Umstrittenes Trinkexperiment
Alkohol in der Schule eine Schnapsidee?

Ein Trinkexperiment mit Alkohol unter Teenagern an einer uckermärkischen Schule sorgte für Irritationen.
Ein Trinkexperiment mit Alkohol unter Teenagern an einer uckermärkischen Schule sorgte für Irritationen.
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Ein Suchtpräventionsprojekt an einer uckermärkischen Schule hat für Aufregung gesorgt. Projektverantwortlicher Carsten Schroeder klärt auf.

In einer uckermärkischen Schule sollen 15- und 16-Jährige unter Aufsicht Alkohol trinken dürfen. Das geht aus einer Einverständniserklärung für ein Trinkexperiment, zu dem die Eltern zustimmen sollten. Dahinter verbirgt sich ein Präventionsprojekt zum Umgang mit Alkohol. Einzelne Eltern und Großeltern hatten sich im Nachgang entsetzt gezeigt, dass Teenagern in der Schule Alkohol angeboten wird und sei es nur in einem Test.


Diese Einverständniserklärung sollten Eltern unterzeichnen. (Foto: Privat)

Projektverantwortlicher Carsten Schroeder von der überregionalen Suchtpräventionsfachstelle des Landes Brandenburg an der Salus Klinik Lindow hat am Donnertag bedauert, dass es zu Irritationen um ein Suchtpräventionsprojekt an einer uckermärkischen Schule gekommen ist. Auf einem Informationsabend hatte er Eltern das Projekt „Lieber schlau als blau” detailliert vorgestellt. Dazu gehört auch das Trinkexperiment mit Neuntklässlern.

Wissenschaftlich begleitet

Das Alkoholpräventionsprogramm gebe es seit 2008 und werde vom Land Brandenburg gefördert. Es verfolge bundesweit einen neuen Präventionsansatz. Entstanden ist es laut Schroeder in einer Situation, als sich Fälle von Koma- und Flatrate-Saufen häuften. Die Wirksamkeit des Konzepts sei Mitte 2012 wissenschaftlich mit einer Evaluationsstudie durch das Institut für Therapieforschung Nord in Kiel geprüft worden. Demnach hat sich die Anzahl der Nichttrinker nach dem Trinkexperiment deutlich erhöht. Jugendliche, die an dem Programm teilnahmen, trinken später deutlich weniger als andere.

Teilnahme ist freiwillig

In dem Programm sollen Jugendliche in abgesichertem Rahmen unter Aufsicht erste Trinkerfahrungen machen und damit Risiko- und Konsumkompetenz erlangen. Die Teilnahme an dem Projekt sei freiwillig, Eltern können selbst entscheiden, ob ihre Kinder beim dem Trinkexperiment mitmachen. Die Trinkmenge ist begrenzt und ist vergleichbar mit maximal zwei Flaschen Bier.

Kommentare (1)

Da wird auf einer Elternversammlung von einer für Suchtrehabilitation renommierten Klinik ein Projekt vorgestellt. An diesem Tag wurden sicher kaum Fragen gestellt oder (man kennt das ja) Eltern glänzten durch Abwesenheit. Dann gibt es eine Einverständniserklärung, bei der sehr wohl auch "nein" gekreuzt werden darf, und trotzdem wird gleich aufgeschrieen. Diese Kinder haben alle ihre Jugendweihe oder Konfirmation schon hinter sich und wurden dort auch, dem Anlass entsprechend zum Trinken animiert. Wenn es unter Aufsicht und Anleitung von Fachleuten geschieht ist es dann gleich verwerflich.