GROßELTERN ÜBERRASCHT

Auf dem Trecker geschah das Wunder (Video)

Carolin Kurzeia liebt ihre Großeltern über alles, vor allem den kranken Opa. Damit dieser wieder genesen kann, bereitete ihr Mann eine Überraschung vor.
Claudia Marsal Claudia Marsal
Trotz seiner schweren Erkrankung kletterte Friedhelm Hinrich mit Urenkel Collin sofort auf den restaurierten Famulus.
Trotz seiner schweren Erkrankung kletterte Friedhelm Hinrich mit Urenkel Collin sofort auf den restaurierten Famulus. Claudia Marsal
Prenzlau.

Carolin Kurzeia ist immer ein Oma-und-Opa-Kind gewesen. Von kleinauf schon habe sie viel Zeit bei den Großeltern verbracht, erinnert sich die 30-Jährige zurück: „Meine Eltern mussten nämlich viel arbeiten und wussten mich dort dann gut betreut.“ Bis heute kann die Dedelowerin das mittlerweile in die Jahre gekommenen Paar in jeder Lebenslage anrufen und um Rat fragen, darüber ist die junge Frau sehr dankbar: „Es ist nicht selbstverständlich, dass man seine Großeltern so lange hat.“

Andersherum sei es aber genauso, versichert Oma Hannelore Hinrich im Gespräch mit dem Uckermark Kurier. „Die Carolin ist ein echter Goldschatz“, spart die 68-Jährige nicht mit Lob für die Enkelin. Als in diesem Jahr die Goldene Hochzeit der Großeltern anstand, war deshalb auch schnell klar, wer das Gros der Vorbereitungen übernimmt. Der Rest der Verwandtschaft assistierte natürlich.

Kapelle und Kutsche organisiert

Dass neben Kutschfahrt und Auftritt der Schalmeien-Kapelle aus Mühlhof auch noch eine Extra-Überraschung für den Opa anstand, ahnte allerdings fast niemand. Still und heimlich hatten Carolin Kurzeia und ihr Schatz Tobias bei sich daheim daran getüftelt. „Die größte Aktie an dem Geschenk hat zweifelsfrei mein Mann“, verriet die zweifache Mutter am Tag, als endlich der Schleier gelüftet wurde.

Er habe vor fünf Jahren den schrottreifen Traktor des Großvaters zu sich auf den Hof nach Dedelow geholt. Friedhelm Hinrich ahnte nicht, dass der Schwiegerenkel seitdem jede freie Minute bei der Restauration des Famulus verbrachte. „Das war eine Heidenarbeit“, blickt der 31-Jährige zurück: „Der Anfangszustand war wirklich erbärmlich. Ich musste fast jedes Teil anfassen beziehungsweise erneuern“, beschreibt der Landmaschinenschlosser die Sisyphusarbeit.

Der kleine Sohn half

Zum Glück habe er mit Tony Kurzeia und seinem Sohn Collin einen fleißigen Helfer gehabt. Der Zehnjährige packte oft mit an, wenn der Papa an der Überraschung für seinen Uropa bastelte. Auch die kleine Schwester Kim (3) kam oft in die Scheune und wusste Bescheid. Aber selbst sie hielt dicht bis zum Donnerstagnachmittag dieser Woche. Da rollte der knallrote Traktor namens Friedolin nämlich – unbemerkt vom Jubelpaar – vor das Dorfbegegnungshaus in Nieden, wo die Goldene Hochzeit gefeiert wurde. Der 71-jährige Ehemann spitzte sofort die Ohren, als er die vertrauten Knattergeräusche hörte. „Das ist ja mein 36er“, seufzte er wenig später auf dem Hof. Keine zwei Minuten später saß der ehemalige Agrotechniker auf dem Bock. Den musste er sich allerdings mit Collin teilen, der dem Urgroßvater danach nicht mehr von der Seite wich.

Mit Tränen in den Augen

Ideengeberin Carolin Kurzeia stand derweil mit tränengefüllten Augen am Rand und hielt das Ereignis im Video fest. Dass ihr Opa so schnell auf den Famulus klettern würde, hatte sie zwar gehofft. Aufgrund der Vielzahl seiner Gebrechen und der erst kürzlich überstandenen zweiten Krebserkrankung sei das aber eher unwahrscheinlich gewesen, ist ihr bewusst.

„Aber ich habe gleich gesagt: Wenn Opa wieder auf seinem Traktor sitzt, kommt alles in Ordnung.“ Pläne, was er damit nun anfangen wird, gibt es jedenfalls schon genug. Der pensionierte Landwirt bewirtschaftet noch einige Ackerflächen. Er braucht den Famulus zum Pflügen, Drillen und Kartoffeln anbauen. Diese Pläne lösten bei der Familie ein kollektives Aufatmen aus. „Es ist so schön, dass er wieder nach vorne blickt“, war später an der Festtafel ganz oft zu hören. Darauf, dass Hannelore und Friedhelm Hinrich noch lange gesund bleiben, hoffen auch die beiden Kinder von Carolin Kurzeia. „Collin und Kim leben auf ihrem Hof nämlich meine Kindheit nochmal nach“, bestätigt diese.

Rumtoben in der Scheune

Mit all den schönen Dingen, die das Landleben bei Großeltern so mit sich bringt: Kuchenbacken mit der Oma, Eier aus dem Hühnerstall holen mit dem Opa, faulenzen auf der Wiese, rumtoben in der Scheune.

„Ich kann bis heute nicht in Worte fassen, wie viel ich meinen Großeltern zu verdanken habe“, sagt die Enkelin zum Schluss dem Uckermark Kurier. Aber eins sei klar, ohne deren Fürsorge und Liebe wäre sie nicht zu dem Mensch gereift, der sie heute ist. „Sie haben mich gelehrt, was die wichtigen Dinge im Leben sind und was bedingungsloses Vertrauen ist. Ich bin ihnen für jede einzelne Minute, die ich in ihrer Nähe sein dürfte, dankbar und hoffe natürlich, dass noch ganz viele folgen werden.“

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