PROTESTAKTION

Boitzenburg zeigt Flagge gegen Fahnen von Rechten

Wie zu Kaisers Zeiten weht in der Gemeinde das Symbol des Deutschen Reiches. Das passe nicht zu einer demokratischen Republik, so Kritiker.
Die Flaggen des früheren Deutschen Kaiserreiches (links oben) und des Königreiches Preußen (rechts oben) sorge
Die Flaggen des früheren Deutschen Kaiserreiches (links oben) und des Königreiches Preußen (rechts oben) sorgen in Boitzenburg für eine Kontroverse. Horst Skoupy
Kritiker der rechten Symbole halten mit den offiziellen Fahnen der Europäischen Union, der Bundesrepublik Deutschland und
Kritiker der rechten Symbole halten mit den offiziellen Fahnen der Europäischen Union, der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Brandenburg dagegen (von links nach rechts). Horst Skoupy
Boitzenburg.

In Boitzenburg ist ein Konflikt entbrannt. Ausgelöst hat ihn Tilo Bogumil, der in der Templiner Straße ein Eigenheim bewohnt. Er hat auf seinem Grundstück zwei Fahnenmasten aufgestellt, an denen nicht nur die Fahne des Landes Brandenburg und die blau-weiße pommersche Flagge mit rotem Greif im Wind flattern, sondern auch Fahnen des Deutschen Kaiserreiches und des Königreiches Preußen.

Bürgermeister spricht von Ärgernis

Versuche, gegen die Fahnen anzugehen, sind gescheitert. Das Verwenden der Flaggen sei nicht verboten, sagte Frank Zimmermann (parteilos), Bürgermeister der Gemeinde Boitzenburger Land. Auch baurechtlich gebe es keine Handhabe gegen das Aufstellen auf dem privaten Grundstück. Damit bleiben die Fahnen ein Ärgernis für Boitzenburg, werde doch der Bürgermeister immer wieder von Einheimischen und Gästen des touristisch geprägten Ortes mit den Fahnen konfrontiert.

Zeichen des Protests

Für Tilo Bogumil sind sie Ausdruck seines Protests. Eigenen Aussagen zufolge ist er mit der Politik der Bundesregierung und der Kanzlerin unzufrieden. Was ihn konkret stört, dazu will er öffentlich nichts sagen. Vorwürfen einer rechten Gesinnung tritt er jedoch entschieden entgegen. Die Fahnen, die bis 1918 beziehungsweise 1919 offizielle Staatsflaggen waren, hätten mit der Nazizeit nichts zu tun.

Ersatz für verfassungsfeindliche Symbole

Hans-Otto Reintsch sieht in den Fahnen allerdings eine Provokation. Der Rosenower, der von sich selbst sagt, ein bekennender Demokrat zu sein, habe sich während seiner Arbeit als freier Autor von Radioproduktionen auch mit Themen über Rechtsextremismus beschäftigt. Für viele Menschen seien diese Fahnen Ersatzsymbole für den Nationalsozialismus, weiß er. Einschätzungen der Polizei bestätigen das.

Flaggen entgegengesetzt

Und so startete er eine private Initiative, mit dem Ergebnis, dass genau gegenüber auf dem Parkplatz des Schlosses Boitzenburg jetzt die Fahren der Europäischen Union, der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Brandenburg wehen. Die Eigentümer des Schlosses, die nach Reintschs Aussagen selbst bereits von Gästen mit Fragen nach den Flaggen konfrontiert worden waren, hatten ihre Genehmigung für die drei Fahnen erteilt, die Reintsch auf eigen Kosten aufstellen ließ. Die Masten verbindet ein Spruchband mit der Aufschrift „Demokratie ist lernbar“.

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Kommentare (8)

Kein Fussbreit den Ewiggestrigen

darf er jede Fahne Aufhängen, die er will. Nur zwei Fahnen an einen Fahnenmast, das geht gar nicht!

auch wenn [entfernt, bitte halten Sie sich an die Netiquette, d. Red.] nicht wahrhaben will... Es ist nicht jede Fahne erlaubt. Hakenkreuzflaggen z B sind verboten...

Fehlt noch eine Regenbogenflagge und irgendwas mit Hammer und Sichel. Damit jeder gleich kapiert, wessen Verständnis von Demokratie hier erlernt werden soll.

