UMSATZEINBRÜCHE

Bei Praxisinhaberin in Prenzlau wächst die Verzweiflung

Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen fürchten derzeit den Ruin. Weil kaum noch Patienten kommen, bleibt die Kasse leer.
Monika Nauschütz hat Angst um ihre Ergotherapie- und Heilpraxis in Prenzlau.
Monika Nauschütz hat Angst um ihre Ergotherapie- und Heilpraxis in Prenzlau. Claudia Marsal
Prenzlau.

Monika Nauschütz startete vor einem halben Jahr voller Elan in die Selbstständigkeit. Die Kreisstädterin mietete für ihre neue Ergotherapie- und Heilpraxis Gewerberäume in der Richard-Steinweg-Straße 5 an und stellte zwei Mitarbeiterinnen ein. Die Firma lief super – bis das Coronavirus auch ihren Traum ins Wanken brachte. Über Nacht brach Existenzangst über die 40-Jährige herein. Hauptproblem sind bis heute die vielen angstbegründeten Terminabsagen der Klienten. „Ich kann ja verstehen, dass sich alte Menschen oder Risikopatienten nicht mehr nach draußen wagen und auch keine Hausbesuche mehr möchten beziehungsweise Altenheime ihnen das untersagen“, zeigt sich die zweifache Mutter verständnisvoll.

Nur Notbetrieb

Schließlich betont auch sie, dass der Virus nicht zu unterschätzen sei und sich die Menschen an Abstandsregelungen und Kontaktverbote halten müssten. „Aber für meine Praxis bedeutet das aktuell einen totalen Einbruch.“ Momentan fährt die kleine medizinische Einrichtung nur noch im Notbetrieb.

Die beiden Angestellten werden in Kurzarbeit gehen müssen. Doch selbst das dürfte die Praxis nicht retten, wenn die coronabedingten Einschränkungen weiter andauern. Alle anderen Ausgaben wie Miete und so weiter laufen schließlich weiter – über 120 Quadratmeter in bester Innenstadtlage haben ihren Preis. „Man hat sich natürlich ein paar Rücklagen geschaffen, schließlich liefen die ersten Monate gut“, bilanziert Monika Nauschutz. Da ihre Branche aber nicht zu den gutbezahlten gehöre, seien die Reserven schnell aufgebraucht.

Kassen in Verantwortung

Sie sieht deshalb die Krankenkassen in der Verantwortung, in der jetzigen Lage Unterstützung zu geben. In der Praxis könnten das Pauschalzahlungen für abgesagte Termine sein, schlägt Monika Nauschütz vor. „Das Geld ist ja da und wäre, wenn die Situation normal wäre, auch ausgegeben worden“, begründet die Prenzlauerin ihren Vorstoß. Darüber hinaus würde sie sich wie Millionen andere Betroffene der Coronakrise sicher auch endlich das bedingungslose Grundeinkommen für jeden wünschen, stellt die Unternehmerin klar. „Damit würde nicht nur ich jetzt besser schlafen“, räumt sie ehrlich ein. Noch hat sie ihren Optimismus nicht ganz aufgegeben.

„Wie auch, dieser Beruf ist mein Leben. Ich kann mir nichts Anderes und auch nichts Schöneres vorstellen, als Menschen bei den verschiedensten Problemen zur Seite zu stehen. Ich will nur das tun.“ Die zertifizierte Hypnose-Masterin kümmert sich nicht nur um Schlaganfall- und Trauma-Patienten, sondern auch um Menschen mit Verhaltensauffälligkeiten, Schlafproblemen, Ernährungsschwierigkeiten und – in der jetzigen Lage immens wichtig – Ängsten.

Klienten in Not

„Ich höre zurzeit immer wieder, dass Klienten am Ende ihrer Kräfte sind und dringend unseren Beistand brauchen, um die Herausforderungen zu meistern“, schildert sie. Ihre Branche werde dringender denn je gebraucht.

Doch egal ob Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Logopäden oder Podologen – jetzt wackeln viele Existenzen. Die Verzweiflung wächst mit jedem Tag. Die selbsstständigen Praxisinhaber und deren Angestellte bringt das immer näher an den Rand des wirtschaftlichen Ruins. Sollten die Praxen aus finanziellen Gründen schließen müssen, wird dies auch in Prenzlau auf Dauer massive Versorgungsprobleme bringen, was am Ende allen Patienten schadet, weil es Heilungsprozesse verzögert oder unmöglich macht.

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