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Chef kämpft um Kinder-Notbetreuung für Werkschützer

In Potsdam bewerten die Behörden Securitas als systemrelevant, in Prenzlau nicht. Wie kann das sein? Das fragt sich Betriebsstättenleiter Jonny Lipski.
Theoretisch können sich Eltern lange krankschreiben lassen mit dem Nachwuchs. Aber viele Kollegen würden lieber arbe
Theoretisch können sich Eltern lange krankschreiben lassen mit dem Nachwuchs. Aber viele Kollegen würden lieber arbeiten und eine Notbetreuung in Anspruch nehmen, weiß Betriebsstätten-leiter Jonny Lipski. Jens Büttner
Betriebsstättenleiter Jonny Lipski kann auf die jungen Werkschützer nicht verzichten.
Betriebsstättenleiter Jonny Lipski kann auf die jungen Werkschützer nicht verzichten. Claudia Marsal
Prenzlau ·

Ist meine Branche systemrelevant? Das fragen sich immer mehr Eltern, die im Lockdown arbeiten wollen/müssen und auf eine Notbetreuung ihrer Sprösslinge angewiesen sind. Ihr Problem: Das Gros der Anträge wird derzeit abschlägig beschieden im Jugendamt der Kreisverwaltung Uckermark. Das ärgert auch die betroffenen Arbeitgeber, die dringend auf das Personal angewiesen sind. Zu denen, die sich mit einem Nein für ihre Angestellten nicht abfinden wollen, gehört Jonny Lipski. Als Betriebsstättenleiter der Securitas GmbH hat der 34-Jährige am Standort Schwedt 81 Mitarbeiter im Sicherheitsdienst unter sich. Darunter sind viele junge Eltern, was der Firma derzeit auf die Füße fällt, der Uckermark Kurier berichtete.

Bewachung von PCK & Co.

Schon jetzt fehlt bei ihnen jeder neunte Kollege. Das macht es dem Betrieb immer schwerer, seinen Aufgaben, zu denen vornehmlich die Bewachung großer Industriebetriebe wie des PCK Schwedt zählt, nachzukommen. Er hofft deshalb noch auf ein Einlenken der Behörde.

„Doch danach sieht es zurzeit leider nicht aus. Getreu dem Motto: Nach mir die Sintflut. Es wird nicht das große Ganze betrachtet, jeder schaut nur auf sich selbst.“ Auf die Ablehnungen des Landkreises bezugnehmend erklärt Jonny Lipski enttäuscht: „So etwas hatte ich schon erwartet, anscheinend ist sich keiner der Konsequenz eines Vorfalls in diesem Bereich bewusst. Hoffen wir einfach, dass alles gut geht.“

Er hat die Problematik jetzt an seine Geschäftsführung und den Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) weitergeleitet. „Denn in Potsdam zum Beispiel ist Securitas systemrelevant.“ Wie kann das sein im selben Land? Der BDSW unterstützt mit dem Argument, dass seine Unternehmen Organisationen und Einrichtungen der kritischen Infrastrukturen schützten und damit einen unverzichtbaren Beitrag für die innere Sicherheit in Deutschland leisteten. Könnten diese ihren Betrieb nicht aufrechterhalten, wären Versorgungsengpässe und erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit die Folge, heißt es ganz deutlich in der Stellungnahme zu dieser Problematik.

Große Herausforderung

Jugendamtsleiter Stefan Krüger versichert, dass ihm natürlich bewusst sei, dass neben den Familien auch viele Unternehmen auf Grund des aktuellen Infektionsgeschehens vor großen Herausforderungen ständen. „Die aktuellen Regelungen und Entscheidungen sorgen dafür, dass Beschäftigte nur eingeschränkt oder gar nicht zur Verfügung stehen.“ Von daher sei es nachzuvollziehen, dass sich viele Firmen den kritischen Infrastrukturbereichen zugehörig fühlten, weil sie produzierendes Gewerbe oder Dienstleister seien oder sogar mittelbar für Betriebe kritischer Sektoren Leistungen erbrächten. Tatsächlich treffe das aber nicht für jedes Unternehmen zu, bedauert Stefan Krüger auf Nachfrage des Uckermark Kurier. Die Rechtsgrundlage dafür ergebe sich nämlich unmissverständlich aus der aktuellen Eindämmungsverordnung des Landes. Und danach komme es im Einzelnen explizit darauf an, ob Eltern in einem Bereich oder Sektor der kritischen Infrastruktur beschäftigt seien und sich somit eine Systemrelevanz ergebe, woraus wiederum ein Anspruch auf Notbetreuung resultieren könnte. Die Kriterien dafür, so Krüger, seien nochmals deutlich verschärft worden vom Land.

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