FITNESSBRANCHE

Bei Prenzlauer Studioinhabern liegen die Nerven blank

Geschäfte dürfen öffnen, bald auch Friseure und Kosmetiksalons – nur in der Fitnessbranche scheint sich nichts zu tun. Das ärgert die Betreiber sehr.
Bianca Erler hat viel Geld in ihr neues Studio investiert. Sie sorgt sich jetzt verständlicherweise.
Bianca Erler hat viel Geld in ihr neues Studio investiert. Sie sorgt sich jetzt verständlicherweise. Claudia Marsal
Personaltrainer Jonas Busch hadert mit der Zwangspause. Er sieht die Schuld auch bei den Politikern.
Personaltrainer Jonas Busch hadert mit der Zwangspause. Er sieht die Schuld auch bei den Politikern. privat
Prenzlau.

Personaltrainer Jonas Busch gehört zu den Leidtragenden der Corona-Krise. Der junge Inhaber zweier Studios hadert wie der Rest seiner Branche damit, dass von Mittwoch an kleine Läden wieder öffnen dürfen, die Friseure ab Mai ihre Scheren zur Hand nehmen können und selbst der Unterrichtsbeginn für die Kinder näher rückt. Der mit dem Existenzgründerpreis Uckermark/Barnim geehrte Selbstständige versichert, dass er die Normalisierung natürlich jedem Unternehmen und jeder Einrichtung gönne. Was er allerdings nicht versteht, ist, dass Fitness- und Gesundheitsstudios bis auf Weiteres geschlossen bleiben müssen, weil die Infektionsgefahr zu hoch sein soll...

Mangelnde Bewegung

„Aber weder in einem Buchladen noch im Lebensmittelgeschäft, in der Drogerie oder beim Friseur hat man die Möglichkeit, etwas für seine Gesundheit zu tun und das Immunsystem zu stärken, um die häufigste Todesursache, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einzudämmen; unter anderem ausgelöst durch Fehlernährung und mangelnde Bewegung und somit Auslöser für Diabetes Typ 2, welcher zur Risikogruppe von Corona führt”, heißt es in einem Post, den er auf seiner Facebookseite geteilt hat – gesehen bei Fitness-Guru Markus Gärtner und für gut befunden. Weiter ist dort zu lesen: „Warum haben so viele Angst vor dem Coronavirus oder einer Influenza, obwohl jedes Jahr circa 900.000 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, an Fettleibigkeit (75.000 Tote) und Folgeerkrankungen von Diabetes (50.000 Tote) ihr Leben verlieren?”

Immunsystem stärken

Jonas Busch zufolge sollte es in der Pandemie einmal mehr darum gehen, das Immunsystem zu stärken, um weniger anfällig für Viren wie Corona zu sein. Er ist überzeugt, dass jedes Studio die Möglichkeit hat, mit einer vorgegebenen Zahl von Trainierenden anhand der Quadratmeterzahl den Betrieb unter Beachtung des Mindestabstandes wieder aufzunehmen. Genügend Desinfektionsmittel und die Möglichkeit, seine Hände regelmäßig zu waschen, gebe es doch auch. Er gibt seinem Branchenkollegen Recht, der da sagt: „Wenn ich mir die meisten Politiker anschaue, dann würde ich behaupten, dass 80 Prozent keine Ahnung davon haben, was Fitness- und Gesundheitstraining überhaupt bewirken.”

Loyale Mitglieder

Auch bei Unternehmerin Bianca Erler liegen die Nerven momentan blank. Zum Glück habe sie, so die Prenzlauerin, viele loyale Mitglieder, die den Beitrag weiter bezahlten, weil sie auch nach Corona noch eine Trainingsstätte haben möchten. Quasi als Dank dafür werden sie momentan mit Videoanleitungen versorgt, aktuell noch frei zugänglich, ab Mai dann über einen mitgliederbeschränkten Link im Internet. Doch der Inhaberin des FitnessforUM ist klar, dass das keine Dauerlösung sein kann. „Ganz ehrlich, ich bin super enttäuscht, dass der Sport gar keine Lobby mehr zu haben scheint. Unsere Branche wird in den Pressekonferenzen nicht mal mehr erwähnt”, ärgert sich die Firmenchefin. Als sie vor elf Jahren mit ihrem Unternehmen gestartet sei, habe sie bei Null angefangen, resümiert Bianca Erler im Interview: „Aber ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich wieder mal bei Null ankomme.”

Miete weiter fällig

Doch darauf laufe es hinaus. Denn die Miete für ihre riesigen Trainingsbereiche und die Kredite für das neue Studioequipment seien natürlich trotz der zwangsverordneten Schließung weiter pünktlich fällig, rechnet sie vor: „Ich versuche, dieses Problem nicht zu nah an mich ranzulassen, denn es macht Angst.” Mit ihrem Team hofft die renommierte Trainerin inständig, dass es auch für Fitnesscenter bald Lockerungen gibt. „Wir haben im Studio genug Platz, um Abstandsvorschriften zu beachten, und clean ist es auch. Uns wäre aber auch schon geholfen, wenn das Training draußen wieder gestattet würde. Dann könnte man Kurse und Laufgruppen im Freien anbieten.”

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