WASSERNOT

Angler befürchten Fischsterben in Dedelow

Sie warnen immer lauter, doch die Angler haben wenig Hoffnung, dass das Gewässer noch zu retten ist. Chef Karsten Steinfurth klagt: Es interessiert niemanden.
Die Angelkähne liegen auf dem Trockenen.
Die Angelkähne liegen auf dem Trockenen. Claudia Marsal
Prenzlau ·

Im Herbst 2020 hatten Arbeiten am Stausee Dedelow für einen Aufschrei der Angler gesorgt, der Uckermark Kurier berichtete. Damals war an der dortigen Talsperre eine Maßnahme zur Gefahrenabwehr durchgeführt worden, weil ein Dammbruch – so die Befürchtung des Eigentümers – verheerende Folgen für Dedelow und Prenzlau hätte haben können. Im Zuge dessen machte sich eine drastische Wasserstandabsenkung erforderlich. Das zuständige Landesumweltamt versprach, am Ende den Pegel wieder auf das frühere Niveau anzuheben. „Doch das scheint nicht geklappt zu haben”, schimpft Angler Christian Schwalenberg, der entsetzt die zunehmende Verlandung des Gewässers registriert.

Der See kippt

„Sollte es weiter so warm bleiben, wird der See kippen”, malt der Uckermärker bewusst schwarz: „Es fehlt einfach der Sauerstoff.” Er mag sich gar nicht ausmalen, was das für den Fischbestand bedeutet und fordert die Verantwortlichen auf, tätig zu werden. " Dem schließt sich Karsten Steinfurth, Chef des Anglervereins Dedelow, an: „Wenn hier nichts passiert, wird es ein großes Fischsterben geben.” Er hat allerdings wenig Hoffnung, dass das noch verhindert werden kann: „Es interessiert einfach niemanden.”

Wenig öffentliches Interesses

Karsten Steinfurth bedauert: "Leider besteht offensichtlich wenig öffentliches Interesse, den See zu erhalten und damit ein über Jahre entstandenes Biotop zu schützen. Auch wenn der Stausee, der 2021 - ebenso wie der Dedelower Anglerverein sein 50-jähriges Bestehen hat - dem Grunde nach eine künstlich geschaffenes Gewässer ist und strengen wasserbaulichen Vorgaben unterliegt, ist die offensichtlich Ignoranz der Verantwortlichen hinsichtlich des Natur und Umweltschutz für uns Angler inakzeptabel und widerstrebt dem gemeinnützigen Zwecke unseres Vereins. Wo anderswo schwere Investitionen für den Neubau von z.b. Krötentunneln, Amphibienschutzanlagen, Wildbrücken usw getätigt werden, scheint hier die Aufgabe bzw. Zerstörung bestehender Lebensräume toleriert zu werden." Sollte die Entwicklung des Sees durch den künstlich gehaltenen Niedrigwasserstand sich so fortsetzten, werde mit dessen Verschwinden in absehbarer Zeit auch der Anglerverein seiner Auflösung in Erwägung ziehen. "Schade, da gerade innerhalb der letzten vier Jahre das Vereinsleben wieder deutlich Zuspruch fand, und viele sehr engagierte Mitglieder jede Menge Arbeit in die Pflege des Gewässers investiert haben. Leider sind uns als Angler, die ja nur das Fischereirecht gepachtet haben, hier die Hände gebunden. In vorangegangene Gesprächen mit dem LfU war trotz der damaligen Aussage, den Wasserstand wieder anzuheben, wenig Aussicht auf einen dauerhaften Erhalt des Gewässers zu erfahren."

Kaum Erfolgsaussichten

Ohne Frage, so Steinfurth, stehe der sicherheitstechnische Aspekt im Vordergrund und die Gefahrenabwehr sollte höchste Priorität haben: "Enttäuschend ist jedoch, dass es von seitens des Landesumweltamtes keine erkennbaren Ansätze zu alternativen Lösungen gibt. Die Belange der Anwohner und Nutzer des Stausee finden hier keine Beachtung. In Zeiten von akuter Wasserknappheit sollte man über die Ressource Wasser wesentlich weitsichtiger nachdenken und die Möglichkeiten der Speicherung durch den Stausee wesentlich nachhaltiger betrachten. Sollte der See bald nicht mehr als solches vorhanden sein, stirbt mit dem Gewässer auch ein großes Stück Lebensqualität für die Anwohner, des ohnehin strukturschwachen Dorfes." Abschließend sagt der Vereinschef: "Bewegen wird der Artikel vermutlich nichts, außer dass der öffentliche Focus einen Augenblick lang nochmal auf das Thema gelenkt wird."

Es gibt leider wenig Erfolgsaussichten, wie wir durch wiederholte Kontakte zu den Verantwortlichen feststellen mussten. Auch wenn unsere meisten Vereinsmitglieder das so noch nicht wahrhaben wollen , bleibt uns nur von "unseren Stausee" langsam zu verabschieden. Für die jüngeren mobilen Angler ist das auch lange nicht so problematisch ,wie für die älteren Mitglieder. Viele haben ihr Leben lang am Stauses geangelt und werden  ein großes Stück Heimat verlieren. Das geht mir als gebürtigem Dedelower nicht anders. Auch wenn es nicht meine persönliche Art ist, die Flinte schnell ins Korn zu werfen, so muss man doch den Tatsachen ins Auge blicken und sollte rechtzeitig nach Alternativen Ausschau halten.

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Kommentare (2)

Er ist wahrlich ein Kleinod. Er stellt auch keine Gefahr für Dedelow geschweige Prenzlau dar. Die Verseuchung unserer Felder mit Windkrafträdern und das Nutzen von Trinkwasser für die Industrie sind viel gefährlichere und falsche politische Entscheidungen und ,,,,Nicht,,,, nachhaltig!

See spielt in der Politik und Wirtschaft einfach keine Rolle.Mich wundert das die Grünen und der BUND sich darum noch nicht gekümmert haben.Haben ja auch genug mit den Wahlen zu erledigen.Kann nur sagen Wasser predigen und Wein saufen.Da sind alle Politiker gleich.Erst was versprechen und dann von nichts mehr wissen.