ENGPASS BEI ARZNEI

Apotheken gehen die Medikamente aus

Viele Arznei-Hersteller haben aktuell Lieferschwierigkeiten. Ein Ende ist nach Ansicht des Prenzlauer Apothekers Michael Kranz nicht in Sicht.
Claudia Marsal Claudia Marsal
Der Engpass zieht sich durch alle Hersteller und Wirkstoffe.
Der Engpass zieht sich durch alle Hersteller und Wirkstoffe. Friso Gentsch
Apotheker Michael Kranz
Apotheker Michael Kranz Claudia Marsal
Prenzlau.

Apotheker Michael Kranz ist seit 2004 im Beruf. Aber so einen Engpass bei Medikamenten, wie er aktuell besteht, hat der Prenzlauer noch nie erlebt. „Momentan stehen über 200 Arzneimittel auf der 'Defektliste', das bedeutet, dass die Hersteller sie nicht liefern können”, erklärt der Inhaber der „Grünen Apotheke”. Er ist mit seinem Team in dieser Woche in die Offensive gegangen und hat den Missstand öffentlich gemacht: „Wir wollen uns an dieser Stelle für die daraus resultierenden Unannehmlichkeiten entschuldigen, auch wenn weder die Ärzte noch wir Apotheker etwas dafür können.” Einer der Gründe ist seiner Meinung nach definitiv die Sparpolitik, die dazu geführt habe, dass die meisten Hersteller mittlerweile in Fernost produzieren lassen.

Niedriges Preisniveau

„Außerdem herrscht in Deutschland durch die Rabattverträge ein eher niedriges Preisniveau für verschreibungspflichtige Arzneimittel. Dadurch verkaufen die Hersteller die Restbestände natürlich lieber in europäische Nachbarländer, wo sie mehr Geld bekommen”, ist der Kreistädter überzeugt: „Es wird Zeit für die Politik, hier einzugreifen und die ordnungsgemäße Belieferung auch für Deutschland zu garantieren.” Gefragt, bei welchen Medikamenten der Engpass besonders gravierend sei, sagt Kranz, dass mittlerweile ganz viele Wirkstoffe und Hersteller betroffen sind: „Das geht wirklich querbeer, angefangen von Schmerzmitteln bis hin zu Blutdrucksenkern.”

Viele Patienten schon umgestellt

Besonders akut stelle sich die Lage aktuell beim Wirkstoff Valsartan dar, führt der Apotheker weiter aus: „Ich schätze mal, dass circa 80 Prozent der Patienten schon auf andere Wirkstoffe umgestellt worden sind, weil ein Ende der Knappheit nicht absehbar ist.” Selbst bei Alternativpräparaten gerate man streckenweise schon an die Grenze, weiß Michael Kranz. Er manifestiert abschließend deshalb die Forderung, dass die Politik endlich Steuerungsmaßnahmen ergreifen müsse. „Die Patienten sind verunsichert. Man muss den Menschen aufzeigen, wie das jetzt weitergehen soll.”

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