POLITESSE GREIFT DURCH

Acht Knöllchen für Musikanten aus Mühlhof

Sie möchte keine „Extrawurst“, betont Stefanie Straßburg von den Schalmei-Musikanten aus Mühlhof. Doch das, was passierte, stimme sie traurig.
Heiko Schulze Heiko Schulze
Stefanie und Rüdiger Straßburg bei einem Auftritt auf dem Prenzlauer Stadtfest. Dabei tragen sie einiges an Gewichten mit si
Stefanie und Rüdiger Straßburg bei einem Auftritt auf dem Prenzlauer Stadtfest. Dabei tragen sie einiges an Gewichten mit sich herum: Die Pauke bringt es auf stolze 3,5 Kilo, das Doppelbariton sogar auf 13 Kilo. Diese wollen erst einmal zum Veranstaltungsort, während des Auftrittes und dann wieder zurück zum Fahrzeug getragen werden. Heiko Schulze
Während sie in unmittelbarer Nähe zum 70. Geburtstag eine Freude bereiteten, wurden die Mühlhofer Schalmeien-Musikanten auf
Während sie in unmittelbarer Nähe zum 70. Geburtstag eine Freude bereiteten, wurden die Mühlhofer Schalmeien-Musikanten auf dem Parkplatz in der Neubrandenburger Straße abkassiert. Privat
Die Schalmei-Musikanten bei ihrem Auftritt auf dem Fest in Röpersdorf.
Die Schalmei-Musikanten bei ihrem Auftritt auf dem Fest in Röpersdorf. Heiko Schulze
Prenzlau.

Rund 20 Schalmei-Musikanten aus Mühlhof bei Prenzlau waren nach einem anstregenden Arbeitstag ausgezogen, um in Prenzlau Edeltraut Köpcke mit einem Ständchen zum 70. Geburtstag zu erfreuen. Die Mieter aus der „Sonnenschein“-Wohnanlage in der Prenzlauer Klosterstraße hatten sie dafür engagiert.

Nach der Arbeit zum Auftritt

Die Musikanten strömten für diese Geburtstagsüberraschung nach der Arbeit aus Neubrandenburg, Ueckermünde, Bernau, Penkun, Warnitz, Wartin und Prenzlau herbei, um sich auf dem Netto-Parkplatz in der Neubrandenburger Straße zu treffen.

Nachlässigkeit rächt sich

„Treffen, schnell umziehen, die Instrumente schnappen und zum Auftritt in unmittelbarer Nähe flitzen – das war alles eins“, so Stefanie Straßburg vom Vereinsvorstand. Keiner dachte in diesem Moment daran, die Parkscheiben hinter die Windschutzscheiben zu legen.

Diese Nachlässigkeit sollte sich rächen. fast zeitgleich, als die Musikanten in wenigen Metern Entfernung zum ersten Geburtstagsständchen aufspielten, zückte eine Politesse ihren Block und verteilte Knöllchen hinter die Scheibenwischer der „Musikanten-Karren“. Insgedsamt acht zu je zehn Euro. Die Gage für den halbstündigen Auftritt floss so statt in die Vereins- in die Stadtkasse.

Zu sehen und zu hören

Stefanie Straßburg zahlte bereits am nächsten Tag den Betrag bar im Prenzlauer Ordnungsamt in voller Höhe ein. Sicher liege die Schuld der Misere bei den Musikanten, dennoch stimme sie das harte Durchgreifen traurig, da ein Großteil der Pkw durch großflächige Aufkleber als Fahrzeuge der Schalmei-Musikanten zu erkennen und deren Auftritt auch am Parkpaltz wohl nicht zu überhören gewesen sei.

Eine Stunde äußerst knapp

„In Prenzlau gibt es kaum Parkplätze, die nicht auf eine Stunde begrenzt sind. Mit unseren teils sehr schweren Instrumenten können wir vor unseren Auftritten auch keine große Strecken zu Fuß zurücklegen, auch zeitlich nicht“, schildert Stefanie Straßburg. Ein üblicher Auftritt auf Festen, auch gerne von der Stadt Prenzlau gebucht, dauere durchaus eine Stunde. Im Jahr 2018 waren die Musikanten 96 mal gebucht worden. Mit notwendiger Vor- und Nachbereitung, Aus- und Einpacken reiche in diesen Fällen eine Parkzeit von maximal einer Stunde erst recht nicht aus.

Hoffen auf Lösung

„Wir wollen keine ‚Extrawurst‘ und wenn ich privat die Parkscheibe vergesse, ärgere ich mich über mich und zahle selbstverständlich ohne Diskussion. Doch wir treten als Musikanten auf, um andere in fröhliche Laune zu versetzen. Für solche Fälle muss sich doch eine Lösung finden lassen“, hofft Stefanie Straßburg auf den 7. August. Dann soll die Thematik noch einmal an einem Tisch mit Matthias Schmidt, Ordnungsamtsleiter der Stadt Prenzlau, besprochen werden.

 

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