Eigentlich könnten vor dem Prenzlauer Bahnhof bis zu vier Taxen stehen. So sagt es jedenfalls das Schild an dieser Stelle
Eigentlich könnten vor dem Prenzlauer Bahnhof bis zu vier Taxen stehen. So sagt es jedenfalls das Schild an dieser Stelle. Doch meistens ist der Platz verwaist, oder es stehen andere Fahrzeuge in der Parkbucht. In der Kreisstadt ohne Voranmeldung ein Taxi zu bekommen, sei fast aussichtslos, beklagt Regina Möller. Claudia Marsal
Wer hat einen Tipp, wie Regina Möller an ein Taxi kommt?
Wer hat einen Tipp, wie Regina Möller an ein Taxi kommt? Privat
Aufgeschmissen ohne Auto

Acht Anrufe – und trotzdem kommt kein Taxi

Wer schlecht zu Fuß ist, hat in Prenzlau ein Problem. Denn auf Zuruf einen Mietwagen zu bestellen, das klappt nur selten, weiß Regina Möller.
Prenzlau

Immer diese Angst, nicht zu wissen, wie man heim kommt. Regina Möller hat sie fürchten gelernt. Die 66-Jährige ist krankheitsbedingt nur noch schlecht zu Fuß. Für weite Strecken muss die ehemalige Lehrerin den Stock nehmen, manchmal sogar den Rollator. Doch selbst damit traut sie sich den Heimweg in ihre Wohnung in der Schwedter Straße nicht mehr zu. „Vom Arzt oder Krankenhaus beispielsweise komme ich nur mit dem Auto zurück.” In Ermangelung eines eigenen Führerscheins muss sie mit solchen Touren aber immer andere behelligen. Weil die Kinder weit weg wohnen, ist guter Rat oft teuer.

+++ Opa sucht verzweifelt Nacht-Taxi für Enkelin +++

Zum Glück hat die schwer an Diabetes erkrankte Frau, die zudem unter Polyneuropathie und Lymphödem leidet, noch einen recht guten Draht zu ihrem geschiedenen Mann, mit dem sie nicht nur zwei Kinder, sondern auch einen vierjährigen Enkelsohn hat: „Von ihm wurde ich sogar schon ins Krankenhaus gefahren, aber immer in Anspruch nehmen kann und will ich seine Dienste ja auch nicht.” Lieber wäre ihr, sie könnte zum Telefon greifen und spontan ein Taxi rufen. „Doch das ist in Prenzlau schon lange nicht mehr möglich”, beklagt die Rentnerin, die in der Kreisstadt vor vielen Jahren Hilfsprojekte für Flüchtlinge mit entwickelt hat.

Verzweifelt beim Doktor

Erst kürzlich habe sie ganz verzweifelt im Vorzimmer eines Doktors gestanden und nach einer Fahrgelegenheit gesucht. „Sage und schreibe acht vergebliche Anrufe hat meine Bekannte getätigt”, bestätigte ihre Freundin Marion Deniz dem Uckermark Kurier: „Aber alle sagten ab, weil sie anderweitige Verpflichtungen wie Dialyse- und Kranken- sowie Schülerbeförderungsfahrten hatten.” Bei allem Verständnis für die schwierige Lage der Taxiunternehmen, denen natürlich zu gönnen sei, dass sie sichere Touren vorrangig bedienten, müssten sich die Verantwortlichen Gedanken machen, wie dieses Problem der meist alten und kranken Prenzlauer zu lösen sei. „Früher standen ja am Bahnhof viele Taxen, die man anrufen und an die Wunschadresse beordern konnte”, erinnert sich Regina Möller zurück. Doch das sei lange vorbei.

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„Sicher verdienen sie mit kurzen Strecken wie meinen nicht die Welt. Aber Kleinvieh macht doch auch Mist. Ich bin mir sicher, dass über den Tag viele kürzere Fahrten zusammenkommen würden, wenn sich herumspricht, dass das wieder möglich ist.”

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Der Uckermark Kurier hat in der Vergangenheit mit Fragen wie diesen wiederholt die Mietwagenfirmen der Stadt konfrontiert. Allesamt verwiesen sie auf die angespannte Lage in der Branche, die durch die Explosion bei den Kraftstoffpreisen nicht besser geworden ist. Jeder sehe zu, verbindliche Touren unter Dach und Fach zu bringen. Die meisten betonten aber auch, dass sie auch bereit seien, mal zwischendurch zu fahren. Nur müsse man dann eben im schlimmsten Fall fünf Anbieter und mehr kontaktieren. „Aber einer sollte immer zu finden sein”, so ihr Fazit.

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Kommentare (1)

Da ein Taxi letztendlich wohl der Lösung individueller Beförderungsaufgaben außerhalb des behördlich geregelten Bereiches der Personenbeförderung dienen soll, kann die Verwendung von Taxis für regelmäßig wiederkehrende Fahrten im Schüler- und Krankentransport nur als Mißbrauch der Einrichtung Taxi durch den Staat eingestuft werden.