Brigitte Kutning (links) nahm Jutta Surau mit offenen Armen in der Hausgemeinschaft auf. Seitdem sind sie unzertrennlich.
Brigitte Kutning (links) nahm Jutta Surau mit offenen Armen in der Hausgemeinschaft auf. Seitdem sind sie unzertrennlich. Claudia Marsal
Beate Lompa (links) weiß, dass Rosemarie Amrotzek eine Seele von Mensch ist.
Beate Lompa (links) weiß, dass Rosemarie Amrotzek eine Seele von Mensch ist. Claudia Marsal
Als Diana Ströhlein nach Prenzlau zog, gehörte Fred Stein zu den ersten Helfern.
Als Diana Ströhlein nach Prenzlau zog, gehörte Fred Stein zu den ersten Helfern. Claudia Marsal
René Stüpmann (rechts) und Hendrik Sommer überreichten Geschenke und Blumen.
René Stüpmann (rechts) und Hendrik Sommer überreichten Geschenke und Blumen. Claudia Marsal
Vermieter erzählt

Aus Nachbarn müssen keine Feinde werden

Hausgemeinschaften machen meist erst dann Schlagzeilen, wenn Unfrieden herrscht. Dass das zum Glück nicht überall so ist, zeigen diese Beispiele aus Prenzlau.
Prenzlau

Wenn Jutta Surau verreist, dann muss sie sich weder um das Überleben ihrer Zimmerpflanzen noch um das Wohl ihres Hundes Gedanken machen. Die 68-Jährige bringt einfach den Wohnungsschlüssel zur Nachbarin und kann losfahren. Denn sie weiß ihr Heim bei Brigitta Kutning in guten Händen. Die 78-Jährige wohnte schon in der Dr. Wilhelm-Külz-Straße, als die Jüngere vor acht Jahren dorthin zog.

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„Wir hatten trotz des Altersunterschiedes sofort einen gute Draht zueinander, vermutlich auch, weil Brigitta so junggeblieben und unternehmungslustig ist.“ Inzwischen sind die beiden sogar Freundinnen geworden, die viel zusammen machen. Das ließen die zwei Damen auch ihren Vermieter, die Wohnbau GmbH, wissen.

Geschenk vom Vermieter

Deren Geschäftsführer René Stüpmann hatte die Mieterschaft 2022 wieder dazu aufgerufen, nette Nachbarn zu benennen, um diesen im Rahmen einer kleinen Festveranstaltung eine Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Gemeldet hatte sich daraufhin auch Diana Ströhlein, wohnhaft am Georg-Dreke-Ring 15. Sie ist vor einem Jahr mit ihrem Mann Christian und dem 15-jährigen Kind aus der Schweiz zurück nach Prenzlau gezogen.

+++ „Schützen Quartier“ nimmt Gestalt an +++  

Und dass bei der Eingewöhnung in der alten Heimat alles so gut klappte, hat die kleine Familie vornehmlich Birgit und Fred Stein zu verdanken. Die beiden Nachbarn waren die ersten in der Hausgemeinschaft, die die Ströhleins aufs Herzlichste willkommen hießen. Längst sind die fünf per Du miteinander und froh, dass sich so eine schöne Beziehung entwickelt hat. Die junge Callcenter-Mitarbeiterin schätzt nicht nur die vielen guten Tipps der Älteren, sondern auch, „dass sie stets ohne Murren unsere Pakete entgegen nehmen. Wo hat man das denn noch?“

Keine netten Schweizer

Von ihrem Intermezzo bei den Schweizern wüssten sie schließlich, dass man nicht automatisch überall willkommen ist, erklärte Diana Ströhlein dem Uckermark Kurier: „Alle stellen sich das Leben dort so wunderbar vor, aber glauben Sie mir, dass ist es nicht.“ Von guter Nachbarschaft profitieren auch alle, die bei Rosemarie Amrotzek in der Rosa-Luxemburg-Straße 18 wohnen. Das weiß auch Beate Lompa, weil Rosemarie Amrotzek ihre Schwiegermutter Herta Lompa betreut. Deshalb schlug sie die Prenzlauerin für den dritten Preis der Wohnbau GmbH vor:  „Sie kümmert sich rund um die Uhr um andere und hat wirklich mal ein Dankeschön verdient.“ Alle drei, zuvor schriftlich eingegangenen Bewerbungen überzeugten letztlich den Vermieter, so dass in der vergangenen Woche die Preisübergabe vonstatten ging. René Stüpmann betonte dabei, dass das moderne Zusammenleben in Hausgemeinschaften leider immer distanzierter und anonymer werde.

Viele Konflikte

„Oft wird nicht mehr miteinander, sondern nur noch übereinander gesprochen. Und entsprechend unversöhnlich werden dann Konflikte ausgetragen. Das ist schade.“ Umso glücklicher sei er über jeden Hinweis darauf, dass es noch funktionierende Hausgemeinschaften gebe, so der Geschäftsführer im Beisein der Presse: „Hilfsbereitschaft ist so wichtig, vor allem, wenn man auf engem Raum miteinander lebt.“ Mit eingeladen hatte er Prenzlaus Bürgermeister Hendrik Sommer (parteilos), der ebenfalls herausstellte, wie wichtig ein gutes Miteinander sei. In Vorbereitung des „Tages der Nachbarschaft“, der am 29. Mai deutschlandweit begangen wird, rief das Stadtoberhaupt dazu auf, ihm weitere gute Nachbarn zu benennen, die eine Ehrung verdient haben.

 

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