Reise in die Vergangenheit
Auf Spurensuche nach verbotener Liebe

Leonid Kolomijez war von 1965 bis 1972 in Prenzlau stationiert. Dort hatte er ein Liebesverhältnis zu einer Musiklehrerin, die er gerne wiedersehen würde.
Leonid Kolomijez war von 1965 bis 1972 in Prenzlau stationiert. Dort hatte er ein Liebesverhältnis zu einer Musiklehrerin, die er gerne wiedersehen würde.
Kai Horstmann

Der Ukrainer Leonid Kolomijez sucht nach einer Musiklehrerin aus der Uckermark. Als Sowjetsoldat hatte er sie vor mehr als 47 Jahren kennen und lieben gelernt.

Leonid Kolomijez hatte vor wenigen Tagen die Stadt Prenzlau besucht. Er war aus der Ukraine angereist, um sich auf die Suche zu machen nach dem, was ihn im Alter von 73 Jahren noch immer bewegte. „Ich bin auf der Suche nach einer Frau, die ich hier kennenlernte“, sagte er. Von 1965 bis 1972 war der Ukrainer in Prenzlau stationiert, erst als Soldat, dann als Unteroffizier der Sowjetarmee. In dieser Zeit war er Mitglied des Orchesters gewesen, hatte mit Begeisterung Trompete gespielt.

Schwangerschaft beim Abschied gestanden

Als Musiker sei er herumgekommen im Altkreis Prenzlau. „Wir spielten oft in den Dörfern.“ Und so lernte er bei einer Schulveranstaltung Erika kennen. Sie war Musiklehrerin, sprach nur wenig Russisch, er wenig Deutsch, weshalb auch ihre Freundin, eine Russischlehrerin, bei der Verständigung half. „Erika wohnte in einem Haus mit zwei Eingängen und drei Etagen, direkt gegenüber einer Bushaltestelle“, erinnerte er sich.

Zu jener Zeit waren persönliche Kontakte zwischen Sowjetarmisten und der Zivilbevölkerung strengstens verboten. „Hätte jemand erfahren, dass ich mich aufs Moped setze, um mich beim Ausgang mit Erika zu treffen, wäre ich binnen 24 Stunden in die Heimat zurückgeschickt worden“, sagte er bedauernd. Aber natürlich sei der Zeitpunkt gekommen, an dem er nach Ablauf seiner Dienstzeit zurückgeschickt werden sollte, und da habe sie ihm gestanden, dass sie schwanger sei.

Reise ohne Visum unmöglich

„Ich bin hierher gekommen, um zu erfahren, was geschehen ist. Habe ich einen Sohn oder eine Tochter hier in Deutschland? Ich weiß es nicht“, sagt der nach dem Krieg selbst vaterlos aufgewachsene Ukrainer. „Ich wollte, dass Erika mit mir nach Kiew kommt, schrieb ihr auch, erhielt aber keine Antwort mehr. Als ich drei Jahre später verheiratet war, kam eine Sendung aus Deutschland. Neben Noten fand er ein Foto mit einem Teddybären darauf.

Nun habe er sich endlich aufgemacht, in Prenzlau nachzuforschen, weil es ihm keine Ruhe ließe. Auf die Frage, warum das erst nach 45 Jahren geschehe, hatte er folgende Antwort: „Eine Reise nach Deutschland schien lange Zeit unmöglich. Es war schwer, ein Visum zu bekommen, ohne Beziehungen und ohne Einladung – unmöglich. Jetzt bin ich Rentner, habe mir als Wächter was dazuverdient für die Reise, die durch den visafreien Verkehr aus der Ukraine nach Westeuropa möglich geworden ist.“

Enttäuschendes Ergebnis

Könnten nach so langer Zeit noch Spuren zu finden sein, die zu Erika führen? Leonid Kolomijetz glaubte sich genau zu erinnern, dass der Weg zu dieser von der Tankstelle in Richtung Fürstenwerder abzweigte und dass er nur kurz war. Seine Suche in den Dörfern links und rechts dieser Straße führte jedoch ins Dunkel. In Klinkow leuchteten seine Augen beim Anblick der Altneubauten aus den 1960er Jahren auf. Genau so ein Haus sei es gewesen. Doch leider fand er nicht das vor, was ihm in Erinnerung geblieben war.

„Ich werde wohl nicht noch einmal zurückkehren nach Prenzlau“ erklärte er. Aber er werde ein Gläschen trinken „auf den Schmerz“ und hoffen, dass sich mit der Veröffentlichung seiner Geschichte noch irgendjemand melden könnte, der etwas weiß.

Kontakt über 03984 864712

Kommentare (1)

Leonid suchte nach fast 50 Jahren in Deutschland nach der Liebe seines Lebens. Doch er konnte sie nicht wiederfinden. Das Leben ist eine Tragödie für die, die fühlen, und eine Komödie für die, die denken.