...zB aus EU-Vater Coudenhove-Kalergi's Buch "Praktischer Idealismus". Da heißt es: "Heute ist Demokratie Fasse der Plutokratie: Weil die Völker nackte Plutokratie nicht dulden würden, wird ihnen die nominelle Macht überlassen, während die faktische Macht in den Händen der Plutokraten ruht. In republikanischen wie in monarchischen Demokratien sind die Staatsmänner Marionetten, die Kapitalisten die Drahtzieher: sie diktieren die Richtlinien der Politik, sie beherrschen durch Ankauf der öffentliche Meinung die Wähler, durch geschäftliche und gesellschaftliche Beziehungen die Minister."

Man kann froh sein, daß es Ewiggestrige wie Donald Trump oder Vladimir Putin gibt: Während der erstere im Beisein der demokratischen Kanzlerin der Republik im April 2018 Hoffnungen auf Frieden für Deutschland schürte, sprach der letztere bereits 2016 bei einem kanadischen Sender von der Rückgabe ostdeutscher Gebiete. Das lässt auf die internationale Völkergemeinschaft hoffen und vor allem darauf, dass die seit hundert Jahren begangenen Verbrechen endlich gerade gerückt werden: Aus Unrecht kann kein Recht entstehen - selbst dann nicht, wenn man es Rechtsstaat nennt.

Preußen hat Deutschland Positiv geprägt und war NICHT RECHTS!
Ohne Preußen gäbe es nicht einmal Deutschland! In Preußen gab es Außerdem Religionsfreiheit und sie hatten keine Kolonien also auch keine Sklaverei! In Preußen wurden viele Sozialleistungen eingeführt etc. Ich hoffe ihr versteht was ich meine
Die Preußische Flagge als Rechtes Symbol zu bezeichnen ist wohl das Dümmste und heuchlerischste achso übrigens nordkurrier! Ohne Preußen hättet ihr nicht einmal Pressefreiheit! Na wie fühlt man sich? Nachdem man so einen Inkorrekten müll geschrieben hat? (Über die Flagge des Deutschen Kaiserreiches Schwarz, Weiß, Rot kann man sich streiten diese ist eig. Auch keine Rechte Flagge aber wurde von rechten gruppen missbraucht daher sehe ich das noch ein mit "Rechts") aber heutzutage wo man Zugriff auf mehrere Websites hat wo ALLES steht da so eine Lüge zu verbreiten geht ÜBERHAUPT NICHT! Heutzutage kann ich fasst verstehen warum viele Rechte "Lügenpresse" Schreien die Presse Informiert sich nicht richtig
Ich hoffe ich konnte dem einem oder dem andren hier die Wahrheit zeigen

Jetzt wollen wir die Kirche mal im Dorf lassen und ein wenig differenzieren:
Preußen ist kein Nationalsozialismus. Dementsprechend sind die Symbole wie z.B. Flaggen auch erlaubt. Gerade deswegen werden sie ja von Rechtsextremen benutzt! Auch die Farben Schwarz-Weiß-Rot, findet man bei den Preußen und den Nazis. Also wird hier durchaus eine Nähe gesucht.
Zur damaligen Zeit, wurden zweifelsohne wichtige Errungenschaften eingeführt, die wir bis heute haben. Das preußische Schulsystem oder das Beamtentum. Ob beide so heute noch in die Zeit passen? Ich finde nicht.
Auch war Preußen extrem militärisch organisiert und aufgestellt. Kolonialismus und die schrecklichen Verbrechen mit denen er einhergeht gehörten auch dazu. Zum Beispiel der Genozid in Namibia an den Hereros. Die Religionsfreiheit war auch eher pragmatisch und nicht Ideel. Es ging, salopp gesprochen, um das Anwerben von Facharbeitern.
Bei den vielen Modernisierungen, die die Preußen eingeführt haben, ging es auch seltener um Humanismus und Aufklärung, sondern schlicht um die Erkenntnis, das Bildung, Vereinigung der vielen Gebiete in Deutschland, ein organisiertes Staatswesen,...den Machterhalt und die Wirtschaft und den Reichtum erleichtern bzw generieren.
Zudem gab es auch verschiedene Phasen und Herrscher in Preußen.
Also ein seeehr umfangreiches Thema, das schwer nur schwarz oder weiß beleuchtet werden kann.
Viel wichtiger für unsere Gesellschaft heute, finde ich da die Aufklärung mit Kant und Voltaire, um nur zwei zu nennen.
Und Hand aufs Herz: in Fällen wie in Boizenburg denke ich, würde jemand liebend gerne NS-Flaggen hissen. Da dies, zu Recht, verboten ist, bleiben nur Preußen Symbole...

Es handelt sich übrigens um Flaggen.
Flaggen werden gehisst, Fahnen werden getragen...z.B. morgens nach dem Zechen:-)
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