CORONA-KOLUMNE

Beim Frisör fix „nackig” gemacht

Seit dieser Woche bekommt man wieder einen professionellen Haarschnitt im Salon. Doch der Preis ist hoch. Zu hoch – fragt sich Reporterin Claudia Marsal.
Die Salons haben wieder geöffnet – aber die Verbots- und Gebotslisten sind lang. Nicht nur Desinfektion wird geford
Die Salons haben wieder geöffnet – aber die Verbots- und Gebotslisten sind lang. Nicht nur Desinfektion wird gefordert, sondern auch die Preisgabe persönlicher Daten. Claudia Marsal
Prenzlau.

Es ist noch gar nicht so lange her, da trieb die neue Datenschutzverordnung der EU viele Menschen fast in den Wahnsinn. Bloß keine Informationen preisgeben – das war das oberste Gebot, an dem vor allem kleine Gewerbetreibende, Handwerker und Arztpraxen schier verzweifelten. Es wurde geschwärzt und geschreddert, was das Zeug hielt – nur um zu vermeiden, dass persönliche Angaben in falsche Hände gerieten.

Neue Kontaktlisten

Doch jetzt scheint die Coronakrise das alles außer Kraft gesetzt zu haben. Denn plötzlich werden wieder Daten erhoben auf Teufel komm‘ raus. Ein Beispiel sind die neuen Kontaktlisten, zu deren Führung Friseursalons verpflichtet sind. Ich habe schon mal einen Blick auf so einen Zettel werfen dürfen – alle Achtung: Bevor ich zur obligaten Haarwäsche platziert werde, muss ich mich datentechnisch nackig machen: Vorname, Name, Wohnort, Telefonnummer, Behandlungsbeginn und -ende. Oh ha. Mit ein bisschen Glück erspähe ich beim Eintragen sogar, was die Leute vor mir so an Informationen hinterlassen haben. Geht‘s noch? Ich mache den Friseuren keinen Vorwurf. Sie halten sich mehr oder weniger strikt an die Auflagen, die zur Bedingung für ihre Wiedereröffnung gemacht worden sind. Und sie sahen schon nach drei Tagen unter „Vollschutz“ beklagenswert aus. Von den gestressten Kunden ganz zu schweigen. Auch ich werde mich diesem Prozedere unterwerfen müssen, wenn ich möchte, dass meine Corona-Matte endlich runter kommt.

Gläserner Gast

Ob ich allerdings in absehbarer Zeit wieder ein Lokal betrete, weiß ich noch nicht. Denn auch in dieser Branche gibt es Ideen für Schutzkonzepte, wonach Wirte die Gästedaten erfassen müssen, das heißt Namen, Telefonnummern, Zeiten und Platzierungen. Diese Daten sollen 14 Tage aufbewahrt werden, damit sie bei einem eventuellen Ausbruch des Coronavirus den Behörden vorliegen. So will man Infektionsketten zurückverfolgen können. Ganz ehrlich, mir geht das mehr als einen Schritt zu weit. Was meinen Sie? Habe ich nur noch nicht den Ernst der Lage begriffen oder bahnen sich da tatsächlich gravierende Beschneidungen meiner Grundrechte an?

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Kommentare (8)

muss auf einzelnen Blättern erfolgen und für Au?enstehende nicht zugänglich sein - das die Daten zur Verfolgung der Infektionskette erhoben werden ist ok

Das geht nicht nur Ihnen zu weit. Es gibt übrigens ausser dem Coronoia-Virus auch noch andere Viren und Bakterien, die z.B. Tuberkulose, Grippe und andere Erkrankungen auslösen können. Führen wir für diese Erreger auch Listen ein? Fußpilz-Nachweis im Schwimmbad?

Wer jetzt noch glaubt, dass alle diese Maßnahmen zu unserem Schutz getroffen werden, der hat auch im Osten geglaubt, dass die Stasi nur für unsere Sicherheit agiert hat. Hier läuft ein ganz schräges Schauspiel ab, übrigens weltweit. Und wer ein bißchen über den Tellerand gucken kann, dem muss das einfach auffallen. In den USA werden Bestatter angewiesen, alle Toten als "Corona"-Tote zu deklarieren. Die Tests sind fehlerhaft. In Afrika wurde tatsächlich eine Papaya "Corona-positiv" getestet. Einfach googeln. Wir müssen aufwachen!

Und vor wenigen Jahren verstieß es gegen Datenschutz und Menschenwürde, jemanden auf sein ungefähres Alter testen zu wollen .
Aber ich muss Aufschrei lassen, wann ich wo mit wem in der Schänke war. Und ich mach das freiwillig?! Sparen sie sich die Silberlinge für die informellen Informanten.

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Solange die Daten einzeln und außschließlich von den Betreibern der Salons erfasst, aufbewahrt und anschließend vernichtet werden, sehe ich da kein Problem.
Zum Nachvollziehen der Infektionsketten kann es im Notfall auf jeden Fall sehr hilfreich sein.

Worauf man denke ich eher achten sollte ist ein genereller Umgang mit Daten im Netz.
Meine einfache Google Suche zu ihrem Namen Frau Marsal hat mir eine Adresse in Pasewalk, eine Mobilfunk- und eine Festnetznummer und sogar ein Geburtsdatum eingebracht.

Geht's noch? Die Frage sollte sich die Marsal selbst einmal stellen und dabei in den Spiegel schauen! Wer im Glashaus sitzt (und selbst keine Ahnung vom Datenschutz hat), sollte (öffentlich) nicht mit Steinen werfen, Frau Marsal! Das Sie das nicht wissen können, darf niemanden wundern. Beispiel(e) gefällig?
Ach ja, glauben Sie ernsthaft, es würde jemanden interessieren, was Sie im Zusammenhang mit der aktuellen Situation tun werden oder nicht tun werden? Sie nehmen sich mit diesem lächerlichen Artikel wie immer sehr wichtig und es gibt dafür absolut keinen Grund.

Danke Frau Marsal für ihren Artikel. Genauso ist es, sie schreiben das, was sehr viele Menschen und das nicht nur in MV ebenso denken.
Alle Branchen, die beschnitten wurden, werden das mehr oder weniger an der Kundschaft auslassen. Und sie werden alles tun, um zu verhindern, dass ihnen der Laden wieder geschlossen wird.
Und wenn die Friseure schriftlich festhalten sollen, ob der Kunde Haustiere hat und wie viele.....würden sie dieses auch nicht in Frage stellen.:-):-):-)

Sie haben sich selbst Ihre Frage beantwortet:
Sie haben nur noch nicht den Ernst der Lage begriffen!
Alles Andere ist m.E, Polemik.