turnhalle oder auf dem Sportplatz anzutreffen ist.

Zeit zum Verschnaufen bleibt da wenig. Selbst wenn die Kreisstädterin abends zur Ruhe kommt, hält sie zwar die Beine, aber nicht die Hände still. Marianne Gerling ist eine begnadete Handarbeiterin. Beim Häkeln und Stricken kann sie entspannen. Begonnen hat sie bereits im Alter von sechs Jahren, erzählt die Prenzlauerin. Immer zur Seite war dabei die Oma. „Erst entstand ein Schal für meine Puppen, später dann Mini-Bekleidung“, berichtet Marianne Gerling stolz.

Hübsche Röcke

Die dreifache Mutter ist sich sicher, dass zu DDR-Zeiten viele junge Leute während der Lehre oder im Studium – so wie sie – im Zug gestrickt haben. Von 1974 bis 1979 tuckerte sie regelmäßig von Pasewalk nach Schwerin. „Sieben Stunden brauchte ich mit dem ‚Milchbankexpress‘, das hat geschafft...“ Als ihre Töchter noch klein waren, strickte sie ihnen hübsche Röcke und Kleider. „Manchmal wurde auch genäht, weil das einfacher war, als darauf zu bauen, dass man im Handel etwas Schickes ergatterte.“ Aber als die drei den Kinderschuhen entwachsen war, gab es erstmal eine sehr lange Handarbeitspause.

Kleine Häkeltiere

Seit ein paar Jahren ist er nun wieder da, der Spaß am Häkeln. „Es nimmt Sachen aus dem Kopf, deswegen ist es auch gut, dass die fertigen Stücke nicht ‚reden‘ können“, merkt die Prenzlauerin lachend an: „Spaß machen die Stücke, die als Geschenk weggehen und zum Beispiel von den Enkeln innig geliebt werden. Kleine Häkeltiere dauern ein Wochenende. Ich häkle gern abends und dann lange. Bei großen Stücken gehen auch mal vier bis sechs Wochenenden drauf. Decken oder Kissen werden so gearbeitet, dass man selbst zufrieden ist. Und manchmal gibt‘s auch UVO‘s, also unvollendete Objekte. Ich habe gerade eins zu liegen. Das braucht Zeit, und manchmal fehlt die Lust, es fertigzustellen oder aber die Geduld. Irgendwann ist die Zeit dafür reif.“ Marianne Gerling macht zwar nie Projekte mit anderen, sondern arbeitet stets allein an jedem Stück. „Aber wir haben eine Gruppe ‚Stricklieseln‘. Leider ist in diesem Herbst noch kein Treffen gewesen, vielleicht klappt es ab Januar – wir treffen uns zum Kaffee in einer Gaststätte zum Handarbeiten und Schwatzen.“

 

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