VERLIEBTE UCKERMÄRKER

Bratwursthäppchen garantieren Eheglück

Wenn er auf dem Trecker sitzt, bringt sie ihm das Abendbrot aufs Feld. Kleine Gesten wie diese halten die Liebe der Hirschfelders frisch.
Claudia Marsal Claudia Marsal
Doreen und Frank Hirschfelder haben ihr Liebesglück vor zwölf Jahren in der Grünower Kirche besiegeln lassen.
Doreen und Frank Hirschfelder haben ihr Liebesglück vor zwölf Jahren in der Grünower Kirche besiegeln lassen. Claudia Marsal
Grünow.

In wenigen Wochen bricht für die Hirschfelders wieder die romantische Zeit an. Dann wird Mutter Doreen abends am Grill stehen und selbst die Würste wenden. Und wenn das Bratgut dann endlich durch ist, stehen die Chance gut, dass die Altenpflegerin zum Handy greift und erfragt, wo ihr Göttergatte gerade steckt.

Während der Ernte kommt der Landwirt nämlich in der Regel erst spät nach Hause. So lange möchte ihn seine Angetraute aber nicht entbehren. Deshalb packt die 42-Jährige während dieser XXL-Schichten das Abendbrot in die Dose und fährt zu ihm ans Feld. Im Traktor oder Mähdrescher drehen die beiden dann – verliebt wie am ersten Tag – ihre Runden, während sie ihrem Schatz die vorportionierten Häppchen reicht oder selbst mal an Steuer darf, damit er in Ruhe essen kann.

Platz hart erkämpft

Es gab Jahre, da musste sich die Grünowerin diesen Platz hoch oben auf der Maschine hart erkämpfen. Sohn Lucas war nämlich genauso erpicht darauf, den Papa stets um sich zu haben. Manchmal entschied dann das Los darüber, wer ihm das Essen zum Feld bringen darf. Mittlerweile geht der 16-Jährige aber fast schon eigene Wege. Sie werden ihn auch in die Landwirtschaft führen. So viel steht schon fest.

Aber freizeittechnisch hat sich der Teenager langsam abgenabelt. Angst vor der nahenden kinderlosen Ära haben die Eltern aber nicht, wie sie schmunzelnd versichern: „Langweilig wird uns bestimmt nicht.“ Bis dahin genießen sie allerdings noch jeden Moment der jugendlichen Quirligkeit, die ihnen der Stammhalter mitsamt seines großen Freundeskreises beschert. „Wir sind ein offenes Haus, das hat sich bei den Kumpels schnell herumgesprochen“, freut sich die Mutter.

Stets einer Meinung

Es sei von Vorteil gewesen, dass sie in punkto Erziehung meist einer Meinung waren, fügt Doreen Hirschfelder im Gespräch mit dem Uckermark Kurier hinzu: „Es gab nie Streitereien wegen des Jungen.“ Und auch sonst könne man ihre Meinungsverschiedenheiten wohl an einer Hand abzählen, ergänzt Frank Hirschfelder schnell. Der 55-Jährige ist immer noch glücklich, mit Doreen vor 20 Jahren endlich die Liebe seines Lebens gefunden zu haben, wie der Bauer betont.

„Unser schönster Tag war der 8. September 2007, als wir uns vier Monate nach der standesamtlichen Trauung in der Kirche Grünow den Segen des Pfarrers geholt haben“, versichern die beiden. Warum an ihnen selbst das verflixte siebente Jahr scheinbar spurlos vorüber ging, versucht der Ehemann wie folgt zu beschreiben: „Wir gehen achtsam miteinander um und hören auf die Bedürfnisse des anderen. Ich sehe, wenn sie eine schwere Schicht hatte und mal Ruhe braucht. Und auf der anderen Seite weiß ich, dass sie zu mir genauso rücksichtsvoll ist.“

Vater und Oma gepflegt

Doreen Hirschfelder wiederum rechnet ihrem Mann hoch an, dass sie Vater und Oma im eigenen Haus pflegen durfte, ohne dass es Murren gab. „Andere Männer sind da nicht so tolerant“, weiß die DRK-Mitarbeiterin aus Erfahrung. Sie müsse sich vorher glücklicherweise nie Gedanken machen, wie der Gatte wohl auf eine ihrer Entscheidungen reagiere. „Wir tragen die Konsequenzen stets gemeinsam.“ Auch das Hand-in-Hand-Gehen haben sich die beiden über die Jahre nicht abgewöhnt. Keine Frage, auch Zärtlichkeiten und viel Intimität gehören zu einer guten Beziehung dazu. Wenn das Interesse am anderen verloren gehe, dann seien Krisen vorprogrammiert, das ist dem Grünower Paar bewusst. Deshalb soll Landwirt Frank Hirschfelder auch noch in zehn Jahren seine Schnittchen am Trecker pünktlich zur Abendbrotzeit serviert bekommen.

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