Der Militärische Abschirmdienst hat eine Untersuchung gegen den Uckermärker AfD-Politiker Hannes Gnauck eingeleitet. Der Vorwurf: „Fehlende Verfassungstreue”.
Der Militärische Abschirmdienst hat eine Untersuchung gegen den Uckermärker AfD-Politiker Hannes Gnauck eingeleitet. Der Vorwurf: „Fehlende Verfassungstreue”. NK-Kombo / Archiv
Verfassungstreue angezweifelt

Aus bei der Bundeswehr für Uckermärker AfD-Politiker?

Gegen den Kreistagsabgeordneten Hannes Gnauck läuft ein Disziplinarverfahren. Das könnte ihn seinen beruflichen Job kosten.
Uckermark

Der Militärische Abschirmdienst (MAD) hat den Vorsitzenden der AfD-Fraktion im Kreistag Uckermark Hannes Gnauck als „Fall mit fehlender Verfassungstreue“ eingestuft. Wie der Uckermark Kurier aus Sicherheitskreisen erfuhr, läuft derzeit ein Disziplinarverfahren gegen den gebürtigen Prenzlauer. Den Informationen zufolge wurde Gnauck in die Kategorie „Orange“ eingeordnet. Das bedeutet: fehlende Verfassungstreue, ohne dass eine Bereitschaft zu politischer Gewalt hinzukommen muss. Ziel ist bei einer solchen Einstufung normalerweise eine Entfernung aus der Bundeswehr.

Junge Alternative schon länger Verdachtsfall

Damit könnte Gnauck zu den ersten AfD-Abgeordneten in Brandenburg gehören, die aufgrund ihrer Parteizugehörigkeit berufliche Schwierigkeiten bekommen. Das Potsdamer Innenministerium hatte am Montag den gesamten AfD-Landesverband Brandenburg als rechtsextremistischen Verdachtsfall eingestuft, der parteinahe Cottbusser Verein „Zukunft Heimat“ wird bereits als „gesichert rechtsextremistisch“ geführt. Schon Anfang 2019 waren die AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative“ (JA) und der völkisch-nationale Flügel der Partei durch das Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextreme Verdachtsfälle eingeordnet worden. Gnaucks Überprüfung durch den MAD dürfte mit seinem Engagement in der Jungen Alternative zusammenhängen: Er ist „JA-Botschafter“ für die Landkreise Uckermark und Barnim und Schriftführer im JA-Landesvorstand.

Weg vor ein ziviles Gericht möglich

Gnauck steht derzeit noch als Zeitsoldat im Rang eines Oberfeldwebels bei der Bundeswehr im Dienst. Im Zuge seiner Einstufung in die Kategorie „Orange” wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Dem AfD-Abgeordneten steht im Fall eines Rausschmisses noch der Weg an ein ziviles Gericht frei. Dem Uckermark Kurier erklärte Gnauck, dass er aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit sowie einem anschließenden Fraktionstreffen am Dienstag noch keine Stellungnahme zu den Vorgängen geben könne.

Gastbeitrag beim „Compact”-Magazin

Hannes Gnauck verpflichtete sich 2014 als Soldat auf Zeit bei der Bundeswehr. In einem Gastbeitrag für das Magazin „Compact“, das seit diesem Frühjahr ebenfalls vom Verfassungsschutz beobachtet wird, hatte Gnauck bereits Anfang April eingeräumt, von „zwei netten Kameraden“ des MAD befragt worden zu sein. Das „Verhör“ habe rund vier Wochen vor seinem geplanten Auslandseinsatz in Afghanistan stattgefunden. Es dauerte laut Gnauck etwa viereinhalb Stunden. „Worum es in diesem Gespräch im Detail ging, möchte ich hier nicht ausführen. Ich kann nur sagen: die angenehmsten Stunden meines Lebens waren es nicht“, so Gnauck.

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