Die Lebensmittelpreise sind ebenfalls explodiert. Unserer Autorin ist schleierhaft, wie Menschen mit kleinem Einkommen das noc
Die Lebensmittelpreise sind ebenfalls explodiert. Unserer Autorin ist schleierhaft, wie Menschen mit kleinem Einkommen das noch kompensieren. © zitze
Preisexplosion

Beginnt bald das große Tauschen?

Alles wird teurer. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wie das Menschen mit ganz kleinem Einkommen machen, ist Redakteurin Claudia Marsal schleierhaft.
Prenzlau

In Deutschland ist die Zeit des Verzichts angebrochen. Viele Menschen kommen mittlerweile mit weniger Wärme in der Wohnung aus, stellen ihre Körperpflege um, lassen das Auto öfter mal stehen und klemmen sich die geliebten Kinobesuche. Auch Abendessen im Restaurant, Urlaube und vieles mehr sind bei vielen Alleinstehenden oder auch Familien nicht mehr drin. Das große Sparen hat begonnen, denn die Angst vor der Verarmung geht um. Wie berechtigt die Sorgen sind, ist momentan noch gar nicht abschätzbar. Doch Experten sschlagen bereits Alarm, denn an der Preisexplosion im Lebensmittelbereich und an den Tankstellen sieht man bereits, wo die Reise hingeht.

+++ Inflation auf höchstem Stand seit Euro-Einführung +++

Was die Abschläge für Wasser, Gas und Strom anbelangt, dürfte das böse Erwachen bei vielen aber erst im nächsten Jahr kommen.

Die Armut in Deutschland hat laut dpa nach einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaflichten Instituts (WSI) im vergangenen Jahrzehnt deutlich zugenommen. Die Quote der sehr armen Menschen, die weniger als 50 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung haben, sei zwischen 2010 und 2019 um gut 40 Prozent gestiegen, berichtete das WSI laut Nachrichtenagentur im Verteilungsbericht 2022.

Armutslücke wächst

„Im Jahr 2019 waren so viele Menschen in Deutschland von Armut betroffen wie nie zuvor”, fassten die Autorinnen das Ergebnis der Studie für dpa zusammen. Die Armutslücke – also der Betrag der einem durchschnittlichen armen Haushalt fehlt, um rechnerisch die Armutsgrenze hinter sich zu lassen – sei von 2968 Euro im Jahr 2010 auf 3912 Euro im Jahr 2019 angewachsen.

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Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir wird aktuell immer mulmiger zumute, obwohl ich nicht zu den Geringverdienern zähle. Wie das Menschen mit ganz kleinem Einkommen momentan machen, ist mir echt schleierhaft.

Schwarzarbeit wahrscheinlich

Ich fühle mit allen, die für 10 bis 12 Euro am Fließband oder hinterm Tresen stehen beziehungsweise nach Jahrzehnten harter Arbeit nur Almosen haben. Deren Bezüge sind doch im Handumdrehen weg. Für den Stundenlohn bekommen sie ja nicht mal mehr drei „Coffee to go“, so sie sich diesen Luxus überhaupt je geleistet haben. Man muss kein Prophet sein, um zu erahnen, was die galoppierende Inflation mit sich bringen wird: Schwarzarbeit in ungeahntem Ausmaß.

Wie schon nach dem Krieg werden die Menschen wieder beginnen, Dienstleistungen und Waren zu tauschen. Was das anbelangt, sind wir Ossis vermutlich im Vorteil, denn das wurde vor der Wende in großem Stil praktiziert. Nicht, weil alles so teuer war, sondern weil es vieles nur selten oder unterm Ladentisch gab. Ich bin gespannt, wo wir damit landen.

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