Verkehrsinsel auf B198

Behörde verteidigt Gramzower Reifenkiller

Hunderte Reifen wurden seit der Freigabe der Verkehrsinsel auf der B198 in Gramzow bereits aufgeschlitzt. Der Landesbetrieb sieht keinen Handlungsbedarf.
Heiko Schulze Heiko Schulze
Der Radius der auslaufenden Straßenführung an der Verkehrsinsel, an der der Radweg Gramzow – Hohengüstow quert, ist in den Augen zahlreicher Verkehrsteilnehmer zu eng ausgeführt.
Der Radius der auslaufenden Straßenführung an der Verkehrsinsel, an der der Radweg Gramzow – Hohengüstow quert, ist in den Augen zahlreicher Verkehrsteilnehmer zu eng ausgeführt. Heiko Schulze
An diesen scharfen Granitkantensteinen, in mehreren Zentimetern Abstand zueinander verlegt, wurden seit Freigabe der Verkehrsinsel im August 2018 zahlreiche Fahrzeugreifen aufgeschlitzt.
An diesen scharfen Granitkantensteinen, in mehreren Zentimetern Abstand zueinander verlegt, wurden seit Freigabe der Verkehrsinsel im August 2018 zahlreiche Fahrzeugreifen aufgeschlitzt. Heiko Schulze
Schon wieder ist es passiert. Allein an einem Wochenende soll es zehn Fahrzeuge getroffen haben.
Schon wieder ist es passiert. Allein an einem Wochenende soll es zehn Fahrzeuge getroffen haben. Heiko Schulze
Reifendienste und ADAC haben gut zu tun.
Reifendienste und ADAC haben gut zu tun. Heiko Schulze
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Gramzow.

Die Verkehrsinsel auf der B198 an der Ortseinfahrt Gramzow, aus Richtung Hohengüstow kommend, hat es in sich. Die beim Bau verwendeten Granitkantensteine wurden scharfkantig belassen, in Abstand von mehreren Zentimetern zueinander, damit Regenwasser abfließen kann.

Selbst bei 50 km/h gefährlich

„Heutzutage so etwas mit solch scharfen Kanten zu bauen, ist eine ‚Sauerei“, schimpft nicht nur Herbert Drauschke. Eigentlich könnte sich der Gramzower, der einen Reifenservice im Ort betreibt, über diese „Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“, die ihm der Landesbetrieb für Straßenwesen seit August 2018 da bescherte, freuen. Macht er aber nicht. Aus seiner Sicht hätte es schon viel gebracht, die Straßenführung Richtung Gramzow einen halben Meter weiter gerade auslaufen zu lassen. „Selbst beim Einhalten der 50 km/h ist die Gefahr nicht gebannt. So empfiehlt er, diesem Bereich mit maximal 45 km/h zu durchfahren.

Viele Ortsunkundige betroffen

Der Gramzower Bau- und Ordnungsamtsleiterin Antje Lemmer bestätigt zahlreiche Beschwerden, die in den Monaten seit Einweihung am 28. August 2018 nicht abreißen würden. Vor allem Ortsunkundige seien betroffen. Die dabei entstehenden Schäden seien immens, doch das Amt könne selbst nichts machen. Die Zuständigkeit für die Bundesstraße liege beim Landesbetrieb Straßenwesen mit Sitz in Eberswalde. Das Ordnungsamt empfiehlt Geschädigten, sich an diesen Träger der Maßnahme zu wenden.

Nach allen Regeln der Kunst

Im Landesbetrieb selbst sieht man allerdings keinerlei Anlass, die gewählte Ausführung der „Reifenkiller“-Insel noch einmal zu überdenken, geschweige denn baulich zu verändern. Diese Verkehrsinsel und Radwegüberquerung sei „nach allen Regeln der Kunst“ geplant und gebaut worden, versichert Hans Jürgen Otte, Sachgebietsleiter Bauüberwachung im Landesbetrieb. Die Verantwortung für das muntere „Reifenstechen“ sieht er bei den Fahrzeuglenkern, die den Bereich zu schnell durchfahren und die Kurve schneiden würden.

Darauf angesprochen, dass es an keiner weiteren Verkehrsinsel im näheren und weiterem Umfeld solche Probleme gäbe, selbst wenn man etwas zu schnell fahre, betonte Otte: „Es gibt keine Gleichheit im Unrecht.“

Kommentare (4)

Die Sturrheit einiger Behördenmitarbeiter kann einem schon zur Weißglut bringen. Nachweislich haben sich an dieser Stelle schon viele Autofahrer die Reifen zerfahren. Es wird vermutet, das sie zu schnell unterwegs sind. Bewiesen ist das aber nicht. Schuld an den beschädigten Reifen sind doch wohl die scharfkantig verbauten Bordsteine. Damit stellen diese eine " e r h e b l i c h e " Gefahr da. Dann kommt auch noch die Logik des Bauüberwachers Otte dazu. Keine Gleichbehndlung im Unrecht. Ja was ist das denn? Das bedeutet doch, das andere Bauausführungen wo es keine zerfahrenen Reifen gibt zu " U n r e c h t" ausgeführt worden sind und deshalb die besagt Stelle nicht nachgebesert wird. Hut ab, da muss man erst mal drauf kommen. Es ist aber Aufgabe der Landesbehörde Gefahren zu beseitigen. Ergibt aus dem "Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung in Mecklenburg-Vorpommern (Sicherheits- und Ordnungsgesetz - SOG M-V) in der jetzt gültigen Fassung. Da sollte der Bauüberwacher einmal nachlesen. Als Hinweis noch: steht im § 1 SOG M-V.

In Gramzow hat das SOG M-V keine Gültigkeit, es liegt in Brandenburg.

Die abgebildete Streckenführung zeigt eines, hier waren keine Kunsthandwerker zugange. Zudem ist die Streckenbegrenzung billig zu nennen.

Sorry Dann nehmen wir das hier:Gesetz über die Aufgaben, Befugnisse, Organisation und Zuständigkeit der Polizei im Land Brandenburg (Brandenburgisches Polizeigesetz - BbgPolG) Ebenfalls §1. Aufgrund der Häufung von Unfällen wäre es sogar auf die Tagesordnung der Unfallkommission des Landkreises Uckermark zu setzen. Es ist nun mal deren Aufgabe Unfälle zu verhindern und die Verkehrssicherheit zu verbessern.