Landrätin Karina Dörk (links) und Bürgermeisterin Annekatrin Hoppe (rechts) im Gespräch mit Geschäfts
Landrätin Karina Dörk (links) und Bürgermeisterin Annekatrin Hoppe (rechts) im Gespräch mit Geschäftsführerin Joanna Hajnaj in der Produktionshalle von EPT Eva-Martina Weyer
Lagerhalle bei EPT mit Teilnehmern des Firmenbesuches
Lagerhalle bei EPT mit Teilnehmern des Firmenbesuches Eva-Martina Weyer
Erfinder Gunnar Zapf erläuterte Karina Dörk den neuartigen Aufbau eines Tankdaches.
Erfinder Gunnar Zapf erläuterte Karina Dörk den neuartigen Aufbau eines Tankdaches. Eva-Martina Weyer
Firmen

Bei Kurzarbeit springen Spitzenleute ab

Landrätin Karina Dörk besuchte zwei Firmen auf dem Gelände des PCK in Schwedt. Dabei ging es um die Folgen eines Embargos russischen Öls.
Schwedt

Welche Innovationskraft in Schwedter Firmen steckt, davon hat sich Landrätin Karina Dörk (CDU) ein Bild gemacht. Auf Einladung der Unternehmervereinigung Uckermark besuchte sie zwei Unternehmen, die sich als Dienstleister für PCK auf dem Raffineriegelände angesiedelt haben. Die Schwedter Bürgermeisterin Annekathrin Hoppe (SPD) war an der Seite der Landrätin. Alles, was auch nur entfernt mit PCK und dem angedrohten Ölembargo zu tun hat, eint die beiden Frauen. Sie hörten von patentreifen Lösungen und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Im Unternehmen EPT, dessen Abkürzung mit Umweltschutztechnik für Lagertanks übersetzt werden kann, hat eine Frau das Sagen. Die 30-jährige Joanna Hajnaj hat erkannt, dass einerseits zwar viel an Alternativen zu fossilen Brennstoffen geforscht wird. Andererseits ist die Welt wohl noch an die 20 Jahre auf Chemikalien und Erdöl angewiesen. Und diese lagern in riesigen Tanks, die von schwimmenden Dächern aus Stahl abgedichtet werden.

Stahl hat Nachteile: Er ist schwer und teuer. Die Schwimmdeckel oder -dächer brauchen eine regelmäßige Wartung und sind anfällig für undichte Stellen und Emissionen. Das ist schlecht, denn Raffinerien und andere Chemiebetriebe müssen hohe Umweltauflagen erfüllen. Die Dichtheit ist das A und O eines Tanks.

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„Es gab auf dem Markt keine Weiterentwicklung. Ich habe überlegt, wie man das Thema wirtschaftlich und ökologisch weiterdrehen kann. Hier habe ich meine Nische gesehen und 2017 EPT in München gegründet“, sagt Joanna Hajnaj. Inzwischen ist sie mit ihrer Firma auf PCK-Gelände gezogen. Dort hat EPT Schwimmdeckel aus glasfaserverstärktem Kunststoff entwickelt. Erfinder ist Gunnar Zapf, der in der Firma Chef für Innovation und Technik ist.

Die Schwimmdeckel von EPT werden aus mehreren Harz- und Glasfaserschichten gefertigt. Gunnar Zapf zählt die Vorteile auf: „Die Wartungskosten liegen bei null. Es gibt quasi keine Emissionen.“ Außerdem könne man durch die Vorfertigung der Dächer Bauzeiten reduzieren – ein Wettbewerbsvorteil für EPT.

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Scheinbar überraschend trifft PCK-Chef Ralf Schairer zu der Besuchergruppe und sagt: „Ich habe das Projekt nicht gekannt. Aber als ich es das erste Mal sah, war ich sofort überzeugt.“ Joanna Hajnaj ergänzt: „Das erste Dach hat PCK bekommen. Die Raffinerie Schwedt ist auf dem deutschen Markt Vorreiter und hat den Trend erkannt. Jetzt kommen alle anderen und wollen auch solche Schwimmdeckel. Sogar Firmen aus Singapur und Katar informieren sich über unser Produkt.“

Landrätin Karina Dörk reagierte prompt: „Wir nehmen Sie mit in die Taskforce zur Sicherung des PCK, damit die Bundesregierung weiß, was sie hier aufs Spiel setzt.“ Dörk wollte wissen, wie die aktuelle Situation für EPT ist und erfuhr, dass viele Projekte gestrichen wurden und der Umsatz zurückgeht. „Das ist bitter, denn unsere Mitarbeiter haben die Unsicherheit nicht verdient. Wir haben hier die innovativsten Leute auf der ganzen Welt. Aber die kriegt man mit Kurzarbeit nicht festgehalten“, weiß Joanna Hajnaj. „EPT wollte den deutschen Markt erobern. Doch durch die Situation rund um PCK schauen wir jetzt international, wie wir unsere Mitarbeiter sichern können. Bis Frühjahr 2023 haben wir noch Aufträge.“

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Das junge Schwedter Unternehmen hat fünf Jahre an der Technologie gearbeitet und sie mit allen gesetzlich vorgeschriebenen Dokumentationen und Zertifikaten marktreif gemacht. Jetzt stehen die Mitarbeiter vor einer völlig neuen Situation, die durch das Öl-Embargo heraufbeschworen wurde. „Wir sind weltweit einzigartig“, ist Joanna Hajnaj überzeugt. Die Entwicklung gibt ihr Recht. Preislich ist Stahl exorbitant in die Höhe geschossen. EPT kann Schwimmdeckel für Lagertanks viel günstiger herstellen.

Aktuelle Baustelle für EPT ist ein Chemiebetrieb in Köln. Dort ist ein Stahldach von 45 Metern Durchmesser eingesunken. Köln ist an der Schwedter Technologie interessiert und lässt sich gerade ein neues Schwimmdach aus glasfaserverstärktem Kunststoff bauen. Ende November soll es fertig sein. Der riesige Schwimmdeckel wurde außerhalb des Tanks in einem Zelt vorgefertigt. Das bringt Zeit- und Kostenersparnis für den Kölner Chemiebetrieb.

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Mit der PCK-Raffinerie eng verbunden ist auch die DSB Säurebau GmbH. Dort fertigen die Mitarbeiter geprüfte Dichtschicht-Systeme, die Bauten und Behälter gegen aggressive Substanzen schützen. Säurebau-Geschäftsführer Paul Scharfenstein stellte der Landrätin das Unternehmen vor: „Wir haben uns durch innovatives und kundenorientiertes Arbeiten zu einem marktführenden Unternehmen im Segment der Säurebau-Spezialleistungen entwickelt.“

Das Unternehmen fertigt unter anderem säurefeste, keramische Bodenbeläge sowie Beschichtungssysteme mit Eignung gemäß Wasserhaushaltsgesetz. Zum Einsatz kommen die Beläge zum Beispiel in Raffinerien und auf Fußböden für Großküchen.

 

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