Amy kann sich nichts Schöneres vorstellen, als ihr Lämmchen mit der Flasche großzuziehen. Das bewahrt das klei
Amy kann sich nichts Schöneres vorstellen, als ihr Lämmchen mit der Flasche großzuziehen. Das bewahrt das kleine Schaf später auch vor der Schlachtung, versicherte die Mama des Mädchens: „Das brächten wir nicht übers Herz.“ Privat
Das Lämmchen kuschelt mit der vierbeinigen Ziehmutter, die leider keine Milch hat.
Das Lämmchen kuschelt mit der vierbeinigen Ziehmutter, die leider keine Milch hat. Privat
Die kleine Herde lebt in Wollin.
Die kleine Herde lebt in Wollin. Privat
Sinnloser Tod

Amy päppelt verwaistes Lämmchen auf

Schafbaby Frieda hätte noch eine Mutter haben können, wenn diese nicht von Passanten wegen Fotos ständig gefüttert worden wäre. So aber starb die Aue.
Wollin

Die Geschichte über die kleine Frieda ist ein Lehrstück über Achtlosigkeit und darüber, was ein unbedachter Mensch alles anrichten kann. Davon berichtet hat dem Uckermark Kurier Simone Döhring. Die Tochter unserer Leserin lebt seit fünf Jahren in Wollin und hält auf dem Gelände der ehemaligen Gaststätte des Ortes neben zwei Hunden, einer Katze und vier Hühnern auch Schafe. Auf die Idee dazu kam ihr Partner David Teske.

+++ Lämmchen überlebt ohne Mutter +++

Der 40-Jährige hatte sich vor sieben Jahren in das riesige Objekt verliebt und entschieden, dass er Vierbeiner braucht, um den Rasen auf den über 8000 Quadratmetern Land kurz zu halten. Bei seiner 35-jährigen Lebenspartnerin lief der gelernte Installateur mit dieser Idee sofort offene Türen ein. Auch die beiden kleinen Töchter waren hellauf begeistert, vor allem die fast vierjährige Amy. So weit so gut. Aber dann nahm ein Drama seinen Lauf: Am 20. März wurde das erste Lamm der kleinen Kamerun-Herde geboren. Die Familie taufte es Frieda und war guter Dinge, dass es zu einem hübschen Schaf heranwächst. Doch wenig später erkrankte die Mama des Tierbabys schwer. Seit dem 13. April konnte die Aue plötzlich nicht mehr stehen.

Nicht mehr gesäugt

„Sie knickte mit den Vorderbeinen weg“, erinnert sich ihr Halter: „Der Tierarzt gab ihr Infusionen und Schmerzmittel, und wir hatten eigentlich Hoffnung, dass sie sich erholt und wieder um ihren Nachwuchs kümmern kann.“ In der Zwischenzeit sollten sie das Lämmchen auf Anraten des Veterinärs aber mit einer speziellen Milchnahrung per Flasche füttern. „Das war nötig, denn wir erlebten ja mit, dass die Aue das Kleine zum Säugen nicht mehr an sich heran ließ.“

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Frieda tat sich bei der ersten Fütterung per Hand zwar schwer. „Aber schon ab dem nächsten Tag klappte es prima“, blickt der Besitzer zurück. Dreimal am Tag standen nun Flaschenmahlzeiten an. Und die, die sich danach drängelte, war zum Erstaunen aller Amy. „Sie ist zwar absolut tierlieb und stets draußen auf dem Hof. Aber dass sie mit so viel Umsicht und Verantwortungsbewusstsein agiert, hat uns echt überrascht und verdammt stolz gemacht“, staunt Mama Christin. Die Altenpflegehelferin freut sich riesig, dass ihre Jüngste so achtsam ist. Schwester Nele würde den Part zwar auch gern übernehmen, aber die Achtjährige habe das Nachsehen, weil die Kleine so eifrig ist, setzt die zweifache Mutter schmunzelnd hinzu.

Menschliche Unterstützung

Frieda wird, so wie es aussieht, auch weiterhin auf menschliche Unterstützung angewiesen sein, obwohl es auf dem Hof eine zweite Aue gibt. Diese hatte am 1. April Zwillinge bekommen. Doch beide Lämmer starben. Das erste gleich, das zweite ganz plötzlich nach vier Tagen. Auch diesem Muttertier ging es nach der Geburt sehr schlecht.

Abermals holte David Teske den Tierarzt, woraufhin Vitamine und Antibiotika verabreicht wurden und das Schaf genas. Die Mutter der verstorbenen Zwillinge nahm ab diesem Moment sogar die kleine Frieda als ihr eigenes Kind an. Sie hatte aber leider keine Milch mehr. Die Schafhalter machen für das Drama ihre Mitmenschen verantwortlich: „Wir hatten uns schon lange gewundert, dass im Kot der später verstorbenen Frieda-Mutter ständig Körner waren. Von uns bekam sie die nicht. Aber wir beobachteten später, dass ständig Radfahrer und auch Fußgänger anhielten und unsere Tiere anfütterten, damit sie mit ihnen am Zaun schöne Fotos machen konnten.“

Christin Döhring geht deshalb mit folgendem Appell an die Öffentlichkeit: „Bitte füttert keine fremden Tiere. Das kann unter Umständen tödlich sein.“

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